Transatlantikkabel: 300 Millionen Dollar für 6 ms Zeitersparnis

13. September 2011, 09:48
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Für sechs Millisekunden weniger "Fahrzeit" auf der Datenautobahn zwischen Europa und Nordamerika soll ein neues Transatlatikkabel verlegt werden. Voraussichtliche Kosten des "Hibernian Express": Rund 300 Millionen Dollar.

Für sechs Millisekunden weniger "Fahrzeit" auf der Datenautobahn zwischen Europa und Nordamerika soll ein neues Transatlatikkabel verlegt werden. Voraussichtliche Kosten des "Hibernian Express": Rund 300 Millionen Dollar.
Zwei Jahre lang hat die "Great Eastern", der damals grösste Liniendampfer der Welt, 1864 bis 1866 gebraucht, um das 5100 km lange erste Transatlantik-Telefonkabel zu verlegen. In der modernen Kommunikation, wo es bei internationalen Finanztransaktionen auf Millisekunden (ms) ankommt, reichen bis in die 1990er Jahre benutzte Kupferkabel nicht mehr aus. 1988 wurde mit TAT-8 das erste transatlantische Glasfaserkabel verlegt, in der Dot-Com-Hochphase kamen weitere hinzu, in den letzten zehn Jahren allerdings keine mehr.
Spitzenreiter in Sachen Geschwindigkeit sind seit über zehn Jahren die beiden AC-1-Kabel von Global Crossing, die New York mit Grossbritannien, den Niederlanden und Deutschland (Sylt) verbinden und bei denen es rund 65 Millisekunden dauert, um Daten über den Atlantik zu schicken.
Ein nun von Hibernia Atlantic geplantes neues Glasfaserkabel mit einer Länge von 6021 km, das rund 300 Millionen Dollar kosten soll, soll zwar laut 'The Telegraph' nur 6 ms Zeitersparnis bringen. Trotzdem werden Kunden aus dem Finanzbereich bereit sein, für die Nutzung des "Hibernian Express"-Kabels bis zu 50 Mal mehr zu bezahlen als für eines der bestehenden Kabel, glauben die Investoren. Für die Chance, sechs Millisekunden "näher" an den Märkten ennet dem grossen Teich zu sein, stünden Währungshändler und andere Trader bereits Schlange, um sofort dabei zu sein, wenn das Kabel 2013 eingeschaltet wird, so Mike Saunders, Vice-President bei Hibernia Atlantic, zum 'The Telegraph'.
Wie 'The Telegraph' weiter berichtet könnte jede Millisekunde Geschwindigkeitsvorteil einem grossen Hedgefonds bis zu 100 Millionen Dollar oder 63 Millionen Pfund Mehreinnahmen bringen, im Jahr wohlgemerkt. Global Marine Systems, die britische Firma, welche das Kabel verlegt, arbeitet an einer neuen kürzeren Route, die möglichst nahe an der Verkehrsluftlinie zwischen London und New-York sein soll.
Laut Saunders hat sein Unternehmen 18 Monate an der Planung der Route gearbeitet. Sollte das neue Kabel an Geschwindigkeit je übertroffen werden müsste das Unternehmen den Kunden praktisch ihr Geld zurückgeben und "mein Boss würde mich umbringen". (Klaus Hauptfleisch/Hans Jörg Maron)
(Illu: Dieser Stich von 1865 zeigt, wie schwer die Besatzung der "Great Eastern" mit der Verlegung des ersten Transatlantikkabels zu kämpfen hatte. Ein Kabelriss hatte damals das Projekt fast zunichte gemacht.)

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