Untersuchung gegen Swisscom eröffnet

19. Juli 2013, 13:21
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Jetzt gilts ernst: Die Weko leitet eine Untersuchung gegen den Schweizer Telco ein. Sunrise freuts, Swisscom erstaunts.

Jetzt gilts ernst: Die Weko leitet eine Untersuchung gegen den Schweizer Telco ein. Sunrise freuts, Swisscom erstaunts.
Die Wettbewerbskommission (Weko) hat am 18. Juli 2013 eine Untersuchung gegen Swisscom eröffnet. Die Vorabklärungen haben ergeben, dass es Anhaltspunkte gibt, dass Swisscom die eigene Marktposition im Bereich Breitbandinternet für Geschäftskunden missbraucht hat, um Konkurrenten bei Ausschreibungen zu behindern, so die Bundesverwaltung in einer Mitteilung. Grund dieser Annahme ist eine Ausschreibung der Post aus dem Jahr 2009. Das Ergebnis der Untersuchung wird in rund 18 Monaten erwartet, wie die Kommission auf Anfrage sagt.
Im Januar 2009 hatte die Post die Anbindung ihrer Postfilialen und Postomaten über Breitbandanschlüsse öffentlich ausgeschrieben. Neben Swisscom offerierten auch Sunrise und zwei ungenannte andere Unternehmen ihre Dienstleistungen für die Errichtung eines Wide Area Network (WAN). Diese waren dabei auf Swisscom-Netze angewiesen, die noch während PTT-Zeiten aufgebaut wurden. Von Sunrise verlangte Swisscom damals 25 Millionen Franken. Daraufhin offerierte Sunrise für fast 30 Millionen Franken, während Swisscom einen Preis von 20,5 Millionen Franken der Post bot. Diese entschied sich für Swisscom. Die Frage die sich nun stellt ist, ob Swisscom zuviel für die Miete der Leitungen verlangte, und somit die anderen Fernmeldedienstanbieter nicht in der Lage waren, konkurrenzfähige Angebote zu machen.
Sunrise zufrieden, Swisscom erstaunt
In einer Mitteilung begrüsst Sunrise den Entscheid der Weko, nach den Voraberklärungen eine definitive Untersuchung wegen Verdachts auf Verstösse gegen das Wettbewerbsrecht einzuleiten. "Dieser Entscheid ist ein Signal für fairen Wettbewerb im Schweizer Telekommunikationsmarkt."
Für den Telco ist klar, dass Swisscom einen Preis offerierte, der fast 5 Millionen unter den eigenen Grosshandelspreisen für 80 Prozent der für das Angebot nötigen Vorleistungen liege. Ausser beim Preis sei Sunrise "wesentlich besser eingeschätzt worden als diejenige der Konkurrenz", so der Telco weiter.
Swisscom ist erstaunt über die Eröffnung der Untersuchung, so die Stellungsnahme des Telcos gegenüber inside-it.ch. Sie weisen den Vorwurf zurück, dass das Unternehmen den Wettbewerb unrechtmässig behindert habe - und hoffen, dass die Weko im Verlauf der Untersuchung zum gleichen Schluss kommen wird.
Zudem rechtfertigt sich Swisscom. Laut dem Telco hätte Sunrise nämlich gegenüber der Post ein Angebot unterbreiten können, bei dem sie 65 Prozent Eigenleistung und nur 35 Vorleistung der Swisscom (anstelle der 20 zu 80 Prozent) hätten beziehen müssen. Zudem habe Sunrise ihre Bedürfnisse nicht frühzeitig offengelegt - so habe Swisscom Wholesale kein optimales Angebot unterbreiten können. (lvb)

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