UBS und die Folgen für die Schweizer IT-Industrie

7. November 2012, 13:15
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UBS-CIO Stefan Arn: "Umbau der Finanzindustrie braucht massenhaft Software. Ich rate jedem, in die Informatik zu gehen."

UBS-CIO Stefan Arn: "Umbau der Finanzindustrie braucht massenhaft Software. Ich rate jedem, in die Informatik zu gehen."
"Warum tut er sich das an?" Diese Frage hörte man gestern Abend am Rande des Swiss ICT Symposium in Luzern da und dort. Mit "er" gemeint ist Stefan Arn (Foto), Gründer der erfolgreichen Software-Firma AdNovum und seit Mitte 2010 Informatik-Chef bei UBS Schweiz in der Informatik. Arn wird einen Teil der Leute, die er an Bord geholt hat, wieder auf die Strasse stellen müssen.
Der Chef der Schweizer UBS-IT hat die Frage heute Morgen am ICT Symposium in einem kurzen Vortrag gleich selbst beantwortet: Er "tut es sich an", weil er Veränderungen und schwierige Aufgaben mag und weil er mehr denn je an die Zukunft der Software-Produktion in der Schweiz glaubt. Arns Vortrag war unverblümt und radikal: "UBS baut die Bankenbranche um. Und wir können etwas bauen, das es noch nicht gibt. Das ist spannend."
Die IT weint immer
Obwohl die Schweizer Finanzindustrie nun massenhaft Bankfachleute entlässt, sage niemand, man solle auf keinen Fall eine kaufmännische Ausbildung absolvieren, so Arn. Die Zukunft der Informatik werde hingegen bereits wieder angezweifelt. Arn: "Die IT weint immer".
Dabei schaffe der radikale Umbau der Bankenbranche gewaltige Chancen gerade für Software-Hersteller. "Banking wird ausgefeilter, komplizierter und internationaler." Zudem schaffe die rasche Änderung der Regulatorien eine hohe Nachfrage nach Informatik. Von den 380 Millionen Franken, die UBS für Software-Projekte in der Schweiz ausgibt, entfallen gemäss Arn alleine 190 Millionen auf regulatorische Projekte.
Da UBS sich aus diversen Geschäftsbereichen zurückzieht, wird die Grossbank nun auch hochqualifizierte IT-Fachleute entlassen. Arn: "Fünfzig Prozent der Leute, die wir entlassen, werden in drei Monaten Stellen zu realistischen Löhnen finden."
Offshoring-Know-how, Java-Standard
Schweizer Firmen, die Know-how zur Produktion von Software an Offshore-Standorten entwickelten, haben gemäss Arn sehr grosse Chancen. Polen, Brasilien und der Mittlere Westen der USA (Arn: "Preise wie in Indien") seien die aufstrebenden Orte, während der Stromausfall in Indien viel über die Stabilität des Landes aufgezeigt habe.
Ausserdem gebe es noch immer keinen (brauchbaren) Standard für ein Java Computing Environment. "Websphere und Weblogic haben es nicht gebracht." Der Schweizer Software-Firma, die einen Standard etablieren könne, winke eine goldene Zukunft, sagte Arn sinngemäss. Die Vertreter der Schweizer Software-Industrie im Saal haben erfreut zugehört. (Christoph Hugenschmidt)

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