Taiwanische Hersteller fragen sich, was sie an der CeBIT sollen

22. März 2007, 12:52
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Kein Return of Investment bei der grössten ausländischen Aussteller-Gruppe an der CeBIT? Asustek und Gigabyte nächstes Jahr wahrscheinlich nicht präsent.

Kein Return of Investment bei der grössten ausländischen Aussteller-Gruppe an der CeBIT? Asustek und Gigabyte nächstes Jahr wahrscheinlich nicht präsent.
An der gestern zu Ende gegangenen weltgrössten IT-Messe CeBIT waren 602 Aussteller aus Taiwan vertreten. Das ist die grösste ausländische Aussteller-Gruppe mit Abstand (es folgen China mit 471, Südkorea mit 215 und Hongkong mit 197 Ausstellern). Es stellt sich die Frage, ob sich die Messe für die aufstrebenden Unternehmen aus Taiwan gelohnt hat. Die renommierte taiwanische Zeitung 'DigiTimes' meint: nein. Das Blatt bezieht sich auf Gespräche mit Vertretern von taiwanischen IT-Firmen, von denen sich offensichtlich viele überlegen, ob sie nächstes Jahr wieder nach Hannover kommen sollen.
Schon verglichen mit 2006 (711 Aussteller aus Taiwan) ist die Zahl der taiwanischen Aussteller an der CeBIT erheblich geschrumpft. Die Messe-Verantwortlichen sagen zwar, die kleinere Anzahl 2007 sei darauf zurückzuführen, dass sich eine "dreistellige Anzahl taiwanischer Hersteller von ihren eigenen Zweigwerken auf dem chinesischen Festland oder von ihren europäischen Vertriebszentralen anmelden, die dann den Statistiken der jeweiligen Länder zugefügt werden müssen."
Doch es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich Taiwan langsam aber sicher von der CeBIT verabschiedet. Grössen wie Acer, HTC und Shuttle sind schon dieses Jahr nicht mehr gekommen. Shuttle hatte bisher immer eine grosse Präsenz in Hannover und Acer ist einer der grössten PC-Hersteller weltweit. Nach Angaben der chinesischen Zeitung 'Commercial Times' überlegen sich derzeit die beiden Motherboard-Hersteller Asustek (Asus) und Gigabyte Technology, nächstes Jahr der CeBIT fernzubleiben.
Viele End-User und alte Produkte
Wie die Zeitung schreibt, haben die beiden Hersteller nicht wirklich von der Messe profitiert, da die meisten Besucher End-Kunden waren und aus Deutschland kamen. Dies steht im krassen Gegensatz zum Fazit der Deutschen Messe AG, die glaubt zu wissen, dass unter den 480'000 Gästen 379'000 "Fachbesucher" waren.
Ein Vertreter eines taiwanischen Motherboard-Hestellers sagte gegenüber 'DigiTimes', man schaue sich im Geschäftsumfeld immer den potentiellen Return of Investment an; "bei der CeBIT sehen wir einfach keinen", so die Quelle. Doch nicht nur das Publikum, auch die Hersteller selbst sind das Problem. Weil namhafte Hersteller den Launch ihrer Produkte nicht mehr mit der CeBIT abgestimmt haben, mussten taiwanische Hersteller mit oft veralteten Produkten anreisen.
Für ausstellende Grafikkarten-Hersteller aus Taiwan ist es eben fundamental, ob Nvidia oder AMD ihre neuen Grafik-Chips vor oder nach der CeBIT lancieren. Auf Intel war auch kein Verlass: Motherboard-Hersteller warteten vergeblich auf den Launch der High-end-Version des Bearlake-Chipsets (mit Unterstützung für PCI Express 2.0). MSI zeigte an der CeBIT Motherboards mit den kleineren Bearlake-Chipsets und überlegt sich nun gemäss 'DigiTimes', ob nächstes Jahr wieder so viel Aufwand betrieben werden soll.
Aber auch für Handset-Hersteller ist die CeBIT ungünstig, weil sie nur wenige Wochen nach der 3GSM in Barcelona stattfand. Gigabyte Communications kam trotzdem mit zwei neuen Geräten an die CeBIT – laut 'DigiTimes' zum ersten und letzten Mal.
Die taiwanische IT-Industrie exportierte vergangenes Jahr Waren im Wert von 61,73 Milliarden Dollar, was einer Steigerung um über 20 Prozent gegenüber 2005 entspricht. Damit hat die Computer-Industrie den grössten Einzelanteil am Gesamtvolumen von fast 300 Milliarden Dollar. (mim)

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