Trotz Euro-Krise: "Softwarekonzerne bewegen sich nicht"

30. Januar 2015, 09:25
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Schweizer SAP-User fordern aufgrund des Euro-Kurses Preisanpassungen. Oracle, CA, Adobe und Apple sehen keinen Grund zu reagieren. Microsoft senkt die Preise im Online-Store.

Schweizer SAP-User fordern aufgrund des Euro-Kurses Preisanpassungen. Oracle, CA, Adobe und Apple sehen keinen Grund zu reagieren. Microsoft senkt die Preise im Online-Store.
Der Euro-Franken-Kurs liegt seit der Aufgabe des Mindestkurses durch die Nationalbank vor zwei Wochen knapp über der Parität. Auch gegenüber dem Dollar hat der Franken zugelegt. Das hat den Preisdruck auf praktisch alle IT-Produkte massiv erhöht, verhalten sich die multinationalen Software-Konzerne träger.
SAP-User verlangen Rabatte
So heisst es bei SAP Schweiz, man sei sich der Währungssituation in der Schweiz durchaus bewusst. Doch allzu schnell will der deutsche ERP-Riese nicht reagieren. SAP formuliert es so: "Auf Basis der Entwicklungen in den kommenden Wochen werden wir, in enger Kooperation mit unserem Mutterhaus, gegebenenfalls geeignete Massnahmen einleiten, um unsere auf Langfristigkeit ausgelegten Beziehungen mit unseren Kunden erfolgreich und einvernehmlich fortzusetzen."
Der Interessengemeinschaft SAP Schweiz geht dies zu wenig weit: Sie fordert eine Anpassung der Preise und spricht von einem Déjà-vu: Bereits im Oktober 2011 forderten die Mitgliederfirmen von SAP 20 Prozent Währungsrabatt auf die Wartungskosten infolge des damaligen Euro-Kurses von 1.20. "SAP hat sich seitdem wenig bewegt. Nur dank der Initiative der IG SAP und des zweijährigen Einsatzes des Preisüberwachers konnten einige Verbesserungen erreicht werden", sagt Peter Hartmann von der IG SAP Schweiz: "SAP und weitere grosse Softwarekonzerne spielen ihre Marktmacht und bewegen sich nicht."
Hartmann sagt, dass einige Bestandeskunden die Wartung noch auf dem damaligen Umrechnungskurs von 1.50 bezahlen. Das entspricht einem Zuschlag von 50 Prozent, die meisten würden aber einen Zuschlag von 20 Prozent bezahlen. Alternativen für SAP-Wartung gibt es in der Schweiz nicht. Die gesamte SAP-Lizenzsumme der IG beträgt rund 320 Millionen Franken, davon machen die Wartungskosten rund 65 Millionen pro Jahr aus. Die SAP-User-Lobby droht als letzte Konsequenz mit der Kündigung der Wartungsverträge. Doch bevor die Situation eskaliert, will die IG weiterhin mit SAP im Dialog stehen und allenfalls die Wettbewerbskommission und den Preisüberwacher mobilisieren.
Oracle, CA, Adobe, Apple bewegen sich nicht
Ebenfalls zurückhaltend gibt sich Oracle. Oracle Schweiz plant keine Preissenkungen aufgrund der Kurssituation, weil die Preise nicht an den Euro gekoppelt seien. Der Präsident der Swiss Oracle User Group (SOUG) Peter Gübeli gibt sich auf Anfrage überzeugt, "dass Oracle allfällige Vorteile für den Schweizer Kunden durch Währungsschwankungen in Ihren Offerings auch wo möglich entsprechend berücksichtigt." Er betont aber, dass die Preisverhandlungen jedem einzelnen Kunden selbst obliegen. Die SOUG habe von ihren Mitgliedern kein Mandat, Preise mit Oracle zu verhandeln.
Auch andere grosse internationale Player wie Adobe oder CA planen momentan keine Preisanpassungen. CA schreibt uns: "Unser Hauptquartier befindet sich in den USA und unsere Verrechnungswährung ist der US-Dollar. Das heisst, wir kalkulieren auch in Dollar. In der Schweiz haben wir in den letzten 12 Monaten keine Preiserhöhungen gemacht, auch als der Dollar um mehr als 10 Prozent gestiegen ist. Jetzt wo der Dollar wieder beinahe dort steht, wo er vor fast einem Jahr war, planen wir dementsprechend auch keine Preissenkung."
Der Preisüberwacher Stefan Meierhans - in seiner früheren Funktion als Microsoft-Manager mit dem Software-Business bestens vertraut - gibt zu bedenken, dass es noch unsicher ist, wo sich der Kurs letztlich einpendeln werde. Diese Woche konnte der Euro gegenüber dem Franken wieder etwas zulegen. Er gehe trotzdem davon aus, dass sich die Kunden "ohne Verzug" bei den Unternehmen gemeldet haben: "So sollte es in erster Linie ja auch sein." Selber plant der Preisüberwacher zumindest vorderhand keine Massnahmen im Software-Business.
Kürzlich hatte Meierhans aber mit Apple Kontakt - Auslöser waren entsprechende Anzeigen. Hier geht es spezifisch um die Preise im App-Store. Der hochprofitable Konzern aus Cupertino plant nämlich keine Preisanpassung. Es gebe hierzu keine Neuigkeiten, lässt Apple Schweiz ausrichten. Immerhin: Die iTunes-Preise sind nach der Intervention des Preisüberwachers gesunken.
Tiefere Preise im Microsoft-Store
Ein weiterer wichtiger Player im Software-Business ist Microsoft. Retailer und Distributoren kaufen bei Microsoft Schweiz jedoch direkt in Euro ein, so dass die Partner die Vorteile des starken Frankenwechselkurses direkt den Endkonsumenten weitergeben können. Grosskunden können zwischen Euro und Franken wählen.
Trotzdem hat Microsoft jetzt die Preise im eigenen Online-Store angepasst. Ab dem 2. Februar sind Surface-Tablets zu einem reduziertem Einkaufspreis zu haben. So wird beispielsweise das Surface Pro 3 (64GB) neu für 749 statt 899 Franken erhältlich sein, was einer Preisreduktion von 17 Prozent entspricht. Die Preisanpassung für weitere Produktkategorien erfolge "in Kürze", teilt Microsoft mit. (Maurizio Minetti)

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