Turi Mast: Zwischendurch sollte es Spass machen...

31. Oktober 2013, 16:35
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Folge 5 (von 52) des weltweit ersten Fortsetzungsromans aus der unterschätzten Welt des Schweizer E-Governments. Ein Roman voller Spannung und Dramatik. E-Gov, verbranntes Geld, Sex!

Was bisher geschah: Turi Mast ist externer Projektleiter des E-Gov-Projekts "welcome_Citizen". Das Projekt läuft aus dem Ruder und im Vorprojekt gab es offenbar falsche Abrechnungen. Turi ist ziemlich kaputt.
Turi Mast fühlt sich ausgebrannt. Der Projektabschlussbericht des Vorprojekts von welcome_Citizen muss warten. Sybille betraute er mit den weiteren Recherchen zu den Abrechnungsfehlern. Nach einer weiteren schier ausweglosen Sitzung zu welcome_Citizen kommt Turi ausgepumpt und müde ins Projektoffice und bemerkt, dass sich Sybille eben zum Gehen aufmacht. Sie sieht, so denkt Turi, wie immer sehr hübsch aus. Plötzlich ist alle Müdigkeit wie abgefallen von ihm. "Komm, Sybille, wir gehen noch einen heben im Frohsinn." Zuerst scheint sie sich davor drücken zu wollen. "Habe noch zu tun", meint sie. Doch nach einigem Zureden kommt sie dann noch mit auf einen Drink.
Der Frohsinn ist eine dieser zunehmend rarer werdenden urigen Knellen, die Turi liebt. Holztäfer. Holztische und -bänke. Alte Lampen, karierte Vorhänge und Tischtücher. Gemütlich ist es im Frohsinn. Es ist quasi das Stammlokal von Mast und einigen seiner externen Projektleiter-Kollegen. Der Frohsinn ist der Ort des Trübsal-Blasens für die Externen in den Projekten, aber auch das Lokal, wo strategische Initiativen und Ränkespiele geschmiedet werden. Die Beiz ist eine Art Verwaltungsexklave. Da kann man sich ungehindert und offen darüber unterhalten, was in Projekten gut oder schlecht läuft. Im Frohsinn ist man vor den Ohren der Verwaltungsmitarbeiter einigermassen sicher.
Sie setzen sich und Turi ruft: "Schosi, zwei grosse Ittinger". Die Servicertochter heisst Josianne. Bis die zwei Biere gebracht werden, sitzen Turi und Sybille zuerst schweigsam nebeneinander am Tisch. Viel scheint in ihnen beiden vorzugehen. Sybille öffnet irgendwo ein bisschen verlegen ein Säckchen Zweifel Paprika-Chips. Sie beginnt davon zu naschen und sagt dann: "Ich habe nun bei den Externen die Abrechnungen mit den Projektberichten und der Projektplanung verglichen. Dabei stellte ich fest, dass in den Projektberichten meistens die Hälfte der Stundenaufwände eingeschrieben war im Vergleich zu den verrechneten Stunden. Ich habe ebenfalls festgestellt, dass dies bei den Projektleitern der anderen Firmen - also nicht bei unseren Firmen - der Fall ist. Ich glaube, wir sind dicht dran." Schosi bringt nun die zwei dunkel bernsteinfarbenen Biere. Mast liebt das Ittinger über alles. Nachdem sie anstossen und er den ersten Schluck geniesst, weiss er bereits, dass es für heute nicht das Letzte sein wird. Mast ist immer wieder begeistert vom Aroma des malzigen Schaums und vom Aroma des Biers selbst. Ja, der Frohsinn bedeutet eine Art von Heimat für ihn, das gemütliche Lokal ist ihm samt der Serviererin ans Herz gewachsen.
Mast entgegnet: "OK, toll, was du bis jetzt herausgefunden hast. Bitte mach in der gleichen Weise weiter und versuch, mir nachweislich und anhand eines Berichts darzustellen, wo Unregelmässigkeiten sind und wie man sie belegen kann. Dies soll – wenn immer möglich – auch mit dem Nachweis des Fehlbetrags erfolgen, den der Controller monierte. Ich werde mich nächsten Mittwoch genauer damit beschäftigen können und würde dann zunächst das Gespräch mit dem Controller suchen, um der Sache auf den Grund zu gehen."
