Upgrade legt 64'000 PCs lahm

26. November 2004, 14:27
  • workplace
  • microsoft
image

Seit Montag konnten drei Viertel der von EDS und Microsoft betreuten PCs des britischen Sozialamts nicht mehr in ihr Netzwerk. Jetzt müsste man nur noch wissen, woran es lag.

Wie einige Newsdienste aus Grossbritannien heute übereinstimmend berichten, hat das britische Sozialamt (Department for Work and Pensions, DWP) seit Montag riesige Probleme mit seinen von EDS und Microsoft betreuten PCs. Was genau nicht mehr funktionierte und warum, ist aber weitgehend unklar.
Das Heikle an der Geschichte – und wahrscheinlich der Hauptgrund für die spärlichen Informationen, die das Amt selbst herausgegeben hat – ist, dass es bereits früher massive Probleme mit den von EDS betreuten neuen Systemen beim Jugendamt (Child Support Agency) einer Unterabteilung des DWP, gab. Das Amt hielt darum bisher einen Teil der Zahlungen an den Outsourcer zurück. Wie "The Guardian" berichtet, hat Alan Johnson, der Generalsekretär des Departements, auch bereits eine Untersuchung darüber angeordnet, ob EDS und Microsoft eine Mitschuld beim aktuellen Durcheinander trifft.
Ebenfalls pikant: Vor kurzem gab das Amt bekannt, dass man geplante Stellenreduktionen beim Jugendamt auf jeden Fall durchziehen wolle, obwohl es noch nicht sicher ist, dass das dortige neue IT-System irgendwann funktionieren wird.
Offiziell gab das DWP bekannt, dass rund 80% seiner gegen 80'000 PCs nicht mehr auf die Mainframe-Systeme hätten zugreifen können, die PCs selbst hätten aber normal funktioniert. Der Grund seien Probleme bei einem routinemässigen Software-Upgrade gewesen. Bis gestern Abend habe man 95% der PCs wieder voll funktionsfähig machen können.
Gemäss "Microscope" erhielten die Angestellten des Amts aber noch gestern ein internes Memo mit der Information, dass es "gegenwärtig noch keine bekannte Lösung" für das Problem gebe.
Gemäss "The Register" hatten die betroffenen PCs auch keinen Zugang mehr zu E-Mail, Intranet oder Internet. Dem "Register" wurden auch zwei Versionen darüber zugetragen, was sich abgespielt habe. Beide stimmen darin überein, dass eine Massnahme, die eigentlich auf ein paar wenige PCs hätte beschränkt sein sollen, aus Versehen das ganze Netzwerk betraf.
Gemäss Version 1 hätte ein kleiner Teil des Netzwerks von Windows 2000 auf Windows XP aufgerüstet werden sollen – stattdessen hätten aber alle Clients einen fatalen, partiellen Upgrade erhalten. Gemäss Version 2 habe EDS auf ein paar Testmaschinen mit Windows XP einen Patch installieren wollen, der Patch sei dann aber auch auf 80% der Windows 2000-Clients gelandet. Das wieder rückgängig zu machen sei besonders schwierig gewesen, weil sich die betroffenen PCs nicht einmal mehr booten liessen – man habe sogar Experten von Microsoft aus den USA einfliegen müssen, um das Problem zu beheben. (Hans Jörg Maron)

Loading

Mehr zum Thema

image

Basler Datenschützer sieht Cloud-Gutachten kritisch

Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung bedeute der Entscheid aus Zürich nicht, dass der Gang in die Cloud unproblematisch sei, findet der kantonale Beauftragte in Basel-Stadt.

publiziert am 26.9.2022
image

UK-Behörde untersucht Cloud-Dienste von Microsoft, Amazon und Google

Die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom will die Marktposition der US-Hyperscaler untersuchen und herausfinden, ob es wettbewerbsrechtliche Bedenken gibt.

publiziert am 22.9.2022
image

Weshalb sich Cloud-Zahlen nur schwer vergleichen lassen

Weil die Hyperscaler ihre Umsätze unterschiedlich berechnen und ausweisen, ist ein direkter Vergleich der einzelnen Konkurrenten nur sehr schwer möglich.

publiziert am 21.9.2022
image

Kartellbehörden schauen bei Microsofts Riesen-Deal genauer hin

Für 75 Milliarden Dollar wollen die Redmonder den Game-Anbieter Activision Blizzard kaufen. Die EU-Behörden überprüfen den Deal laut Medienberichten vertieft.

publiziert am 16.9.2022