Übersetzungshilfe für Rumantsch Grischun und Co. im Entstehen

20. Mai 2021 um 13:45
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An der Fachhochschule Graubünden ist mit "Translatur-ia" ein Prototyp für eine rätoromanische Übersetzungs-Software entwickelt worden.

Während Übersetzungs-Software für grosse Sprachfamilien immer ausgereifter funktioniert, soll das künftig auch für eine so kleine Sprachregion wie dem Rätoromanischen möglich werden. Jedenfalls hat die Fachhochschule (FH) Graubünden gemeinsam mit der Lia Rumantscha, dem Dachverband aller rätoromanischen Sprachvereine, nun einen Prototyp entwickelt, der genau das verspricht. Der Pilot dieser Nischenübersetzer-Plattform zeige, dass eine qualitativ gute Übersetzungshilfe trotz der geringen verfügbaren Datenmenge umsetzbar sei, heisst es in einer Mitteilung.
Auf der Basis des bisher Erreichten, soll das im letzten Jahr vom Förderverein der FH Graubünden unterstützte Projekt, nun weiterentwickelt werden. Zwar sei die Qualität der Übersetzungen heute noch unzureichend, allerdings zeige "sich sehr wohl das Potenzial des gewählten Ansatzes", heisst es beim zuständigen SII (Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft) der FH. Da für das vom SII geschaffene Portal aber nur die vergleichsweise geringe Datenmenge der romanischen Sprache zur Verfügung stehe, suche die "FH Graubünden nach neuen Wegen, mit den verfügbaren Daten effizienter umzugehen sowie neue Daten zu generieren", wie es weiter heisst.
Konkret verweist die FH auf moderne Online-Übersetzer, die durch die Anwendung von neuronalen Netzen fast menschenähnliche Qualitätsniveaus erreichen. Hierzu würden allerdings immense Datenmengen genutzt, um durch wiederholte Trainings ein Computermodell zu erstellen.
Vorranging gehe es denn auch darum, die Datenbasis des Nischenübersetzers zu verbessern. Man suche nun "Text-Datensätze in Rumantsch Grischun und allen Idiomen, idealerweise mit einem Pendant in deutscher Sprache, sowie Anwendungsfälle, die vom Gebrauch romanischer Sprachtechnologien profitieren würden", so die FH. Wer sich an dem Projekt beteiligen wolle, möge sich bei der FH Graubünden oder der Lia Rumantscha melden.
Um das Projekt auch technisch voranzutreiben, sei eine Interessengruppe gebildet worden, heisst es weiter. Die widme sich neben der Weiterentwicklung der Technologien auch der branchenspezifischen Adaption, so die FH.
Bei der Lia Rumantscha schreibt man dem Projekt eine grundsätzlichere Bedeutung zu: "Für die Zukunft der rätoromanischen Sprache ist es absolut zentral, dass der Übersetzungsprozess von Texten in und aus dem Rätoromanischen beschleunigt werden kann." Denn, so der gut 100-jährige Dachverband weiter, könnten auf diese Weise "mit weniger Aufwand mehr Texte generiert werden", was auch "der besseren Verständigung unter den Sprachgemeinschaften der Schweiz" diene.

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