Untergang? Microsoft darf 'Word' nicht mehr verkaufen

12. August 2009, 13:55
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Ein texanischer Bezirksrichter befindet, Microsoft habe im Textprogramm 'Word' ein Patent verletzt und verbietet dessen Verkauf. Doch auch diese Suppe wird nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wurde.

Ein texanischer Bezirksrichter befindet, Microsoft habe im Textprogramm 'Word' ein Patent verletzt und verbietet dessen Verkauf. Doch auch diese Suppe wird nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wurde.
Ist das das Ende des Software-Riesen aus Redmond? Richter Leonard Davis von einem texanischen Bezirksgericht ("district court") entschied gestern, dass Microsoft in Word ein Patent der kanadischen Firma i4i bewusst verletzt habe.
Davis' Urteil: Microsoft wird zu Schadenersatz in der Höhe von total 277 Millionen Dollar verurteilt und darf Word 2003 und 2007 (und damit Office!) nach 60 Tagen ab gestern nicht mehr verkaufen, so lange man damit XML-Files (.xml, .docx, .docm) öffnen kann. In dem Patent von i4i, das von 1998 stammt, geht es um eine Methode, mit der XML-Files geöffnet und verändert werden können.
In einem Statement gegenüber der US-Presse liess Microsoft verlauten, man sei über den Entscheid "enttäuscht" und werde das Urteil an eine höhere Instanz weiterziehen.
Überhaupt ist nicht davon auszugehen, dass Microsoft nun den Vertrieb von 'Word' oder gar des Office-Pakets einstellen muss. Denn bis zu einem endgültigen Entscheid wird noch viel Wasser den Redmonder Evans Creek herunterfliessen, wenn auch der texanische Richter eine sich täglich erhöhende Busse verhängt hat, falls Microsoft weiter gegen das Patent verstösst. Zudem könnte Microsoft im schlimmsten Fall den Mechanismus für das Öffnen und Speichern von XML-Dokumenten neu programmieren und über einen Update verteilen, so dass 'Word' nicht mehr gegen das Urteil verstösst.
Grundsätzlich zeigt das Urteil allerdings, wie gefährlich US-Software-Hersteller leben. Denn 'Word' ist für Microsoft als Kernstück des Office-Pakets eine ungeheuer wichtige Profitquelle und auf XML als Dateiformat kann man heute unmöglich verzichten. Die kanadische i4i hat übrigens für die Klage gegen Microsoft extra eine Tochterfirma gegründet, der die Rechte am umstrittenen Patent übergeben wurde. In diese Firma, i4i LP, haben wiederum Risikokapitalisten investiert. (Christoph Hugenschmidt)
(Der 'Seattle Post Intelligencer' (seattlepi) hat verdankenswerterweise alle Gerichtsdokumente auf seine Webseite gestellt.)

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