Uni Genf und ETH Zürich wollen mit KI Diplomatie­probleme angehen

11. Oktober 2021, 15:06
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Eine neue Forschungsstelle vereint "Ver­hand­lungs-Engineering" und "Computer­diplomatie" und setzt dabei unter anderem auf Spiel­theorie, Statistik und maschinelles Lernen.

Derzeit werde in der Diplomatie meist noch qualitative Methoden eingesetzt, um komplexe Probleme zu lösen. Neue Technologien eröffnen hier mit quantitativen Methoden bislang unbekannte Möglichkeiten. "Um diese neuen Technologien zu entwickeln und optimal zu nutzen, gründen die ETH Zürich und die Universität Genf nun das Lab for Science in Diplomacy (Sidlab)", kündigt die ETH in einer Mitteilung an.
Gemeinsam wolle man interdisziplinär den "akademischen Beitrag zur Annäherung von Wissenschaft und Diplomatie" stärken und so zur Entwicklung des internationalen Genfs beitragen. Das Ziel sei, die Verbesserung der Governance und die wirksame Reaktion auf globale Herausforderungen in Bereichen wie Gesundheit, Politik oder Klimawandel, so die Gründerhochschulen.
Das Sidlab soll dazu im Wesentlichen mit zwei Disziplinen beitragen. Die eine umfasse den Bereich "Verhandlungs-Engineering". Sie "betreibt die Verwissenschaftlichung von Verhandlungen und Konfliktanalyse und will komplexe Verhandlungsprobleme mit quantitativen Methoden wie mathematischer Optimierung, Spieltheorie und Statistik lösen helfen". Der Lehrstuhl hierfür sei an der ETH angesiedelt, heisst es weiter.
Der andere Sektor rangiert unter dem Stichwort "Computerdiplomatie". Sie umfasst laut Mitteilung einerseits Datenwissenschaft, basierend auf maschinellem Lernen, und andererseits die Datenkategorisierung bei Komplexitätstheorien und globalen Studien. Konkret soll das Verständnis globaler Probleme verbessert werden, indem Computerdiplomatie einen neuen theoretischen Rahmen für internationale Beziehungen entwickelt, neue Algorithmen nutzt und Rechenleistung zur Entwicklung von Szenarien mobilisiert. Dabei könnten KI und maschinelles Lernen in erster Linie eingesetzt werden, um die Integrität von Daten zu bewerten und Fake News zu erkennen.
Dieser Bereich werde vom Departement für Informatik der Fakultät für Naturwissenschaften der Uni Genf gemeinsam mit dem ebenfalls dort angesiedelten Global Studies Institute (GSI) entwickelt. Der dazu gehörige Lehrstuhl sei dann ebenfalls an der Uni Genf beheimatet.
Zum Hintergrund des Projektes schreibt die ETH, dass es 2019 von Altbundesrätin Micheline Calmy-Rey, damals Gastprofessorin am GSI, und Michael Ambühl, Professor für Verhandlungsführung und Konfliktmanagement an der ETH Zürich, initiiert worden sei. Es werde von der Stiftung Geneva Science and Diplomacy Anticipator (Gesda) unterstützt. Zudem seien internationale Organisationen mit Sitz in Genf beteiligt, die aber nicht genannt werden.
Die Gesda wurde 2019 vom Bund sowie vom Kanton und der Stadt Genf ins Leben gerufen, um künftige wissenschaftliche Herausforderungen zu identifizieren und zu lösen. Laut der Stiftung ist die wissenschaftsbasierte Diplomatie mit Verhandlungs-Engineering und Computerdiplomatie ein zentrales Zukunftsthema.

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