Umsatzschwund und Stellenabbau: Swisscom weiter auf der Durststrecke

6. Februar 2020, 11:55
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Der Telco schrumpft im Kerngeschäft. Im B2B-Bereich hofft Swisscom auf Cloud und Security.

Swisscom hat im letzten Jahr weniger umgesetzt, aber dank Sondereffekten mehr Gewinn gemacht. Der Umsatz sei wegen des Preis- und Wettbewerbsdrucks um 2,2% auf 11,45 Milliarden Franken gesunken, teilte der Blaue Riese mit. Im Schweizer Kerngeschäft setzte der Telco gar 2,8% weniger und damit noch 8,56 Milliarden Franken um.
Neben dem Preisdruck ging der Aderlass bei den Anschlüssen in der Festnetztelefonie (-11%) weiter. Zudem setzte sich 2019 das Minus im Geschäft mit Unternehmenskunden fort, wo der Umsatz um 4% auf 2,31 Milliarden Franken sank. Hier sei der Umsatz mit Telekommunikationsdiensten im Vergleich zum Vorjahr um 112 Millionen auf 919 Millionen Franken gesunken, das entspricht einem Minus von 10,9%. Der Umsatz im Lösungsgeschäft sei derweil mit 1,02 Milliarden Franken (-0,6%) nahezu stabil geblieben, heisst es seitens Swisscom.
Bei der italienischen Breitbandtochter Fastweb ging es wiederum aufwärts. Der Umsatz kletterte um 5,4 Prozent auf 2,22 Milliarden Euro. Auch der Betriebsgewinn legte zu.
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Netto-Umsatz Swisscom 2019 in Millionen Franken. Grafik: Swisscom

Mehr Betriebsgewinn dank Sondereffekten

Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) im Gesamtkonzern stieg um 3,4% auf 4,36 Milliarden Franken. Der Anstieg ist vor allem einer Änderung der Buchführung für operatives Leasing (IFRS 16) zu verdanken, die das Ergebnis um 200 Millionen Franken höher ausfallen liess.
Auf der anderen Seite belastete eine Rückstellung für den Stellenabbau in Höhe von 56 Millionen Franken das Ergebnis. Auf angepasster Basis und zu konstanten Währungen wäre der EBITDA stabil geblieben (+0,1%), schrieb Swisscom.
Unter dem Strich fuhr der Telco einen Reingewinn von 1,67 Milliarden Franken ein. Das ist ein Anstieg um 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Grund für das deutliche Plus ist die im Mai 2019 angenommene Unternehmenssteuerreform. Als Folge der Steuerreform und AHV-Vorlage (Staf) seien positive Effekte von 269 Millionen Franken angefallen.
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Reingewinn Swisscom in Millionen Franken. Grafik: Swisscom
Damit hat der Blaue Riese die Erwartungen der Finanzgemeinde beim Umsatz und Reingewinn übertroffen, beim EBITDA mehr oder weniger erfüllt. Analysten hatten im Schnitt (AWP-Konsens) mit einem Umsatz von 11,4 Milliarden, einem EBITDA von 4,34 Milliarden und einen Reingewinn von 1,6 Milliarden Franken gerechnet.

Swisscom will auf Cloud-Dienste setzen

Das Unternehmen peilt für 2020 einen leicht tieferen Umsatz von rund 11,1 Milliarden an, wie es heisst. Der EBITDA soll bei rund 4,3 Milliarden zu liegen kommen, die Investitionen bei rund 2,3 Milliarden. Bei Erreichen der Ziele soll die Dividende unverändert 22 Franken je Aktie betragen.
Während Swisscom im Bereich IT-Dienstleistungen ebenfalls geschrumpft ist, zeigten sich bei den Wachstumsthemen wie Cloud, Datacenter und Security Services, eine positive Entwicklung. Hier seien die Marktumsätze gestiegen, konkrete Zahlen nannte Swisscom nicht, zeigt sich aber zuversichtlich: Man positioniere sich mehr und mehr als "vertrauenswürdige Anbieterin von privaten, öffentlichen und hybriden Clouddiensten".
"Das Netz ist und bleibt der wichtigste Pfeiler unseres Erfolges. Deshalb wollen wir bis Ende 2025 die Glasfaserabdeckung (FTTH) in Haushalten und Geschäften im Vergleich zu heute verdoppeln", erklärte CEO Urs Schäppi. Bis dann sollen 50 bis 60 Prozent aller Wohnungen und Geschäfte eine Bandbreite von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde erhalten.

Sparmassnahmen und Stellenabbau gehen weiter

Den Rückgang im Kerngeschäft konnte Swisscom mit den laufenden Kostensparmassnahmen grösstenteils aufgefangen. Das Ziel, die jährliche Kostenbasis in der Schweiz bis 2022 um je 100 Millionen Franken zu senken, hat die Swisscom 2019 übertroffen.
Im Berichtsjahr sank die Zahl der Vollzeitstellen über alle Swisscom-Standorte gezählt um 2,7%. Per Ende 2019 gab Swisscom innerhalb der Schweiz noch 16'628 Vollzeitstellen an, das sind 3% weniger als im Vorjahr.
Swisscom und die beiden Gewerkschaften Syndicom sowie Transfair haben sich auf die Einführung eines Altersteilzeitmodells verständigt. Damit können über 58-jährige Angestellte ihr Pensum auf eigenen Wunsch reduzieren, wobei Swisscom die Renteneinbusse finanziell abfedert.
Laut einer Mitteilung von Syndicom startet das Programm im kommenden Juli, wobei gegen 1500 Mitarbeiter davon profitieren können. Gemäss den Gewerkschaften gehen die Teilnehmer dann nach Ablauf der zwei Jahre mit einer AHV-Überbrückungsrente in die Frühpensionierung. Sie sprechen daher auch von der Einführung eines Modells zur "Teilpensionierung".

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