Tapit im Gegenwind

22. September 2014, 15:22
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Die von Swisscom propagierte und mittlerweile auch von Sunrise und Orange übernommene Bezahl-App Tapit steht vor ungewisser Zukunft.

Die von Swisscom propagierte und mittlerweile auch von Sunrise und Orange übernommene Bezahl-App Tapit steht vor ungewisser Zukunft. Wie die 'Schweiz am Sonntag' gestern berichtete, wurde die App seit dem Start vor drei Monaten nur etwas mehr als 5000 Mal im Google-Store heruntergeladen und die Bewertungen sind eher negativ. Mehr als die Hälfte der User gibt nur einen Stern, denn bei vielen läuft die App noch gar nicht. Apps für iPhones, Blackberrys oder Windows Phones gibt es noch nicht.
Apple hat derweil Anfang September mit Apple Pay ein ähnliches System auf den US-Markt gebracht. Die neuen iPhones verfügen zwar neu über NFC und haben damit die Grundvoraussetzung für Swisscoms Tapit, doch Apple will NFC zumindest vorerst nur für das eigene System verfügbar machen.
Ein weiteres Problem für Swisscom ist, dass sich offenbar Kreditkartenfirmen querlegen. Sie machen entweder "nur widerwillig oder gar nicht bei Tapit mit", so die 'Schweiz am Sonntag'. Momentan funktioniert die Swisscom-App lediglich mit vier Visa-Karten der Cornèr Bank. Ab dieser Woche stösst Aduno/Viseca dazu. Cembra (Migros Cumulus) mit 570'000 Karten, PostFinance mit 350'000 Karten und die Credit-Suisse-Tochter Swisscard mit mehr als einer Million Kreditkarten unterstützen Tapit nicht.
Banken und Kreditkarteninstitute tendieren offenbar dazu, eine Zahlungslösung unabhängig von den Telcos zu entwickeln. Eine Partnerschaft mit Apple wäre wünschenswert. So findet im Oktober offenbar ein Meeting mit Apple statt, lässt sich Roland Zwyssig, Marketing-Chef der Kartengesellschaft Viseca/Aduno, im Bericht zitieren.
PostFinance-Chef Hansruedi Köng sagt in einem Interview im gleichen Blatt: "Wir sind momentan nicht dabei. Wir erachten den Aufwand heute als zu gross. Es stellen sich zwei Fragen: Macht es grundsätzlich Sinn, eine Kreditkarte aufs Handy zu bringen? Und ist es kommerziell interessant, das zu tun? Wenn beides gegeben ist, kann man darüber sprechen. Wir waren in Diskussionen und werden weiterhin in Diskussionen bleiben. Tapit ist nur ein Projekt. Daneben gibt es weitere." Man verfolge verschiedene Ideen, die aber noch nicht marktreif seien. "Mobile Geräte werden sicher wichtiger werden. Wir werden dereinst in irgendeiner Form auch Zahlungsverkehr mit Handys anbieten. Mehr noch als heute. Mittelfristig wird man sicher mit dem Handy im Geschäft bezahlen können", so Köng. (mim)

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