Tech-Data-Chef Dutkowsky: "Turnaround in Europa ist geschafft"

2. Mai 2008, 13:29
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Tech-Data-Chef Bob Dutkowsky gibt den miesen Margen im Geschäft mit Retail-Kunden die Schuld an den Problemen in Europa.

Tech-Data-Chef Bob Dutkowsky gibt den miesen Margen im Geschäft mit Retail-Kunden die Schuld an den Problemen in Europa.
Obwohl der Distributionsriese Tech Data kurz vor der Veröffentlichung der Geschäftszahlen der vergangenen drei Monate steht, gab Bob Dutkowsky, seit eineinhalb Jahren am Ruder, der US-Publikation 'ChannelWeb' ein ausführliches Interview. Da er im Gespräch mit unseren Kollegen ausführlich auf das Geschäft von Tech Data in Europa zu sprechen kam, greifen wir hier einige Aussagen von Dutkowsky auf.
Wie der Boss des weltweit zweitgrössten Distributors sagt, schaffte es Tech Data, die Profitabilität in Europa um 200 Millionen Dollar - von einem Verlust von 150 Millionen Dollar jährlich auf einen Gewinn von 50 - zu verbessern. Gelungen sei dies durch die Konzentration auf die Kernkompetenzen eines Distis: Beziehungen zu den Herstellern, Logistik, Kundendienst. Tech Data habe europaweit sehr viel in Software von SAP investiert, was sich nun auszahle. Zudem habe sich Tech Data aus einigen unprofitablen Marktsegmenten, vor allem teilweise aus dem Business mit dem Retail, zurückgezogen. Eine 20-Millionen-Bestellung lohne sich eben nicht, wenn der Kunde auf einer Zahlungsfrist von 150 Tage beharre.
Insgesamt habe Tech Data letztes Jahr in Europa eine "echte Turnaround-Story" geschrieben, so Dutkowsky.
Dutkowskys Ursachenforschung
Auf die Frage, was denn die Probleme von Tech Data verursacht habe, gibt Dutkowsky eine interessante Antwort. Seine Firma habe nach der Übernahme von Azlan den Fehler gemacht, parallele Strukturen (Management, Logistik, Verkauf) aufrecht zu erhalten. Als Tech Data dann Geld verloren habe, habe man begonnen, Logistikzentren zu schliessen und Standorte aufzugeben. Dies wiederum habe dazu geführt, dass Tech Data den Fokus auf den Markt "total verloren" habe.
Womit dann ein Disti-typischer Teufelskreis begonnen habe. Tech Data habe Leute entlassen. Die übrig gebliebenen hätten dann auf möglichst einfache Art möglichst viel Umsatz machen wollen - eben mit dem Retail. Die Konkurrenz habe hingegen den profitableren KMU-Bereich beackert. Dies, so der Tech-Data-Chef, habe dazu geführt, dass Ingram Micro plötzlich der profitablere Disti in Europa geworden sei. Nun habe Tech Data in bestimmten Märkten das Retail-Geschäft fallen gelassen und sich vermehrt im KMU-Segment engagiert, was in einigen Ländern sofort zu einem Verdoppelung des Profits geführt habe.
Der letzte "soft spot" von Tech Data in Europa sei Deutschland, wo man noch am meisten zu tun habe, sagte Dutkowsky. In Skandinavien, wo der Mega-Disti mit dem Kauf von Scribona zum härtesten Konkurrenten des Schweizer Also-Konzerns werden dürfte, erwartet Dutkowsky "dramatisches Wachstum". "Schaunmermal" dürfte man sich dazu am Also-Hauptsitz sagen... (Christoph Hugenschmidt)

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