Trotz Krise treiben Anwender ihre SAP-Projekte voran

12. Oktober 2020, 13:33
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Ein Drittel Schweizer SAP-Anwender bremsen ihre S/4Hana-Projekte wegen der Corona-Krise. Firmen wollen vor allem kurzfristig ihre Effizienz steigern

Die Corona-Krise bringt Teile der Schweizer Wirtschaft in finanzielle Nöte. Dies gilt auch für die Mitglieder der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG), wie eine aktuelle Befragung zeigt. Drei Viertel der befragten SAP-Anwender im Dach-Raum gab an, dass ihr Umsatz zurückgeht. "Aus Sicht der Industrie müssen wir befürchten, dass die Krise erst begonnen hat. Zusätzlich hat die Schweiz als Exportland die Herausforderung, dass die internationale Konjunktur ebenfalls unter der Pandemie leidet", sagt Christian Zumbach, DSAG-Fachvorstand Schweiz.
Dennoch entwickeln sich die IT-Budgets für 2021 in vielen Unternehmen nicht rückläufig, wie die Befragung zeigt. 74% der Schweizer Unternehmen gaben an, dass keine Veränderung für ihr IT-Investitionsbudget 2021 vorgesehen sei. Aber ein Viertel der Unternehmen geht davon aus, dass die Budgets um 20% zurückgehen werden. Eine Steigerung der IT-Budgets erwartet keine der befragten Schweizer SAP-Anwenderfirmen.

Krise beschleunigt S/4Hana-Projekte

Im Mai 2020 ging DSAG noch davon aus, dass die Krise S/4Hana-Projekte ausbremsen könnte. Ein knappes Drittel der Schweizer Firmen gab an, dass sie S/4Hana-Projekte verschoben oder zurückgestellt beziehungsweise ihre Roadmaps überarbeitet haben. Aber bei 66% der Schweizer Firmen seien S/4Hana-Projekte beschleunigt oder zumindest konsequent vorangetrieben worden. "Für viele Unternehmen ist S/4Hana inzwischen als Basis für die digitale Transformation gesetzt", sagt Zumbach.
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"Wie schätzen sie die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise auf Ihr Unternehmen ein?". Grafik: DSAG

Mehr Druck für Digitalisierungsprojekte

Gut 70% der befragten Unternehmen in der Dach-Region glauben, dass die Anforderungen bezüglich der Digitalisierung durch die Corona-Krise zugenommen haben. Kunden müssten sich deshalb fokussieren, sagte Marco Lenck, DSAG-Vorstandsvorsitzender, anlässlich des diesjährigen Jahreskongresses. Investitionen in digitale Technologien müssten noch gezielter gemacht werden.
Dem stimmt auch SAP-COO Christian Klein zu. Kunden müssten in Projekte investieren, die rasch einen Mehrwert bieten und Unternehmen dazu befähigen, rasch auf Veränderungen reagieren zu können.

Unternehmen wollen ihre Effizienz verbessern

Besonders dringenden Handlungsbedarf in ihren Unternehmen in Bezug auf die Digitalisierung im SAP-Kontext sehen 75% der Schweizer Befragten darin, die Effizienz bestehender Prozesse zu steigern. Dies war auch schon bei der Befragung vor einem Jahr eine Priorität vieler Unternehmen. Die Anzahl hat jedoch weiter zugenommen. "Es ist verständlich, dass die Effizienzsteigerung als klassisches Handlungsfeld immer noch vorn liegt. Ich sehe darin eine klare Reaktion auf den geringeren Umsatz und die kleineren IT-Budgets", kommentiert Lenck von der DSAG die Ergebnisse.
Insgesamt zeigt sich ein geteiltes Bild, wie Lenck an einer Pressekonferenz ausführt. Es gibt Unternehmen, die ihre IT-Projekte zurückfahren mussten, um Kosten zu sparen. "Das muss man verstehen." Gleichzeitig gebe es aber viele Firmen, die ihre Projekte intensiver angehen und beispielsweise vom entspannteren SAP-Beratermarkt profitieren.
Es gehe schliesslich für die Firmen nicht nur darum, kurzfristige Ergebnisse zu erzielen. Sondern es gehe auch darum, langfristig zu denken und neue Services und Geschäftsmodelle zu entwickeln. "Hier geht es um den Umsatz von morgen."
Dies betonte auch SAP-Chef Klein. SAP stehe im Kern der Transformation der Kunden und die SAP-Systeme seien für die Anwender auch in der Krise kritisch. Die Corona-Krise habe die Digitalisierung beschleunigt und dies nachhaltig.
Interessenbindung: inside-it.ch ist Medienpartner der DSAG. 

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