Traum vom Supercomputer-Rekord nach IBM-Ausstieg vorerst geplatzt

10. August 2011, 11:53
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Wegen ausufernder Kosten verabschiedet sich IBM von dem "Blue Waters" genannten Projekt der University of Illinois zum Bau eines Supercomputers, der mit 10 Petaflops oder 10 Billiarden Gleitkommaoperationen pro Sekunde alle anderen in den Schatten stellen sollte.

Wegen ausufernder Kosten verabschiedet sich IBM von dem "Blue Waters" genannten Projekt der University of Illinois zum Bau eines Supercomputers, der mit 10 Petaflops oder 10 Billiarden Gleitkommaoperationen pro Sekunde alle anderen in den Schatten stellen sollte.
2007 hat Big Blue vom National Center for Supercomputing Applications (NCSA) der Universität in Illinois den Auftrag zum Bau des Supercomputers erhalten. Das Projekt hatte ein geplantes Volumen von 208 Millionen Dollar. Wie beide Seiten jetzt in einer gemeinsamen Erklärung bekanntgaben, haben explodierende Kosten und eine allzu grosse Komplexität dazu geführt, dass die Projektpartnerschaft aufgekündigt wurde.
Der Plan sah vor, dass in "Blue Waters" über 300'000 Power7-Prozessorkerne auf eigens von IBM entwickelten Quad-Chip-Modulen mit je vier CPUs und einen Hub-Chip zusammen arbeiten eine Datentransferrate von 1128 Terabyte pro Sekunde erreichen sollten. 'Heise‘ zufolge sollte Blue Waters andere Petaflops-Supercomputer auch in weiteren Disziplinen übertreffen. Allein dem Hauptspeicher war auf 1 Petabyte (PB) geplant, die Datentransferrate zum Hauptspeicher auf 5 PB/s, die Anbindung Storage-Subsystems auf 4 Terabyte/s und seine Kapazität auf 25 PB.
Die NCSA gibt sich dennoch optimistisch, die Projektziele auch ohne IBM als Hardware-Lieferanten erreichen zu können. Zusammen mit der staatlichen National Science Foundation wolle man Blue Waters vollenden. Welche Hardware und Technik dabei eingesetzt werden soll, darüber hüllt man sich allerdings noch in Schweigen.
In der Zwischenzeit haben sich IBM, die University of Illinois und das NCSA nicht nur auf Rückgabe im Voraus bezahlter Gelder und bereitgestellter Ausrüstung geeinigt, sondern auch darauf, nach Möglichkeiten zu suchen, die guten Beziehungen aus dem Blue Waters Project anderweitig fortzusetzen.
Der Zuse Z3 als erster frei programmierbarerer Rechnern aus dem Jahre 1941 schaffte gerade mal 2 Flops, aktueller Rekordhalter ist der K computer vom Advanced Institute for Computational Science in Japan mit derzeit 8,161 Petaflops und 68'544 SPARC64-VIII 8-Core-Prozessoren (2,00 GHz). Nach Fertigstellung soll aber auch der laut Wikipedia auf 10'000 Teraflops oder 10 Petaflops kommen.
Das K in K computer steht übrigens für das japanische Wort "Kei" oder das chinesische Wort "Jing“ für Hauptstadt, das in anderer Bedeutung auch 10 Millionen oder wie in dem Fall 10 Billiarden bedeutet. Gemeint sind die angestrebten 10 Petaflops oder 10 Billiarden Gleitkommastellen in der Sekunde. (Klaus Hauptfleisch)

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