Zunächst trinken sie nun beide einige Schlucke des kühlen Biers. Danach fragt Sybille Turi unvermittelt: "Was hast du über’s Wochenende vor? Könnten wir nicht gemeinsam eine Wanderung machen? Zum Beispiel im Jura oder um die Seen herum."
Turi weiss, dass Sybille alleine lebt. Er weiss auch, dass sie gelegentlich wechselnde Freunde hat und hatte. Irgendwie erschien sie ihm noch unentschlossen, wie sie ihr (Liebes-)Leben gestalten soll. Turi selbst hat eine Frau und zwei Kinder und ist mehr oder weniger glücklicher Familienvater. Weniger glücklich ist er, wenn er gerade wieder mal zweifelt, ob Christine die richtige Frau für ihn sei, oder wenn er, wie es in der letzten Zeit immer mehr vorkommt, spät nach Hause kommt und alle schon schlafen. Dann fühlt sich Turi einsam und alleine gelassen. Christine beschwert sich gelegentlich, dass der Job ihn etwas gar fest in Anspruch nehme. Glücklich ist er, wenn sie rarerweise entspannt in der Familie Freizeit verbringen. Christine, ihrerseits Hebamme von Beruf, ist gerade in einer Weiterbildung im Ausland. Die Kinder sind bei den Schwiegereltern im Ticino. Ja, Turi hat das folgende Wochenende sturmfrei... Wie hat Sybille denn das herausgefunden... aha, sein Outlook-Kalender muss es gewesen sein.
Turi antwortet: "Ich habe noch nichts vor am nächsten Wochenende. Jedoch muss ich noch einige Uebel-Berichte zu welcome_Citizen schreiben. Vielleicht kann ich dies aber auch in der Nacht vom Freitag auf den Samstag tun."
Turi hat grundsätzlich nichts gegen eine Wanderung. Er bestellt bei Schosi prophylaktisch die nächsten zwei Ittinger. Nur, sie haben ja noch gar nicht fertig getrunken. Zunächst diskutieren sie, was für eine Art von Wanderung sie machen könnten. Danach fragt Turi: "Wie steht es denn mit Lovis?". Das ist der letzte ihm bekannte Freund von Sybille. "Den habe ich in die Wüste geschickt", merkt sie an. "War mir zu langweilig und hatte überdies die falschen Hände für mich." Turi stutzt und fragte zurück: "Was sind denn Hände für ein Grund, einen Mann in die Wüste zu schicken? So was habe ich noch nie gehört." Von Sybille gibt’s darauf keine Rückmeldung. Turi vermutet, dass Sybilles Unklarheit über den weiteren Gestaltungsplan ihres Lebens einer Beziehung im Wege mit Lovis im Wege steht. Lovis kannte er entfernt. Turi hatte immer das Gefühl, dass die beiden eigentlich gut zusammenpassten.
Nachdem Sie sich über die Route geeinigt haben, ist das zweite Bier auch zur Neige und Turi bestellt auf Nachfrage noch eine Cola für Sybille und ein weiteres Ittinger für sich ...
Alles nimmt seinen Lauf.
(Der Autor: Franz Ochsenbein ist Weinbauer und nebenei Autor von Kioskromanen. Er lebt bei Malans und kennt sich aus.)
Für alle, die nachträglich in die Lektüre einsteigen wollen, führen wir hier die Links zu den bisher publizierten Folgen auf.
Folge 1: Workshopitis
In einem Workshop zum Projekt welcome_Citizen wird rasch klar, dass es schief läuft. Kann Projektleiter Turi Mast das Sozialleben der Projekt-Mitarbeiter retten?
Folge 2: Der Bericht zum Abschluss (des Vorprojekts)
Während Mast noch am Abschlussbericht des Vorprojekts arbeitet, lässt Projektassistentin Sybille die Bombe platzen. Ein Controller hat massive Kostenüberschreitungen entdeckt. Betrug?
Folge 3: Belege, Belege, Belege
Generalsekretär Matter macht Druck auf Mast. Dieser entdeckt tatsächlich Unregelmässigkeiten und braucht nun mehr Zeit für den Projektabschlussbericht.
Folge 4: Die Mail
Turi Mast muss dem Generalsekräter Matter von den Unregelmässigkeiten berichten - aber so, dass es nicht allzu schlimm klingt. Eine Gratwanderung.

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