Trojaner in Merkels Rechner?

15. Juni 2015, 07:41
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Aufbau eines neuen Netzes für den deutschen Bundestag soll mindestens ein Jahr dauern.

Aufbau eines neuen Netzes für den deutschen Bundestag soll mindestens ein Jahr dauern.
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist offenbar von dem Cyber-Angriff auf den Deutschen Bundestag persönlich betroffen. Ein Computer aus ihrem Bundestagsbüro sei einer der ersten, bei dem ein Trojaner gefunden worden sei, berichtete die 'Bild am Sonntag'. Ein Sprecher der Unionsfraktion wollte dies demnach "weder bestätigen noch dementieren".
Der Zeitung zufolge nutzten Hacker den Namen von Merkel auch für das Versenden von infizierten Mails. Bei Bundestagsabgeordneten sei vor einigen Tagen eine E-Mail im Postfach mit dem Absender "Angela Merkel" eingegangen. Im Betreff ging es um eine Einladung zu einer Telefonkonferenz. Der Link in der E-Mail war demnach infiziert. Die Bundestagsverwaltung warnt die Parlamentarier im Intranet vor den falschen Merkel-Mails.
Bis Freitagnachmittag wurde der Trojaner dem Bericht zufolge auf 15 Computern festgestellt, die an das Bundestagsnetzwerk angeschlossen sind. Bei fünf Computern sei ein Datenabfluss nachgewiesen worden.
IT-Erneuerung kann Jahre dauern
Die Erneuerung des IT-Netzwerks im Bundestags könnte bis zu zwei Jahre dauern, wie die 'Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung' unter Berufung auf Sicherheitsfachleute berichtete. Unter anderem müsse die gesamte Software des Bundestags ausgetauscht werden. Diese Aufgabe soll nach Informationen der 'FAS' der IT-Dienstleister T-Systems übernehmen, der zur Deutschen Telekom gehört.
Dem Bericht zufolge gibt es im Bundestag Kritik daran, dass der Bundestag 2009 - anders als der Bundesrat - beschlossen hatte, sich nicht dem Netz der Bundesregierung anzuschliessen, das vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) überwacht wird.
Fachleute seien sich einig, dass der Angriff dann keinen Erfolg gehabt hätte. "Die Chance wäre um einiges grösser gewesen, den Angriff abzuwehren," sagte der CDU-Abgeordnete Clemens Binninger der 'FAS'.
Der Hacker-Angriff gilt als weitaus schwerwiegender als zunächst dargestellt. "Man muss sich vorstellen, ein ausländischer Nachrichtendienst hätte den Generalschlüssel zu allen Büros und Aktenschränken des Bundestags erbeutet und kann sich bedienen", sagte die Grünen-Abgeordnete Steffi Lemke der 'FAS'.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte am Freitag gesagt, es spreche einiges dafür, dass hinter dem Cyberangriff ein ausländischer Geheimdienst stecke. Von verschiedenen Seiten wurde dabei immer wieder Russland genannt. (sda/mim)

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