Umstrittene Krypto-Miner in Antivirus-Software

10. Januar 2022, 13:12
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Die neusten Versionen der Antivirus-Programme von Norton und Avira installieren auch eine Krypto-Mining-Software. Die Anbieter streichen dabei bis zu 15% Provision ein.

Die auf Security-News ausgerichtete Plattform 'Krebs on security' hat aufgedeckt, dass sowohl die neuste Version des Norton 360 als auch das Antivirus-Programm von Avira über eine Software zum Schürfen von Ethereum verfügen. Während sich Anwenderinnen und Anwender bei Norton darüber beschweren, dass das Programm nur schwer zu deinstallieren sei, verweist der Hersteller in einem schriftlichen Statement darauf, dass die Funktion nur verfügbar sei, wenn sie von den Nutzenden aktiviert würde.
Im FAQ zu dem neuen Feature schreibt Norton weiter, dass die im Juli 2021 veröffentlichte Software nur auf Rechnern laufen kann, die den Mindestanforderungen – in diesem Fall eine Nvidia-Grafikkarte mit mindestens 6GB Speicher – entsprechen. Dabei soll für die Nutzenden ein Ethereum-Wallet erzeugt werden, das dann in einer verschlüsselten Cloud aufbewahrt werden soll. Die Kritik an der Funktion nahm dann ihren Anfang, als Cory Doctorow, Co-Editor von 'Boingboing', folgenden Tweet absetzte:
Vor allem im Forum von Norton stiess die Neuigkeit auf starke Kritik. So fragte ein User mit dem Nutzernamen "Absolutely furious": "Wie in der Welt konnte irgendjemand bei Norton glauben, dass die Ergänzung einer Krypto-Mining-Software innerhalb eines Security-Produktes eine gute Idee sein soll?" und weiter: "Es wäre eher die Aufgabe von Norton, solche Programme zu erkennen und entsprechend zu beseitigen."
Eine ähnliche Software gibt es neu auch bei Avira. Der im Januar 2021 von Norton übernommene Hersteller von Antiviren-Programmen hat seine neusten Produkte ebenfalls mit einem Krypto-Mining-Programm ausgestattet. Unklar ist gemäss 'Krebs on security' dabei allerdings noch, ob es sich bei Avira um dieselbe Software wie bei Norton handelt.

Der Grosse Gewinn ist fraglich

Auch sei unklar, wie profitabel die Systeme für die Anwender seien. Um die Krypto-Währung schürfen zu können, werden nichtgenutzte Ressourcen von Computern benutzt, um Finanztransaktionen von anderen Krypto-Nutzenden zu validieren. Dabei kann es allerdings zu einem erhöhten Stromverbrauch kommen. Während Norton von allen geschürften Token auch noch eine Provision von 15% einstreicht, nennt Avira keine Zahlen zu den anfallenden Kosten. Bei einem Verkauf oder einer Transaktion ist aber sicher noch mit Gebühren zu rechnen. Der IT-Sicherheitsforscher Chris Vickery tweetete dazu: "Norton treibt den Energieverbrauch weltweit in die Höhe und kostet seine Kunden mehr an Strom, als der Kunde mit dem Mining verdienen kann, streicht dabei aber selber einen riesigen Gewinn ein."

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