Uber verteidigt Geschäftsmodell in der Schweiz mit Neuerungen

9. Juli 2020, 13:58
image

Uber lanciert ein Pilotprojekt, um der Kritik von Schweizer Gewerkschaften entgegenzuwirken. Der Verband Swico ist zufrieden, die Unia nicht.

Auf die rund 3200 Uber-Fahrer in der Schweiz kommen "tiefgreifende" Änderungen zu, erklärt das US-Unternehmen. Ab dem 20. Juni biete die App neue Funktionen, die "mehr Transparenz" bieten sollen, bevor der Fahrer einen Kunden annimmt.
Dazu zähle etwa ein in gewissen Grenzen selbstbestimmbares Tarifsystem, Informationen über die Länge der Fahrt sowie die Ausweisung der Uber-Service-Gebühren, wie Uber mitteilt. Vor allem die Änderung, dass Uber-Fahrer neu den Preis selbstständiger bestimmen könnten, sei Neuland und vorerst nur in der Schweiz möglich.

Angestellt oder nicht?

Seit Jahren kämpft Uber nicht nur hierzulande mit heftiger Kritik seitens der Gewerkschaften. Der grösste Streitpunkt ist, ob der Taxi-Vermittler ein Arbeitgeber ist und dementsprechend Sozialabgaben zahlen muss oder nicht.
Zuletzt hat das Genfer Verwaltungsgericht die Uber-Tochter Eats als Personalverleiher eingestuft. Das Gericht gab damit der Genfer Kantonsregierung recht und entschied, dass das Unternehmen eine Bewilligung brauche und die Fahrer ordentlich anstellen müsse. Uber Eats kündigte bereits an, diesen Entscheid anfechten und vor Bundesgericht ziehen zu wollen.  Ein unabhängiges Verfahren gegen den Taxi-Dienst Uber in Genf läuft derzeit.

Gewerkschaft Unia ist wenig begeistert

Auch nach der heutigen Ankündigung zeigt sich die Gewerkschaft Unia wenig begeistert. Der "Dumping-Taxidienst" habe abermals einseitig die Vertragsbedingungen geändert, heisst es in einer ersten Reaktion. Am widerrechtlichen Uber-Geschäftsmodell würden die neuen Funktionen nichts ändern.
"Um einen Rest von Glaubwürdigkeit zu behalten, müssen Bund und Kantone das Katz-und-Maus-Spiel des US-Konzerns beenden und Uber zur Einhaltung der Schweizer Gesetze zwingen", forderte die Gewerkschaft. Andernfalls müsse Uber verboten werden.
Einzige namhafte Verbesserung aus Sicht der Arbeitnehmenden ist laut Unia, dass neu der Gerichtsstand in der Schweiz explizit vorgesehen ist.

Swico will Flexibilisierung des Arbeitsrechts

Im Gegensatz dazu begrüsst der Verband der ICT-Anbieter Swico die Schritte von Uber in einer Mitteilung. Die neuen Funktionen der App würden das "unternehmerische Handeln" der Fahrer fördern.
"Das Festhalten an starren Definitionen wird den Chancen der Digitalisierung nicht gerecht", so Swico-Geschäftsführerin Judith Bellaiche. Der Verband werde sich deshalb weiterhin für eine Modernisierung der Sozialversicherungen und eine Flexibilisierung des Arbeitsrechts einsetzen. 

Loading

Mehr zum Thema

image

EU plant Haftungsregeln für künstliche Intelligenz

Die EU-Kommission will Private und Unternehmen besser vor "Schäden" durch KI schützen. Gleichzeitig soll das Vertrauen in neue Technologien gestärkt werden.

publiziert am 28.9.2022
image

Geopolitische Lage dämpft Erwartungen der Schweizer ICT-Branche

Der Swico-Index zur Stimmung in der ICT-Branche ist erneut rückläufig. Die Anbieter glauben aber, dass sich die Auftragslage positiv entwickelt.

publiziert am 28.9.2022
image

Edöb: "Vertrauen Behörden nur auf private Gutachten, können sie sich eine blutige Nase holen"

Der Eidgenössische Datenschützer kritisiert Anwaltskanzleien, die Behörden beim Einsatz von US-Cloud-Diensten Sicherheit versprechen. Im Interview schildert Adrian Lobsiger seine Sicht.

publiziert am 28.9.2022
image

Keine kritischen Lücken im E-Voting-System der Post gefunden

Beim Bug-Bounty-Programm gelang es niemandem, in das System oder die elektronische Urne einzudringen. Die Tests gehen aber noch weiter.

publiziert am 28.9.2022 1