Telco-Gigantenhochzeit in den USA

6. März 2006, 10:00
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AT&T möchte BellSouth übernehmen. Kaufpreis 67 Milliarden Dollar.

AT&T möchte BellSouth übernehmen. Kaufpreis 67 Milliarden Dollar.
AT&T hat gestern die geplante Übernahme von Bell South bekannt gegeben. Durch den Deal käme auch das Mobilfunkunternehmen Cingular, das bisher AT&T und BellSouth gemeinsam gehörte, zu hundert Prozent in den Besitz von AT&T.
Die Verwaltungsräte der beiden Firmen haben sich auf einen Übernahmemodus geeinigt. Die Übernahme soll durch Aktien finanziert werden: BellSouth-Aktionären sollen 1.325 AT&T-Aktien pro BellSouth-Aktie erhalten. Dies würde einem Kaufpreis von rund 67 Milliarden Dollar entsprechen. AT&T würde zusätzlich noch die Schulden von BellSouth in der Höhe von gegenwärtig rund 22 Milliarden Dollar mit übernehmen.
Durch den Merger würde das mit Abstand grösste Telekommunikationsunternehmen in den USA entstehen, mit einem geschätzten Börsenwert von rund 170 Milliarden Dollar. Der Deal dürfte zu den fünf grössten Übernahmen in der Geschichte der USA gehören.
Zerschlagen und wiedervereint
Ein spezieller Aspekt der Geschichte ist, dass damit fünf der einst acht aus der 1984 staatlich angeordneten Zerschlagung der alten AT&T – liebevoll "Ma Bell" genannt – entstandenen "Baby Bells" wieder zusammenkommen. Damals wollte man das Monopol, das AT&T in weiten Teilen der USA besass, aufbrechen. Dabei entstanden sieben regionale Telefongesellschaften und ein Langstreckencarrier, der den Namen AT&T behielt. SBC (Southwestern Bell), selbst ein Baby Bell, hatte noch in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts Ameritech und Pacific Telesys übernommen. In den letzten beiden Jahren folgten zuerst AT&T Wireless und 2005 AT&T selbst, worauf SBC den traditionsreichen Namen AT&T annahm. BellSouth ist der letzte der ursprünglichen Baby Bells, der bisher noch unabhängig operiert. Bell Atlantic und Nynex gehören heute zu Verizon, USWest zu Qwest.
Die Übernahme spielt sich vor dem Hintergrund des Zusammenwachsens des Telefon-, Internet- und Kabelfernsehgeschäfts und der dadurch verschärften Konkurrenz ab. Diese macht auch den Wiederzusammenschluss der Baby Bells politisch möglich, da die neue AT&T durchaus (harte) Konkurrenz hat. Internet- und Kabelfernsehgesellschaften, wie in den USA Comcast oder MCI, waren bisher deutlich erfolgreicher dabei, den Telcos Telefon-Kunden abzunehmen als umgekehrt Fersehkunden gewonnen werden konnten.
Daraus entsteht auch der Druck, sich durch Merger zu vergrössern. Einerseits sind bei den Firmen, die aus dem Telefon- oder Internet-Provider-Geschäft kommen, grosse Investitionen notwendig, um die Infrastruktur für Internet-Fernsehen zu schaffen, und zweitens ist das umso Erfolg versprechender, je grösser die bestehende Kundenbasis ist. Durch die Übernahme von BellSouth würde AT&T rund 14 Millionen neue Heimanschlüsse und 6 Millionen Unternehmensanschlüsse gewinnen. (Hans Jörg Maron)

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