Turi Mast: Belege, Belege, Belege

21. Oktober 2013, 13:57
  • kolumne
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Folge 3 (von 52) des weltweit ersten Fortsetzungsromans aus der unterschätzten Welt des Schweizer E-Governments. Ein Roman voller Spannung und Dramatik: E-Gov, verbranntes Geld, Sex!

Folge 3 (von 52) des weltweit ersten Fortsetzungsromans aus der unterschätzten Welt des Schweizer E-Governments. Ein Roman voller Spannung und Dramatik: E-Gov, verbranntes Geld, Sex!
Was bisher geschah: Turi Mast ist externer Projektleiter des E-Gov-Projekts "welcome_Citizen". Das Projekt läuft aus dem Ruder. Zu allem Elend hat der Controller des Auftraggebers festgestellt, dass das Vorprojekt 20 statt wie angenommen und protokolliert 10 Millionen Franken verschlungen hat. Gut, dass es Projektassistentin Sybille gibt.
Turi kommt atemlos im Büro an und meldet sich sofort bei Sybille. Diese ist unterdessen ganz kleinlaut und übergibt Turi einen Packen Papier. Ohne grosse Worte verkriecht er sich in sein Büro und taucht in die Belege ab. Plötzlich ruft laut Display der Generalsekretär an. Turi schwant Böses.
Unüblicherweise und leicht überhastet meldet sich Matter ohne Turi Zeit für eine Begrüssung zu lassen: "Hallo Mast, sind sie's?"
"Ja, Herr Matter, was kann ich für sie tun?"
"Hören Sie Mast, mir kamen da einige Dinge zu Ohren … ärgerlich, nichts als ärgerlich."
"Was ist denn los, Herr Matter, wo fehlt es?"
"Das habe ich sie fragen wollen. Ich hörte von finanziellen Unregelmässigkeiten im Vorprojekt von welcome_Citizen."
Mast denkt kurz nach, ... hatte Sybille etwas gesagt, oder hatte der Controller bis zum Generalsekretär Alarm geschlagen? "Bis jetzt ist mir nichts bekannt. Aber ich gehe der Sache unverzüglich nach."
"Subito, Mast. Und noch was. Dass sie mir auf keinen Fall jemandem was davon erzählen. Ich will morgen keine Schlagzeile im Boulevard lesen. Damit das klar ist. Die Sache muss strikt geheim bleiben. Auf Wiederhören ..." und schon legt Matter wieder auf.
Turi macht vier Stapel aus dem Papierwust, den ihm Sybille vorbereitet hat. Projektabrechnungen interner Projektmitarbeiter, externer Projektmitarbeiter von Konkurrenzfirmen, externer Projektmitarbeiter von Firmen, die zu Turi Masts Gruppe gehören, sowie einiger anderer temporärer Mitarbeiter, welche als Projekthilfskräfte zur Verfügung stehen.
Bei den internen Teilprojektleitern und Projektmitarbeitern sieht Turi auf den ersten Blick, dass alles in Ordnung ist. Es gelangten die typischerweise in Verrechnung gebrachten Stundensätze zur Anwendung. Die Menge der verrechneten Stunden erscheinen ihm nicht aussergewöhnlich und die Begründungen für die eingesetzten Stunden sind ebenfalls ok.
Bei den Abrechnungen externer Firmen, die nicht zu Masts Gruppe gehören, gelangten hingegen Stundensätze in Abrechnung, die, wie Turi erst jetzt merkt, scheinbar doppelt verrechnet worden sind. Zwar waren die Begründungen der verrechneten Stunden einigermassen ok. Vielfach aber waren es die gleichen Beträge und manchmal auch sehr ähnliche Tätigkeiten, die angegeben waren. Hier muss Turi klären. Bei den externen Projektmitarbeitern "seiner" Firmengruppe wiederum machen ihm bei zwei Tochterfirmen die Stundensätze stutzig, die zur Abrechnung gelangten. Sie sind zu hoch. Uff, das wird wohl ein stressiges Wochenende geben. Mast schwitzt massiv, was sonst wenig vorkommt. Irgendetwas muss er ändern und Matter als Auftraggeber des Vorprojekts von welcome_Citizen muss er melden, dass der Projektabschlussbericht einen Monat Verzögerung erhält. Turi braucht dafür mehr Zeit, mindestens, bis alle entsprechenden Abklärungen zu den Verrechnungen gemacht sind.
Zuerst also eine E-Mail aufsetzen.
(Der Autor: Franz Ochsenbein ist erfolgreicher Schriftsteller. Er lebt in der Nähe von Wildhaus, hat fünf Kinder und kennt sich aus. Übrigens: Auf der Zeichnung oben sehen Sie NICHT Franz Ochsenbein.)

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