Telefunken meldet sich zurück

13. September 2011, 11:59
  • international
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Wie Grundig hat Telefunken mit Fernsehern in Nussholzoptik ein Stück deutsche Nachkriegsgeschichte geschrieben, ist dann aber nach dem Konkurs 1982 lange Zeit von der Bildfläche verschwunden.

Wie Grundig hat Telefunken mit Fernsehern in Nussholzoptik ein Stück deutsche Nachkriegsgeschichte geschrieben, ist dann aber nach dem Konkurs 1982 lange Zeit von der Bildfläche verschwunden.
Mit neuen Investoren und dem ehemaligen Media-Saturn-Vize Klaus-Peter Voigt als Chef nimmt das Unternehmen jetzt einen neuen Anlauf und sucht weltweit nach "toller, innovativer Technik", der es an einem gut klingenden Namen mangelt. So kam es, dass Telefunken sich laut 'Financial Times Deutschland' (FTD) zum Beispiel mit Fernsteuerungen von Kaffeemaschinen in den hart umkämpften Markt für Haustechnik gewagt hat. Zu den Marktführern in dem Bereich gehört Honeywell mit nach eigenen Angaben über 60 Millionen ausgestatteten Referenzgebäuden weltweit.
Überhaupt nicht bescheiden, würde sich Voigt für die von dem ehemaligen Lufthansa- und Deutsche-Bahn-Vorstand Jemjö Klein gegründete Telefunken Holding schon damit begnügen, zehn Prozent des deutschen Marktes abzugreifen. Der verspreche mit 65 Millionen Haushalten und potenzielle Ausgaben von jeweils 1000 Euro ein Milliardenmarkt zu werden.
Zur Haustechnik der Zukunft gehören auch Smart Grid und Smart Meter, ein Markt, den nicht nur die Stromriesen, sondern auch internationale Konzerne wie Cisco, IBM, Siemens, Toshiba und Co. für sich entdeckt haben. Cisco hat Ende 2009 angekündigt, damit in den nächsten fünf Jahren 20 Milliarden Dollar umsetzen zu wollen. Intelligente Zähler sollen in einem intelligenten Netz im Verbund mit intelligenten Haushaltsgeräten und möglicherweise künftig auch Elektromobile zu einer besseren Verteilung der Stromversorgung beitragen. Mit günstigem Nachstrom wird das Auto aufgeladen, am Tag speist es die nicht abgefahrene Energie sozusagen als rollender Akku wieder ins Netz, so die Vision. Entsprechende Konzepte wurden schon vorgelegt.
Mit gerade mal 15 Mitarbeitern hat Telefunken eigentlich vorerst nicht viel mehr zu bieten, ausser dem guten Namen, und genau den möchte die Holding zu klingender Münze machen. Voigt ist seit drei Jahren fast ständig auf Achse, um auf Elektronikmessen weltweit bei innovativen Unternehmen für diesen guten Namen zu werben und unbekannten Unternehmen einen Marktzugang zu eröffnen. Die dürfen dann damit ihre Fernseher, Internetradios oder andere Geräte mit dem Namen "Telefunken" schmücken.
Eine neue Marke aufzubauen, könne zehn Jahre dauern und 100 Millionen Euro kosten. "Da wollen wir helfen, wenn das Produkt zu uns passt. Eine Telefunken-Gürtelschnalle wird es nicht geben", wird Voigt von FTD zitiert. 2010 konnten Partnerunternehmen mit dem guten Namen Telefunken ihm zufolge schon 600 Millionen Euro umsetzen, wie viel davon in Form von Lizenzgebühren an die Holding gehen, will das Unternehmen nicht verraten, aber laut Voigt war es letztes Jahr erstmals profitabel.
Die Idee zur Haus- und Gerätesteuerung kam ihm, als er auf einer Messe auf das Allgäuer Startup-Unternehmen MSR Office gestossen war. Damit war auch der Plan geboren, ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen. Über eine mit dem Internet verbundene intelligente Steckdose, die im November auf den Markt kommen soll, sollen die Kunden in die Lage versetzt werden, Geräte, von der Kaffeemaschine bis zur Waschmaschine ein- und auszustellen oder elektrische Rollläden zu betätigen. Strom sparen soll das nach dem oben beschriebenen Smart-Grid-Ansatz auch noch. Auf der IFA in Berlin soll ein entsprechender Liefervertrag mit einem grossen deutschen Energieversorger unterschrieben worden sein. Dort hatte die 1903 gegründete Telefunken 1928 auch erstmals Fernsehgeräte präsentiert. (Klaus Hauptfleisch)

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