Teure SAP-Lizenzen als Occasion?

15. November 2005, 17:56
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Sogenannte Lizenz-Vermittler entdecken eine Marktlücke.

Sogenannte Lizenz-Vermittler entdecken eine Marktlücke.
Ende letzter Woche berichteten verschiedene englische und deutsche Medien, dass Microsoft den Handel mit gebrauchten Volumenlizenzen erlaube. Stein des Anstosses war die Gründung des britischen Lizenzhändlers Disclic. Ein Microsoft-Sprecher bestätigte, dass der Weiterverkauf von Lizenzen den Klauseln und Geschäftsbedingungen des Konzerns entspreche.
Disclic verkauft unter discount-licensing.com Lizenzen von Unternehmen, die es nicht mehr gibt, oder die die Lizenzen nicht mehr brauchen können. Die Preise sind 20 bis 50 Prozent günstiger als direkt über den Hersteller. Disclic vermittelt beispielsweise zwischen einer insolventen Firma und dem neuen Käufer und kassiert dafür Gebühren. Es werden aber auch ganze Lizenz-Pakete von Unternehmen abgekauft und als Ganzes weiterverkauft. Disclic bietet allerdings nur Applikations-Lizenzen an. Die Lizenzkonditionen vom Microsoft würden den Verkauf von Betriebssystem-Lizenzen verbieten.
Auch in der Schweiz
In Deutschland gibt es allerdings Händler wie Susensoftware und usedSoft die gemäss einem Artikel von 'ComputerPartner' auch Betriebssystem-Lizenzen anbieten. Auch in der Schweiz gibt es einen Markt für gebrauchte Softwarelizenzen. "Auf jeden Fall", meint Eric Scherer vom Zürcher Beratungsunternehmen i2s. Ein Interesse seitens Anwender sei da. "Unternehmen sollten als ersten Schritt ihre Lizenzbestände überprüfen. In aller Regel hat man mehr als nötig", meint Scherer.
Bei Microsoft Schweiz hat man eine klare Meinung dazu. Wie die Lizenzverantwortliche Ieva Simmen gegenüber inside-channels.ch erklärt, gibt es sehr wohl die Möglichkeit, Lizenzen zu übertragen. Allerdings verfolge diese Regelung nicht das Ziel, den Handel mit gebrauchten Lizenzen zu betreiben. "Die Übertragungsmöglichkeiten sind gewährleistet, damit Kunden, die durch einen Zusammenschluss oder Verkauf die juristische Identität ändern, weiterhin die Lizenzen auch rechtlich korrekt einsetzen können", sagt Simmen. Einen Handel mit gebrauchten Lizenzen kann sich Simmen schlecht vorstellen, da die Lizenz-Konstellation eines Unternehmens immer individuell ist. Ob es "Second-Hand"-Händler für Volumenlizenzen in der Schweiz gibt, weiss Simmen nicht.
Es gibt Zwischenhändler
Der Marketingleiter von SAP, Hansruedi Kuster, glaubt, dass es sehr wohl Zwischenhändler gibt. Es sei aber wichtig festzuhalten, dass diese vermitteln – nicht handeln. Solche Vermittler und die neuen Lizenznehmer müssen aber auf jeden Fall mit SAP Kontakt aufnehmen. Kuster nennt den Fall Swissair als Paradebeispiel: "Als die Swissair Konkurs ging, gab es viele Lizenzen, die Swissair bezahlt hatte, aber nicht mehr nutzen konnte. Da SAP Besitzer der Software ist, können nur wir bestimmen, wer als Rechtsnachfolger die Lizenzen erhalten darf. Wenn wir das OK geben, ist es möglich, dass, in diesem Beispiel, die Swiss das Recht zur Nutzung erhält." Daran gibt es aber offensichtlich nichts zu verdienen, denn die Swiss hat in diesem konkreten Fall keinen Rappen bezahlt, sagt Kuster. Sowieso kämen solche Vermittlungen selten vor, meint Kuster. Als Geschäftsidee existiere der Handel mit gebrauchten Lizenzen in der Schweiz nicht. SAP habe auch kein Interesse an einem solchen Handel.
Für den konkreten Handel mit gebrauchten Lizenzen bestehe in der Schweiz keine rechtliche Grundlage, sagt Oracle-Sprecher Miguel Bayo gegenüber inside-channels.ch. Für Oracle bedeute dies, dass der Kunde zum Beispiel bei einer Firmenübernahme Oracle anfragen muss, ob er die Lizenzen verwenden darf. Den "Schwarzhandel mit gebrauchten Lizenzen" unterbinde Oracle kategorisch.
Zumindest ein Interesse für den Handel mit gebrauchten Lizenzen scheint es in der Schweiz zu geben. Ob damit wirklich das grosse Geld verdient werden kann, ist eine andere Frage. (Maurizio Minetti)

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