Telekom = Swisscom?

29. Juni 2011, 08:00
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Laut einer Studie rangieren Sunrise und Orange in der Marktwahrnehmung weit hinter Swisscom.

Laut einer Studie rangieren Sunrise und Orange in der Marktwahrnehmung weit hinter Swisscom.
Wie in vielen anderen Ländern mit einem ehemaligen Staatsmonopolisten wird auch der Schweizer Telekommunikationsmarkt immer noch von dem PTT-Nachfolger Swisscom dominiert. Die Konkurrenz schläft nicht, kommt aber seit Jahren nicht vorwärts oder macht wie die Mobil-Discounter M-Budget und Coopmobile teils sogar Rückschläge. Als Grund dafür nennt eine aktuelle Umfrage mannigfaltige Funklöcher, Service- und Qualitätsdefizite bei den Mitbewerbern. Nach Umsatz beherrscht Swisscom immer noch mehr als die Hälfte des Schweizer Telekom-Marktes, Sunrise und Orange kommen jeweils auf etwa 20 Prozent.
Die von Young & Rubicam (Y&R) durchgeführte und 'Tagesanzeiger.ch' exklusiv vorliegende neue Studie zeigt, dass 66 Prozent der Befragten mit Swisscom vertraut beziehungsweise Kunden sind oder waren. Sunrise und Orange rangieren in der Marktwahrnehmung mit 25 und 18 Prozent weit dahinter. Daran hat sich seit Jahren nichts geändert, was eben auch damit erklärt wird, dass die Kunden der Swisscom-Mitbewerber je nach Region teilweise keinen Handy-Empfang haben. Béatrice Fink, strategische Leiterin der Y&R-Gruppe in der Schweiz, sagt dazu, dass Mundpropaganda ein ganz entscheidender Faktor in der Markenwahrnehmung sei.
Warum wechseln?
Der Studie nach geniesst Swisscom, was Qualität, Dienstleistung und Tradition angeht, immer noch das grösste Verbrauchervertrauen in der Schweiz, während Konkurrenzunternehmen dieses durch schlechten Service zum Teil wieder verspielt haben. So auch Cablecom, interessanterweise konnte der Anbieter dennoch leicht Marktanteile gewinnen, wohl zuungunsten von Sunrise und Orange, denn die haben kleine Stückchen vom Kuchen abgeben müssen. Obwohl die Mitbewerber mitunter auf den Hippness-Faktor oder auf Preiskampf setzen, gelingt es ihnen doch nicht, Swisscom die Kunden abzuluchsen. "Die Alternativanbieter werden oftmals gar nicht erst in Erwägung gezogen. Viele sehen keinen Grund zu wechseln", meint Fink.
Wie die Marketingexpertin feststellt, reitet Sunrise aktuell nicht nur auf der Preisschiene, sondern auch auf der der emotionalen Imagewerbung, eine Strategie, die Orange auch eine Weile gefahren hat, aber zugunsten der Produktwerbung mehr oder weniger fallen gelassen hat. All diese Bemühungen ändern aber wohl nichts daran, welchen der drei grossen Betreiber die Kunden vorziehen würden. 82 Prozent sagten, dass sie sich für ein Abo bei Swisscom entscheiden würden, nur 32 respektive 39 Prozent nannten Sunrise und Orange.
Interessant sind übrigens die vielen Kommentare zu dem Artikel über die Studie. So heisst es in einem Kommentar, Orange sei "Kult" und habe den freundlichsten Kundenservice, Swisscom habe zwar ein schreckliches Logo, biete aber den besten Empfang. Ein anderer lobt zwar die gute Swisscom-Abdeckung, wundert sich aber über die Grundgebühr von 25,25 Franken, obwohl "Herr und Frau Schweizer" die Netzstruktur bezahlt haben und die Kosten sich schon lange amortisiert hätten. In Randregionen könne man bei allen drei grossen Anbietern trotz mancher anderslautender Beteuerungen von moderner Infrastruktur und UMTS nur träumen, Sunrise lange zudem in Grenzgebieten entgegen der Preiskampfansage mit hohen Roaming-Gebühren zu, kritisiert ein anderer Kommentator. (kh)

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