Universität Zürich: 18 neue "Digitalisierungs-Professuren"

24. Oktober 2018, 12:05
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Die Lehre und Forschung im Bereich der Digitalisierung soll an der Universität Zürich (UZH) breit ausgebaut werden.

Die Lehre und Forschung im Bereich der Digitalisierung soll an der Universität Zürich (UZH) breit ausgebaut werden. UZH-Rektor Michael Hengartner sagte der 'NZZ'’, dass mit der Schaffung von 18 neuen Professuren erstmals seit Gründung der philosophischen Fakultät im Jahr 1833 eine solch grosse Aufstockung erfolge.
Dieser als historisch bezeichnete Schritt stehe in enger Verbindung mit der vor zwei Jahren gestarteten Digital Society Initiative (DSI), so der Bericht weiter. Damals war bereits angekündigt worden, dass via DSI interdisziplinär möglichst alle Fakultäten angesprochen und alle Aspekte der Digitalisierung adressiert werden sollen.
Hengartner spricht von Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe für die neuen Professuren, die sich über die Jahre verteilen. Gleichzeitig betont er deren gesamtgesellschaftliche Relevanz: "Früher hiess es, man müsse lesen, schreiben und rechnen können. Jetzt kommen die digitalen Fähigkeiten hinzu", so der Rektor. Die UZH hätte den Schritt bereits vor Jahren machen sollen, fügt er an, jetzt müsse man aber möglichst rasch handeln. Es reiche nicht mehr aus Professoren nach der Pensionierung zu ersetzen. "Die Digitalisierung rast so schnell auf uns zu, dass wir nicht warten können, bis diese Professuren frei werden. Sonst ist der Zug schon längst abgefahren."
Konkret handelt es sich um acht Lehrstühle und zehn Assistenzprofessuren, die sich mit Digital and Mobile Health, Big Data Science, Digital Entrepreneurship, künstlicher Intelligenz und Machine-Learning oder digitaler Sprachwissenschaft befassen. Die Berufungsverfahren seien im Gang, wobei die Kandidaten weltweit rekrutiert werden. Bereits im nächsten Jahr werden erste Professoren die Arbeit aufnehmen.
Konkrete Szenarien für die Arbeit der Professoren erarbeite das Direktorium der DSI. Es müsse geklärt werden, welche Fragestellungen in den verschiedenen Themenbereichen entstehen können.
So gelte es in der Lehre neue Nebenfächer zu schaffen, die in die bestehenden Curricula integriert werden können. Auf Master- und Doktorandenstufe sollen Spezialprogramme angeboten werden. Ausserdem gehe es um den Einsatz von Bildungstechnologie, damit die Studierenden beispielsweise Theorien selbständig erlernen und Vorlesungen für Diskussionen nutzen könnten.
In der Forschung wird insbesondere die interdisziplinäre Zusammenarbeit betont. Die Digitalisierung erfordert, dass die Grenzen der Fächer und Fakultäten überschritten werden, so DSI-Direktor und -Initiant Abraham Bernstein. Er spricht von den künftigen Professoren als "Brückenbauer zwischen etablierten Disziplinen". Hengartner beschreibt sie als "Doppelbürger", die ihr Fachwissen aus der eigenen Fakultät nach aussen tragen. Die neuen Professoren "müssen in zwei Welten zu Hause sein, die beide ihre interne Logik haben", wie er anfügt.
Für Hengarter ist laut 'NZZ' klar, dass die UZH bei den vielfältigen Themen der Digitalisierung einen wichtigen Beitrag leisten kann: "Wir wissen nicht, wie sich die Digitalisierung entwickelt, aber wir können Szenarien erarbeiten und Optionen auf den Tisch legen". Das sei für ein direktdemokratisches Land wie die Schweiz zentral. Denn am "Ende entscheiden die Bürgerinnen und Bürger, wohin die Reise geht". (vri)
Übrigens: Professoren der Digital Society Initiative (DSI) zählen zu den Kolumnisten von inside-it.ch.

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