Telefonanschluss wird billiger - Swisscom sauer

24. September 2008, 10:08
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Die ComCom senkt den Preis für die entbündelte letzte Meile auf 18.18 Franken. Swisscom kritisiert den entscheid, droht aber nur halbherzig mit einem Rekurs.

Die ComCom senkt den Preis für die entbündelte letzte Meile auf 18.18 Franken. Swisscom kritisiert den Entscheid, droht aber nur halbherzig mit einem Rekurs.
Die Regulierungsbehörde der Schweizer Telekom-Branche ComCom hat entschieden, dass die letzte Meile (Kupferkabel von der Verteilzentrale zum Telefonanschluss zu Hause) 18.18 Franken (ohne Mehrwertsteuer) für Swisscom-Konkurrenten pro Monat kosten muss. Die Kommunikationskommission musste den Preis festlegen, weil sich die Markteilnehmer nicht einigen konnten. Sunrise und andere Swisscom-Konkurrenten hatten den Mietpreis von 31 Franken angefochten.
Auch Kollokations- und Interkonnektionspreise gesenkt
Swisscom hatte im März vergeblich versucht auf 23.50 Franken die Gemüter zu beruhigen. Für Sunrise und Co. war das immer noch zu teuer. Die ComCom hat den Preis in den vergangenen Monaten überprüft und ist nun zum Schluss gekommen, dass der monatliche Preis für die Entbündelung einer Hausanschlussleitung für das laufende Jahr 18.18 Franken betragen muss. Für 2007 beträgt er rückwirkend 16.92 Franken. Dieser Entscheid basiere auf umfangreichen Kostenanalysen und Preisberechnungen, die das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) durchgeführt habe, so die ComCom. Die Analyse habe ergeben, dass Swisscom zu hohe Kapitalkosten, teilweise zu kurze Abschreibungsdauern und auch überhöhte Bau- und Betriebskosten verrechnete.
Darüber hinaus hat die ComCom die Kollokationspreise gesenkt. Mit Kollokation ist der Zugang zu den Telefoniezentralen durch die Swisscom-Konkurrenten gemeint. Die einmaligen Preise für Abklärungen und Implementierungsdienste von Swisscom wurden nun um 55 bis 85 Prozent gesenkt. Eine weitere Preissenkung betrifft die Interkonnektionspreise. Dabei handelt es sich um eine Abgeltung für die Nutzung des Festnetzes von Swisscom zur Durchleitung von Telefonanrufen. Die ComCom reduziert nun für die Jahre 2007 und 2008 die meisten Interkonnektionspreise gegenüber den von Swisscom publizierten Preisen um 25 bis 30 Prozent. Damit gehören die Interkonnektionspreise in der Schweiz nunmehr zu den günstigsten in Europa.
Swisscom unglücklich, Sunrise glücklich
Swisscom kritisiert heute erwartungsgemäss den ComCom-Entscheid. Das Unternehmen betont, dass die Schweiz trotz hoher Produktionskosten "schon heute in wichtigen Bereichen zu den Ländern mit den tiefsten regulierten Telekommunikationspreisen innerhalb von Europa" gehöre. Swisscom kritisiert, dass die Regulierungen in den Bereichen Bau, Umwelt und Gesundheit sowie die verschiedenen Anforderungen an Swisscom in Bezug auf Qualität, Grundversorgung und Arbeitsplatzangebot in den Preisvergleichen und Forderungen der Behörden "nicht angemessen berücksichtigt werden".
Im Gegensatz zu bisherigen öffentlichen Mitteilungen der Behörde lägen Swisscom zum Zeitpunkt der Kommunikation der ComCom die Verfügungen nicht vor, deshalb fehlten auch die Begründungen. Daher könne Swisscom keine detaillierte Stellungnahme abgeben, heisst es in einer Mitteilung. Swisscom werde die Verfügungen im Detail prüfen, sobald sie vorliegen. "Sofern sich die Verfügungen und ihre Begründung im Rahmen des Gesetzes halten, wird Swisscom die Entscheide akzeptieren und auf einen Weiterzug an die nächste Instanz verzichten", schreibt der ehemalige Telekom-Monopolist.
Ebenfalls erwartungsgemäss lobt der zweitgrösste Schweizer Telekom-Anbieter Sunrise den ComCom-Entscheid als einen Schritt in die richtige Richtung. Sunrise ist der Meinung, dass der festgesetzte Preis immer noch über dem europäischen Durchschnitt liegt, "aber immerhin deutlich unter den Forderungen der Swisscom." Die ComCom habe "gegen allen Widerstand der ehemaligen Monopolistin" einen wegweisenden Entscheid zum Preis des Teilnehmeranschlusses in Richtung fairen Wettbewerb getroffen. Der Entscheid zeige einmal mehr, dass Swisscom durch Fehlkalkulationen versuche, überhöhte Preise zu erzielen. (Maurizio Minetti)

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