Turi Mast: Krieg an allen Fronten

23. Dezember 2013, 14:43
  • kolumne
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Folge 12 (von 52) des weltweit ersten Fortsetzungsromans aus der unterschätzten Welt des Schweizer E-Governments. Ein Roman voller Spannung und Dramatik. E-Gov, verbranntes Geld, Sex!

Was bisher geschah: Turi Mast ist externer Projektleiter des E-Gov-Projekts "welcome_Citizen". Seine Welt droht zu zerbrechen. Er ist mit einem Betrugsfall im Vorprojekt konfrontiert und hat sich erst noch in Projektassistentin Sybille verknallt.
Christine ist aufgebracht an diesem Abend. Irgendwie scheint ihr Turi nicht mehr der alte zu sein. Er war so distanziert und hatte immer wieder die Arbeit vorgeschoben, wenn er mit ihr nichts zu tun haben wollte oder spät nach Hause gekommen war.
Als er an diesem Abend wieder spät nach Hause kommt, hofft Mast, Christine schlafe schon, wie das in den letzen Wochen üblicherweise der Fall gewesen ist. Doch sie ist wach und unruhig. Turi will sich leise ins Schlafzimmer schleichen. Christine sitzt im seidenen Negligé aufrecht im Bett und starrt ihm verwirrt an. Wie gebannt bleibt er vor ihr stehen und spürt die still glühende Wut in ihr. Die Stunde der Wahrheit ist gekommen.
"Ja hoi Christine. Schläfst du noch nicht? Bist noch wach?" "Was soll das Turi? Mir geht es schlecht und ich spüre, dass irgendwas Schlimmes in der Luft liegt. Aber ich weiss nicht was. Turi! Was ist los mit dir?" Turi schluckt zwei, drei Mal leer und hat plötzlich kalten Schweiss auf der Stirn. Die emotionale Intelligenz von Frauen geht ihm ab. Daher, so scheint es ihn, hat er keine andere Wahl als direkt zum Angriff übergehen. Kleinlaut aber ruhig erzählt er vom letzten Wochenende, von seinem Gefühl der Einsamkeit, wenn er abends spät nach Hause kam und niemand mehr wach war und wie er in diesem Gefühl der Einsamkeit von Sybille im wahrsten Sinne des Wortes überrumpelt worden war, auf der Wanderung im Jura, letzten Sonntag. "Ich war wehrlos. Es kann so nicht weitergehen."
Nun weint auch Christine. Er spürt, wie tief er sie verletzt hat. Dennoch erzählt er von der Wanderung, vom ersten Kuss bis zu dem Moment im Wald, wo sie sich heftig geliebt hatten.
Christine sitzt noch eine Weile am Bettrand, schaut ihren Turi immer wieder stumm und zunehmend angewidert an, schluchzt gelegentlich heftig und fühlt sich nun ihrerseits so einsam wie noch nie. Von allen verlassen! So sieht es aus für sie.
Turi fragt: "Willst du, dass ich gehe?" Sie sagt "ja". Wohin hätte sie nachts mit den Kindern denn gehen sollen? Still holt er aus einem Wandschrank ein Köfferchen, packt seine sieben Sachen, verabschiedet sich kurz von Christine, die es im Bett liegend vor Weinkrämpfen heftigst schüttelt, und geht. Er wählt ein günstiges Hotel in der Nähe seines Arbeitsplatzes und hat Glück, dass der Empfang noch besetzt ist. Der Concierge steckt hinter Papierbergen und offenbar ist mit Bürokram beschäftigt. Turi mietet ein Zimmer für eine Woche.
Todmüde sinkt Turi ins Bett. Beim Einschlafen würgt es ihn im Hals. Trotz allem macht sich Erleichterung breit. Es wird ihm klar, dass er Sybille liebt und, dass er versuchen will, mit ihr eine neue Beziehung anzufangen. Schmetterlinge im Bauch waren aus seiner Sicht heraus nicht das unangenehmste Gefühl des Lebens.
Die Schmetterlinge im Bauch haben ein schlechtes Gewissen.
(Autor Franz Ochsenbein blickt auf eine lange Karriere als Business Analyst im öffentlichen Dienst zurück. Heute züchtet er Bienen und schreibt Kioskromane.)
Für alle, die nachträglich in die Lektüre einsteigen wollen, führen wir hier die Links zu den bisher publizierten Folgen auf:
Folge 1: Workshopitis
In einem Workshop zum Projekt welcome_Citizen wird rasch klar, dass es schief läuft. Kann Projektleiter Turi Mast das Sozialleben der Projekt-Mitarbeiter retten?
Folge 2: Der Bericht zum Abschluss (des Vorprojekts)
Während Mast noch am Abschlussbericht des Vorprojekts arbeitet, lässt Projektassistentin Sybille die Bombe platzen. Ein Controller hat massive Kostenüberschreitungen entdeckt. Betrug?
Folge 3: Belege, Belege, Belege
Generalsekretär Matter macht Druck auf Mast. Dieser entdeckt tatsächlich Unregelmässigkeiten und braucht nun mehr Zeit für den Projektabschlussbericht.
Folge 4: Die Mail
Turi Mast muss Generalsekräter Matter von den Unregelmässigkeiten berichten - aber so, dass es nicht allzu schlimm klingt. Eine Gratwanderung.
Turi ist ausgebrannt, da kommt ein Wochenende ohne Frau und Kind gerade recht. Was bahnt sich da mit Projektassistentin Sybille an?
Folge 6: Sitzen, sitzen, sitzen.
Turis Schifflein welcome_Citizen droht an der Klippe Spirig zu zerschellen. Berger geht in die Knie, Turi muss eingreifen.
Folge 7: Idioten und Befehlsverweigerer
Die Krise im Projekt welcome_Citizen spitzt sich zu. Kritiker Spirig und Konsorten treiben nun auch Turi in die Enge.
Folge 8: Liebes-Ritt auf dem Nerval
Auch das noch! Mitten in der bisher schwierigsten Phase des Projekts welcome_Citizen geht Turi mit Projektassistentin Sybille wandern. Wenn's nur das wäre...
Folge 9: Make it or break it
Welcome_citizen droht endgültig zu scheitern. An endlosen Sitzungen tauchen immer mehr Probleme auf und der Widerstand wird stark und stärker. Da hat Mast eine geniale Idee. Und kommt damit durch.
Folge 10: Troubles, mehr Troubles
Welcome_citizen wird in viele Teilprojekte aufgespalten, Turis Bonus ist gerettet. Doch nun droht Ungemach von einer anderen Seite. Die Sache mit den falschen Abrechnungen im Vorprojekt holt Turi wieder ein.
Folge 11: Ausmisten
Turi, der Controller und Sybille müssen bei Generalsekretär Matter antanzen. Nun zeigt sich, warum aus Matter ein Top-Beamter geworden ist.

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