Swisscom will für 6 Milliarden Fastweb kaufen

12. März 2007, 09:49
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Freundliches Übernahmeangebot von Swisscom für den italienischen Breitbandanbieter. Der Fastweb-Verwaltungsrat soll bereits zugestimmt haben.

Freundliches Übernahmeangebot von Swisscom für den italienischen Breitbandanbieter. Der Fastweb-Verwaltungsrat soll bereits zugestimmt haben.
Swisscom hat heute in einer Mitteilung die Gerüchte des vergangenen Wochenendes bestätigt, wonach das Unternehmen die Übernahme des italienischen Breitbandanbieters Fastweb anstrebe. Der Verwaltungsrat des Mailänder Anbieters habe heute ein "freundliches öffentliches Übernahmeangebot" erhalten, schreibt die Swisscom. Laut italienischen Medienberichten hat der Verwaltungsrat der Übernahme heute Morgen zugestimmt.
Geplant ist, 100 Prozent der Fastweb-Aktien zu einem Preis von 6 Milliarden Franken zu übernehmen. Swisscoms Angebot beinhaltet die Bedingung, dass mindestens 50 Prozent des Aktienkapitals plus 1 Aktie übernommen wird. Die geplante Transaktion liegt innerhalb der strategischen Vorgaben des Bundes, wonach Unternehmen im Bereich der Grundversorgung nicht übernommen werden dürfen. Das Departement Leuenberger liess heute verlauten, dass keine Einwände gegen das Vorhaben erhoben werden.
Keine Aktienrückkäufe mehr
Der Maximalpreis entspricht einem Preis von 47 Euro pro Aktie. Am Freitag schloss die Fastweb-Aktie an der Mailänder Börse mit einem Plus von 7 Prozent auf 42,3 Euro. Den Peak von 47 Euro hatte das Wertpapier im Januar erreicht, als Gerüchte über eine mögliche ausländische Übernahme bekannt wurden. Die Fastweb-Aktien werden heute wegen den laufenden Gesprächen nicht gehandelt.
Swisscom will die Transaktion mittels der Aufnahme neuer Schulden und abhängig von der Annahmequote des Übernahmeangebots mit dem Verkauf von bis zu 4,9 Millionen Aktien aus eigenem Bestand finanzieren. Die Aktien wurden vergangenes Jahr im Rahmen des Aktienrückkaufprogramms erworben. Mit Ausnahme eines Sonderrückkaufs von 500 Millionen Franken im kommenden Jahr will Swisscom keine Aktienrückkäufe mehr tätigen, sondern ihre bisherige Ausschüttungspolitik in eine reine Dividendenpolitik umwandeln. Die Jahresdividende soll die Hälfte des Reingewinns betragen.
"Vorsprung von drei bis fünf Jahren"
Swisscom plane eine langfristige Beteiligung an Italiens zweitgrösstem Festnetzanbieter. Fastweb erzielte vergangenes Jahr einen Umsatz von 2,04 Milliarden Franken und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 691 Millionen Franken. Laut Swisscom hat das Mailänder Unternehmen im Bereich neuer Technologien einen Vorsprung von drei bis fünf Jahren. So bietet Fastweb bereits seit 2001 IPTV an. Swisscom will Fastwebs Pläne, als virtueller Mobilfunkanbieter in Italien aufzutreten, unterstützen. Das operative Geschäft von Fastweb soll selbständig weitergeführt werden, das bestehende Management soll an Bord bleiben.
Swisscom betont, dass auch nach einer erfolgreichen Akquisition weiterhin genügend finanzielle Mittel vorhanden seien, um die Herausforderung im dynamischen Kerngeschäft Schweiz bewältigen zu können. Positiv äusserte sich auch die Gewerkschaft Kommunikation, die in einer Mitteilung schreibt, mit der angestrebten Übernahme sei der Beweis erbracht, "dass strategisches Wachstum der Swisscom auch mit der Bundesmehrheit möglich ist. Somit ist das Hauptargument der Befürworter der Privatisierung endgültig vom Tisch."
Von der Transaktion verspricht sich Swisscom eine Erhöhung von Umsatz und EBITDA um rund ein Fünftel sowie weiteres Wachstum in den Folgejahren. Morgen präsentiert das Unternehmen das Jahresergebnis 2006. (mim)

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