Telcos lehnen Festnetz-Flatrate in Grundversorgung ab

2. Dezember 2015, 17:02
  • telco
  • swisscom
  • asut
  • salt
image

Ab 2018 sollen Kunden mit einem Festnetzabo für maximal 29,35 Franken im Monat unbegrenzt in alle Schweizer Netze telefonieren können.

Ab 2018 sollen Kunden mit einem Festnetzabo für maximal 29,35 Franken im Monat unbegrenzt in alle Schweizer Netze telefonieren können. Nun wehrt sich die Telekombranche. Der freie Wettbewerb sei gefährdet.
Konkret stört sich die Branche daran, dass im Preis für ein Festnetzabo in der Grundversorgung vor, deren Anhörung gestern zu Ende ging. Notwendig wird sie, weil die aktuelle Grundversorgungskonzession ausläuft.
Swisscom verfügt noch bis Ende 2017 über die Konzession. Doch es ist wahrscheinlich, dass sie die Konzession auch weiterhin behalten wird und gezwungen sein könnte, die Flatrate ab 2018 anzubieten.
Wettbewerbsverzerrungen
Die Flatrate in der Grundversorgung zu verankern, führe aber zu Wettbewerbsverzerrungen, kritisiert der Verband der Telekommunikation (Asut) in einer Stellungnahme. Ein Festnetzanschluss ohne Flatrate koste bei Swisscom und Sunrise bereits heute rund 25 Franken pro Monat. Damit könnten die Nutzer in Zukunft für monatlich rund vier Franken zusätzlich unbeschränkt in sämtliche Schweizer Netze telefonieren.
Die neue Preisobergrenze ist laut Asut nicht zu rechtfertigen. Die Grundversorgung garantiere flächendeckend ein Basisangebot zu erschwinglichen Preisen. Sie dürfe aber nicht als "Versorgungsanspruch auf alles Wünschbare" interpretiert werden. Vor "Regulierung der Regulierung Willen" warnt auch der Telco Salt.
Kein marktüblicher Preis
Für die Kostenberechnung hat das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) den aktuellen Preis herbeigezogen, den Swisscom für die "letzte Meile" in Rechnung stellt. Dieser beträgt zurzeit 13,30 Franken. Für die Flatrate hat das Bundesamt den monatlichen Zusatzbetrag der gängigen Vivo-Angebote von Swisscom dazugerechnet.
In der Branche stösst diese Berechnung auf Unverständnis. Swisscom sei kein Marktangebot bekannt, welches mit vorgeschlagenen Preisobergrenzen konkurrieren könnte, schreibt das Unternehmen. Anstatt den marktüblichen Preis habe das Bakom den kostenorientierten Preis herangezogen.
Zukunft heisst Flatrate
Der Bund rechtfertigt den Wechsel zu einer Flatrate mit dem Trend in den nächsten Jahren. Aller Voraussicht nach werde ein Pauschalpreis für Gespräche zur Norm werden, heisst es im erläuternden Bericht. Für Swisscom ist es zwar unbestritten, dass Flatrates zunehmend beliebter würden. Eine klare Mehrheit der Kunden telefonierten aber nach wie vor auf Basis einer minutenbasierten Abrechnung, argumentiert das Unternehmen. (sda/kjo)

Loading

Mehr zum Thema

image

Meinung: Big-Tech-Beteiligung an Netzausbaukosten ist absurd

Das wäre, wie wenn sich Mercedes und VW sich am Strassenausbau oder Samsung und Miele am Stromnetzunterhalt beteiligen würden, kommentiert Chefredaktor Reto Vogt.

publiziert am 27.9.2022 3
image

Swisscom und EU-Telcos fordern Big-Tech-Beteiligung an Netzkosten

16 CEOs von europäischen Telekomunternehmen wollen, dass sich Google, Meta, Netflix & Co. am Netzausbau beteiligen. Die Forderung ist nicht neu, doch der Ton gewinnt an Schärfe.

publiziert am 26.9.2022
image

268 Millionen IPv4-Adressen sind verschwunden

Ein Forscher bezichtigt Adobe, Amazon und Verizon der unrechtmässigen Verwendung von reservierten IPv4-Adressen. Dadurch werden diese praktisch unbrauchbar.

publiziert am 20.9.2022
image

Huawei Schweiz ehrt seine "Partner des Jahres 2022"

Der chinesische Technologiekonzern betont bei der Award-Vergabe 2022 "bedeutende Projekte" der öffentlichen Hand.

publiziert am 20.9.2022