Twitter bereitet Sorgen

30. April 2014, 07:00
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Nutzerentwicklung liegt unter den Erwartungen.

Nutzerentwicklung liegt unter den Erwartungen.
Twitter hat im ersten Quartal 132 Millionen Dollar Verlust geschrieben. Der Aktienkurs fiel nach einem enttäuschenden Nutzerwachstum auf den tiefsten Stand seit dem Börsengang. Er brach am Dienstag nachbörslich um 10 Prozent auf 38 Dollar ein. Twitter kam zuletzt auf 255 Millionen Nutzer im Monat. "Es gibt nur wenige Unternehmen, die diese Reichweite haben", sagte Firmenchef Dick Costolo in einer Telefonkonferenz mit Analysten.
Das Unternehmen war im November erfolgreich an die Börse gegangen. Der damalige Ausgabekurs lag bei 26 Dollar und kletterte sofort nach dem Handelsstart nach oben. Die Aktie hatte am zweiten Weihnachtstag mit gut 73 Dollar ihren Höchststand erreicht. Seitdem ging es wieder abwärts wegen der Sorgen um die Nutzerentwicklung.
Twitter konnte von Januar bis März 14 Millionen Nutzer hinzugewinnen. Das war zwar mehr als von Oktober bis Dezember mit 9 Millionen. Doch verglichen mit Rivalen wie Facebook ist es wenig. Das weltgrösste Online-Netzwerk hatte in den vergangenen drei Monaten rund 50 Millionen Leute neu angelockt und kam zuletzt auf 1,28 Milliarden Nutzer im Monat.
Experten haben sich von dem Gedanken verabschiedet, dass Twitter noch ein ausserordentlicher Wachstumsschub bevorstehen könnte. Die Vorstellung, dass das Unternehmen irgendwann auf Augenhöhe mit Facebook stehe, sei unrealistisch, sagte Brian Wieser, Analyst bei Pivotal Research. "Twitter ist und bleibt ein Nischenanbieter."
Wichtige Reichweite
Doch die Nutzerzahlen sind wichtig für Twitter: Von der Reichweite hängt die Attraktivität des Dienstes für Werbekunden ab. Anzeigen sind die grösste Einnahmequelle, vor allem auf Smartphones.
Zuletzt hatte Twitter seine Anstrengungen im Werbegeschäft erhöht. Der Quartalsumsatz lag bei 250 Millionen Dollar und damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr rechnet das Management nun mit bis zu 1,25 Milliarden Dollar. Die bisherige Prognose lag bei maximal 1,2 Milliarden Dollar.
Trotz dieser Verbesserung scheinen die Börsianer etwas den Glauben an Twitter verloren zu haben - zumal der Kurznachrichtendienst weiterhin kein Geld verdient. Im Gegenteil: Der Quartalsverlust lag bei unterm Strich 132 Millionen Dollar nach 27 Millionen Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Gewinn ohne Sondereffekte
Die Verschlechterung ist eine Spätfolge des Börsengangs. Twitter muss für Aktien, die das Unternehmen seinen Mitarbeitern als Teil ihrer Vergütung gewährt, hohe Kosten verbuchen. Das hatte dem Unternehmen bereits das Ergebnis des Jahres 2013 verhagelt. Ohne Sondereffekte wäre jetzt ein kleiner Gewinn herausgekommen, rechnete Twitter vor. (sda/mim)

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