Twint: "Planmässig" oder verspätet?

1. September 2016, 12:40
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Bis Mitte September wird die Weko über die Twint AG entscheiden. Verzögerungen beim Start der neuen Mobile-Payment-App soll es keine geben.

Bis Mitte September wird die Weko über die Twint AG entscheiden. Verzögerungen beim Start der neuen Mobile-Payment-App soll es keine geben.
Über die Ende Mai bekannt gegebene Fusion der Bezahllösungen Twint und Paymint zur neuen Twint AG wird die Wettbewerbskommission (Weko) in den nächsten 14 Tagen entscheiden. Das bestätigte Weko-Sprecher Patrik Ducrey auf Anfrage, ohne allerdings inhaltlich Stellung zu nehmen. Noch ist also unklar, unter welchen Bedingungen allenfalls die von Coop, Migros, SIX und den Banken Credit Suisse, UBS, ZKB, Raiffeisen sowie PostFinance angestrebte Vereinigung über die Bühne gehen wird.
Wie die 'Handelszeitung' (HZ) heute berichtet, ist die für den Herbst angekündigte Einführung des Bezahlsystems ungewiss. Denn "bis heute hat Twint noch niemanden über Details informiert". Coop rechne damit, dass der Termin kaum einzuhalten sei. Und auch bei der Migros Bank fehlten bis heute Spezifikationen, die den Anschluss ans neue Twint erlauben. Und wann sie zur Verfügung stehen werden, ist laut dem Bericht offen.
Auf Anfrage will Coop allerdings nichts von einem mangelhaften Informationsfluss wissen. Im Gegensatz zu dem in der HZ zitierten Coop-Bereichsleiter Christoph Baumgartner sagt Pressesprecher Ramón Gander, dass man jederzeit von Twint auf dem Laufenden gehalten werde.
Twint: "Wir kommen im Herbst"
Die neue Twint führt ihre Kommunikation allerdings eng. Bei SIX will man den HZ-Bericht nicht kommentieren und verweist auf die Pressestelle der Twint AG. Dort beschwichtigt man wie bei Coop. Der Sprecher des neuen Unternehmens, Victor Schmid, stellt klar, dass man mit allen Partner ständig im Gespräch sei, auch mit Coop und Migros. Ihnen sei bekannt, dass der Weko-Entscheid abzuwarten ist, bevor die definitiven Verträge und Konditionen ausgehändigt werden können. Man sei aber planmässig unterwegs, habe kaum acht Wochen nach der Ankündigung die Unterlagen bei der Weko eingereicht und Twint werde, wie Ende Mai angekündigt, im Herbst laufen. Verzögerungen könnten allenfalls dann auftreten, wenn die Zustimmung der Weko zur Fusion von gravierenden Auflagen abhängig gemacht würde.
Auch die Befürchtung der HZ, Twint könne im Wettstreit um mobile Bezahllösungen gegenüber Apple Pay ins Hintertreffen geraten, wiegelt Schmid ab. Er meint sogar, dass Twint vom Apple-Marketing fürs elektronische Bezahlen profitiert. Denn die viel grössere Schwierigkeit sei, Kunden mit dem guten, alten Geldbeutel vom neuen Bezahlmodell zu überzeugen.
Am liebsten zahlen die Schweizer nämlich noch immer mit Bargeld oder kontaktlos mit der Karte. Gleichwohl hat sich der künftige Twint-CEO Thierry Kneissler ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Bis Ende 2017 sollen eine Million Kunden in der Schweiz Twint zum Zahlen nutzen. Derzeit ist sie allerdings erst auf rund einer halben Million Handys installiert und die Zahl der aktiven Nutzer ist nochmals deutlich kleiner.
Bei der Weko hat man übrigens auch Apple Pay auf dem Radar. Nachdem Anfang Juli die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) eine Klage gegen die Lösung eingereicht hat, weil Apple Pay andere Anbieter von Bezahllösungen aussperrt, "beobachten wir die Situation", haben aber "noch kein Verfahren eingeleitet", wie Ducrey mitteilt. (vri)

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