US-China Tech-Krieg: TSMC profitiert vom Verteilungskampf

15. April 2021 um 09:41
  • china
  • eu
  • usa
  • tsmc
  • geschäftszahlen
image

Chiphersteller TSMC meldet ausgezeichnete Zahlen, während Joe Biden den Chip-Mangel zur Chefsache erklärt und China den Markt aufmischt.

Der taiwanische Chiphersteller TSMC hat im ersten Quartal vom weltweiten Halbleitermangel profitiert und den Gewinn überraschend stark gesteigert. Aufgrund der starken Nachfrage von Autoherstellern, PC-Zulieferern und in vielen weiteren Branchen nach den derzeit schwer verfügbaren Chips kletterte der Überschuss im Jahresvergleich um fast ein Fünftel auf 140 Milliarden Taiwan-Dollar (4,1 Mrd Euro), wie TSMC in Hsinchu mitteilte.
Der Umsatz stieg im ersten Jahresviertel um 17% auf 362,4 Milliarden taiwanesische Dollar. TSMC ist der weltweit grösste Auftragsfertiger von Chips und Wafern. Zu den grossen Kunden gehört der iPhone-Hersteller Apple. Aber TSMC liefert auch Chips für Fernseher oder Fahrzeuge.
Durch die teils verzweifelte Suche grosser Konzerne nach Halbleiter-Bauelementen ist TSMC ins Zentrum eines globalen Verteilungskampfes gerückt. Chips sind momentan ein knappes Gut, vor allem bei Autoherstellern und in der Unterhaltungsgeräte-Industrie. Das hat dazu geführt, dass Lieferketten in Gefahr sind und die Produktion von unterschiedlichen Produkten ins Stocken geraten ist.

USA und China krempeln den Markt um

US-Präsident Joe Biden hat deswegen am 12.4. Führungskräfte der Halbleiterindustrie in Washington zusammengerufen, um Lösungen für die Chip-Krise zu diskutieren. Es ist laut 'Reuters' der jüngste Schritt in einer breiteren Anstrengung, die Chip-Industrie der USA zu unterstützen. Er schlug ausserdem 50 Milliarden Dollar zur Unterstützung der Chip-Herstellung und -Forschung als Teil seines 2-Billionen-Dollar-Infrastrukturvorschlags vor.
Ein Grossteil dieses Geldes dürfte laut US-Medien wahrscheinlich in den Bau von Chipfabriken von Intel, Samsung und TSMC fliessen. Aber Führungskräfte aus der Industrie sagen, dass es entscheidend ist, die breitere Lieferkette zu adressieren, da auch Chip-Hersteller ihre eigene Lieferkette grenzüberschreitend outgesourct haben.
"Die Herstellung eines einzigen Computerchips kann mehr als 1000 Arbeitsschritte, 70 unterschiedliche Grenzübergänge und eine Vielzahl spezialisierter Unternehmen umfassen, die meisten davon in Asien und der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt", so 'Reuters' in einem ausführlichen Hintergrundtext.
Derweil verschiebt sich der Chip-Markt massiv. Die EU, USA und China investieren Dutzende Milliarden in digitale Souveränität angesichts der "schlimmsten Chip-Versorgungs­krise aller Zeiten" und den andauernden Spannungen zwischen den USA und China.
China ist in der Folge im Jahr 2020 zum ersten Mal zur Nummer 1 für neues Halbleiter-Equipment aufgestiegen, weil Peking die lokale Chipindustrie fördert. Das Land hat damit Taiwan, Südkorea und Japan überholt. Dies zeigen Daten von SEMI, einem US-amerikanischen Industrieverband, der Unternehmen vertritt, die Ausrüstung und Materialien für Chiphersteller liefern.

Loading

Mehr erfahren

Mehr zum Thema

image

EU-Staaten wollen mehr Überwachung

Viele EU-Länder wollen die End-to-End-Verschlüsselung stark schwächen. Messenger-Dienste sollen zur Überwachung verpflichtet werden.

publiziert am 11.6.2024
image

Europas Fesseln der Innovation: der hohe Preis des Digital Services und AI Acts

Eine Lockerung des Digital Services Act und des AI Act könnte dazu beitragen, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Regulierung und Innovationsförderung herzustellen, schreibt KI-Unternehmer Christian Fehrlin in einem Gastbeitrag.

publiziert am 11.6.2024 3
image

Ricoh erzielt mehr Umsatz, aber weniger Gewinn

Der Druckerhersteller hat 2023 mehr eingenommen als im Vorjahr. Schon bald sollen die Einnahmen aus dem Service-Geschäft mehr als die Hälfte ausmachen.

publiziert am 4.6.2024
image

Umsätze im Schweizer ICT-Sektor legen kräftig zu

Nach nur leichten Zunahmen seit Jahresbeginn sind die Umsätze laut Bundesamt für Statistik im März sprunghaft angestiegen.

publiziert am 31.5.2024