"Umsatzsteuer" statt Software-Lizenz?

22. September 2005, 15:35
  • business-software
  • oracle
image

Ellison denkt über neue Lizenzmodelle nach.

Ellison denkt über neue Lizenzmodelle nach.
Oracle-Chef Larry Ellison machte eine Reihe von interessanten Bemerkungen in seiner gestrigen Rede an der Partner- und Kundenveranstaltung "Open World" in San Francisco. Auf die Frage, wie die künftige Lizenzmodelle von Oracle aussehen werden, sagte Ellison: "Die Art und Weise wie wir heute Lizenzen für Software berechnen, macht keinen Sinn für die Industrie. Wir möchten zu Lizenzmodellen wechseln, die viel einfacher anzuwenden sind." Anstatt wie heute Software-Lizenzen pro Prozessor, Prozessorkern oder gleichzeitige Benützer zu verrechnen, könne man in Zukunft die Preise nach der Firmengrösse des Kunden verrechnen. Als Messgrösse könne er sich beispielsweise die Anzahl der Angestellten oder den Umsatz vorstellen, sagte Ellison. Man würde dann also eine Art Umsatzsteuer an die Software-Lieferanten abliefern.
"Kunden können Peoplesoft-Software verwenden, solange sie wollen"
Generell machte Ellison in seiner Rede einen im Vergleich zu früher wesentlich konzilianteren und reiferen Eindruck. So betonte er noch und noch, dass die Anwender der von Oracle zusammengekauften Business-Softwarepaketen (Peoplesoft, J.D. Edwards, Siebel, ...) auch in Zukunft selbst entscheiden können, welche Datenbanken und Middleware (z.B. Application-Server) sie benützen wollen. Oracle wolle keine Kunden zwingen, beispielsweise von DB2 (IBM) auf Oracle zu wechseln.
Und er betonte einmal mehr, dass Oracle die erworbenen Software-Pakete noch lange Zeit unterstützen werde und keine Kunden auf die zukünftigen, vereinheitlichten Versionen (Projekt "Fusion") zwingen werde. "Unsere Kunden können Peoplesoft-Software einsetzen, so lange sie wollen. Und seien es 10 oder 15 Jahre", sagte Ellison.
Während man bei Oracle früher oft sehr technologisch argumentierte, scheint Ellison den Anwendern von Business-Software gut zugehört zu haben. Bei diesen zählen nämlich Funktionalitäten, also die Prozesse, die man mit einer Software abbilden kann, wesentlich mehr als Technologien. Ein wesentlicher Fokus von Oracle werde in der Erweiterung der branchenspezifischen Funktionalitäten von Software liegen, sagte der Oracle-Chef. So werde Oracle laufend mehr Möglichkeiten zur Datenauswertung ("Business Intelligence") in seine Software einbauen.
Keine weiteren grossen Akquisitionen mehr
Oracles Übernahme-Appetit scheint weit gehend gestillt. Sprach Ellison in den letzten Jahren oft von der laufenden Konsolidierung der weltweiten Software-Industrie, so war davon gestern nichts mehr zu hören. "Wir haben in der nächsten Zeit keine weiteren grossen Akquisitionen mehr im Sinn", sagte Ellison. (Christoph Hugenschmidt)

Loading

Mehr zum Thema

image

Aktivistischer Investor steigt mit Milliarden bei Salesforce ein

Beim SaaS-Anbieter könnte es noch turbulenter werden: Die aktivistische Investment­firma Elliott Management beteiligt sich mit mehreren Milliarden Dollar an Salesforce.

publiziert am 25.1.2023
image

Neues Servicenow-Partnerprogramm: "Revolution? Eher Evolution"

Servicenow stellt sein Partnerprogramm umfassend neu auf. Karl-Heinz Toelkes, Partnerverantwortlicher Zentraleuropa, äussert sich zu den Plänen in der Schweiz.

publiziert am 24.1.2023
image

KI-Startup Acodis sammelt 6 Millionen Franken

Das Unternehmen hat eine Dokumentenverarbeitungs-Plattform für den Pharma- und Gesundheitssektor entwickelt. Mit dem Kapital soll nun die Marktposition ausgebaut werden.

publiziert am 24.1.2023
image

Fintech Numarics fusioniert mit Treu­hand-­Unter­nehmen

Durch die Fusion mit der Treuhandgesellschaft A&O Kreston will das Schweizer Software-Startup seine Wachstumsstrategie vorantreiben.

publiziert am 24.1.2023