Temenos ausgestochen: Grösste irakische Staatsbank wählt Misys

7. Februar 2008, 07:32
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Irakische Banken modernisieren sich. Der Genfer Softwarehersteller Temenos zieht den Kürzeren. Gerüchte ziehen die Temenos-Aktie in die Tiefe.

Irakische Banken modernisieren sich. Der Genfer Softwarehersteller Temenos zieht den Kürzeren. Gerüchte ziehen die Temenos-Aktie in die Tiefe.
Der Bankensoftware-Hersteller Misys hat einen prestigeträchtigen Deal an Land gezogen: Die grösste irakische Staatsbank Rafidain Bank hat sich für die Kernbankenlösung des britischen Softwareherstellers entschieden. Am Projekt beteiligt ist auch der Implementierungspartner B-Plan. Dabei handelt es sich um einen vor 15 Jahren in Manchester (UK) von zwei irakisch-kurdischen Brüdern gegründeten Finanz-IT-Dienstleister. Das Konsortium liefert auch ein elektronisches Clearing-System sowie Hardware. Finanzielle Einzelheiten teilten die beiden Unternehmen nicht mit. Wann das System live gehen wird, ist ebenfalls nicht bekannt. Die Rafidain Bank betreibt in Irak 148 und im Ausland sieben Filialen.
Das Abkommen zwischen Misys/B-Plan und der Rafidain Bank wurde vom irakischen Finanzminister unterstützt. Der Auftrag ist Teil des Modernisierungsprogramms der irakischen Staatsbanken. Der irakische Finanzminister Bayan Jabr sagte, er sei entschlossen, die irakischen Banken zu modernisieren. Sein Wunsch sei es, dass jeder irakische Bürger eine Visa-Karte und ein E-Banking-Account besitze, unabhängig davon, ob er Staatsangestellter sei oder nicht. "Das ist mein Traum, den ich realisieren will", so der Finanzminister.
Temenos unter Druck
Misys und B-Plan betonen, dass auch die Kernbankenlösung des Genfer Bankensoftware-Herstellers Temenos - des grössten Rivalen von Misys - von der Rafidain Bank evaluiert worden sei. Zudem wurde auch "System Access" des US-amerikanischen Bankensoftware-Anbieters SunGard in Betracht gezogen. Gewonnen hat diesmal jedenfalls Misys.
Dass Temenos den Auftrag bei der Rafidain Bank verloren hat, ist nicht die erste schlechte Nachricht für das Genfer Unternehmen in dieser Woche. Anfang Woche verlor die Temenos-Aktie über 10 Prozent an Wert, nachdem Gerüchte über Probleme mit der Kernbankenlösung TCB aufgetaucht waren. Zudem sollen zwei thailändische Banken ihre Aufträge für diese Lösung storniert haben. Vor wenigen Wochen kursierte an der Börse erneut das Gerücht, dass der deutsche Softwareriese SAP Temenos kaufen könnte im Bankensoftware-Bereich.
Erst gestern hat Temenos bekannt gegeben, dass im vergangenen Jahr bei 36 neuen Kunden eine Kernbankenlösung implementiert werden konnte. (Maurizio Minetti)

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