Unterschiedliche Reaktionen auf die KI-Strategie der EU

21. Februar 2020, 09:00
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Warnung vor Überregulierung, Lob für die Stärkung eines digitalen Europas – so reagieren Verbände und Medien auf die KI- und Datenstrategie der EU.

Am 19. Februar stellte die Europäische Kommission in Brüssel ihre KI-Strategie und Pläne für "EU-Datenräume" vor. So will die EU-Kommission Europa als weltweit führenden Standort für "vertrauenswürdige" Anwendungen von KI etablieren. Gleichzeitig wurde eine Datenstrategie veröffentlicht, welche der Wirtschaft, Forschung und Verwaltung ermöglichen soll, das Potenzial von Daten zu nutzen, die für KI notwendig sind.
Die Reaktionen auf diese Pläne fielen unterschiedlich aus. So kritisiert die 'NZZ' in einem Kommentar: "Es bringt wenig, wenn der Staat meint, er müsse bestimmte Zukunftstechnologien fördern. Der Markt ist der viel bessere Entdeckungs-Mechanismus und Innovator." Es sehe ganz danach aus, "dass nach dem Brexit der kostspielige französische Interventionismus, der Gewinner kürt und dies nicht dem Markt überlässt, kräftig an Fahrt gewinnt".
Die französische Zeitung 'Le Monde' schreibt dagegen: "Silicon Valley hat sich die laxen Gesetzgeber und Regulierungsbehörden weitgehend zunutze gemacht, um Technologien zu entwickeln, die es nicht kontrollieren konnte oder wollte." Deshalb sei eine Vorwegnahme der Regulierung bei KI wichtig. "Diese Regulierungsarbeit wird umso effektiver sein, wenn die EU in der Lage ist, ihren rechtmässigen Platz bei der Kontrolle von KI einzunehmen. Dies bedeutet, dass ein Binnenmarkt für Daten geschaffen werden muss, mit Regeln, die für ausländische Akteure gelten, die in Europa tätig werden wollen."
Der Digitalverband Digital Europe begrüsste laut 'Süddeutsche Zeitung' die Ankündigung als positiven Schritt hin zu einem stärkeren digitalen Europa. Es sei wichtig, dass Politik und Industrie eng zusammenarbeiteten und mögliche Regelungen erprobt würden um sicherzustellen, dass die gesteckten Ziele auch erreicht würden.
'Heise' hat weitere Stimmen von deutschen Verbänden gesammelt. Achim Berg, Präsident des IT-Branchenverbands Bitkom sieht zwar "richtig formulierte Ziele, es fehlen aber die notwendigen Massnahmen". Die bisherigen Widersprüche "zwischen einer nach vorne gerichteten KI- und einer rückwärtsgerichteten Datenpolitik" habe die Kommission zudem "fortgeschrieben und nicht aufgelöst".
Die Kommission schaffe "etwas weltweit Einzigartiges", lobte hingegen Peter Liggesmeyer, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software-Engineering (IESE): Nirgends sonst werde der Umgang mit KI-basierten Systemen in absehbarer Zeit derart einheitlich geregelt sein. Gerade bei risikobehafteten Anwendungsfeldern werde das zu höheren Qualitätsstandards führen.

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