US-IT-Riesen gegen ICTSwitzerland

26. März 2008, 16:47
  • politik & wirtschaft
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Unter dem Namen "Swiss ICT Council" haben die Grossen der US-IT-Companies einen eigenen Lobby-Verband angedacht. Ein Warnschuss gegen die allzu aufmüpfige "ICTSwitzerland" und Informatica08?

Unter dem Namen "Swiss ICT Council" haben die Grossen der US-IT-Companies einen eigenen Lobby-Verband angedacht. Ein Warnschuss gegen die allzu aufmüpfige "ICTSwitzerland" und Informatica08?
Anders als die 'Handelszeitung' heute schreibt, gibt es ein Gremium namens "Swiss ICT Council", in dem sich die "17 der wichtigsten Informatik-Unternehmen" organisiert hätten, noch nicht. Das Blatt berichtet heute auf der Frontseite unter dem Titel "Schweiz verpasst IT-Anschluss", die "17 bedeutendsten ICT-Unternehmen der Schweiz" hätten den 'Swiss ICT Council' gegründet, "um der Branche in Bern mehr Gehör zu verschaffen". Doch ein solcher 'Swiss ICT Council' ist offenbar erst angedacht, wie sowohl Susan Orozco von IBM wie auch Microsoft-Sprecherin Barbara Josef gegenüber inside-it.ch sagten. Josef: "Es ist korrekt, dass es Gespräche zwischen den genannten Firmen gegeben hat. Aber noch gab es keine offizielle Gründung einer Organisation." Wer beim "Swiss ICT Council" denn mitmachen soll, ist unklar. Genannt werden Firmen wie IBM, HP, Microsoft, EDS, Canon, CSC und Orange.
Warum aber wollen die Schweizer Niederlassungen der multinationalen IT-Grosskonzerne zum helvetischen IT-Verbandswirrwar mit der Gründung einer weiteren Interessengruppe beitragen? Nach ihrem Verständnis habe man sich eben bei den bestehenden Organisationen und dem Dachverband ICTSwitzerland schlecht vertreten gefühlt, sagt Josef.
Die im Artikel genannten Ziele des 'Swiss ICT Council" sind widersprüchlich. Zwar will man "auf der Basis der bestehenden Verbände die Lobbyarbeit (in der Politik) verstärken," heisst es einerseits. Andererseits soll dies aber offenbar nicht mit dem (endlich) gegründenten Dachverband ICTSwitzerland geschehen, dessen Bedeutung "in der Branche umstritten" sei. Man kritisiert, die "bisherigen Anstrengungen", gemeint kann nur die Nachwuchsinitiative informatica08 sein, seien "konzeptlose und sporadische Aktionen." Andererseits strebt offenbar auch der 'Swiss ICT Council' eine "Konsolidierung der Verbände" an.
Die gleichen Forderungen wie ePower
In einer kleinen Umfrage, die die 'Handelszeitung' unter den Chefs der grossen, multinationalen IT-Firmen in der Schweiz durchführte, wurden altbekannte Forderungen nach der Erhöhung des Tempos bei der Einführung von "E-Government" und "E-Health" laut. Ausserdem soll der Bund "Anreize für die Reduktion des Energieverbrauchs von elektronischen Geräten" schaffen, fordert etwa HP-Schweiz-Chefin Hauke Stars. Zudem brennen der Branche - berichtet das Wirtschaftsblatt - "Fragen rund um die Internetkriminalität auf den Nägel". Dazu gehöre auch der Bereich der Polizeiinformatik, heisst es ausdrücklich.
Wirklich neu sind die von den Industrievertretern erhobenen Forderungen nicht. Die Lobby-Organisation ePower, die vor zweieinhalb Jahren mit viel IT-Prominenz gegründet wurde
Die von der Handelszeitung interessierten Firmenchefs und -Chefinnen sind übrigens alle sehr direkt an der Umsetzung ihrer Forderungen interessiert. Die Einführung einer Gesundheitskarte beispielsweise dürfte ein gigantisches Auftragsvolumen auslösen.
'Swiss ICT Council' nur ein Warnschuss?
Geht es bei einer allfälligen Gründung des 'Swiss ICT Council' tatsächlich um die selbstlose Förderung der Hightech-Industrie in der Schweiz? Betrachtet man die Fakten, so scheint dies mehr als fraglich. Lobbying macht bereits ePower mit allein vier Vorstossen seit Dezember 07 (Energieeffizienz, Zertifikat auf der eID, Cybercrime, Zentralisierung IT Bund). Die Konsolidierung der Verbände treibt ICTSwitzerland zusammen mit SwissICT und der Schweizer Informatikergesellschaft voran und Informatica08 erfüllt einige der Forderungen der Multis. Das Programm ist langfristig angelegt und fördert das Interesse für Technik auf allen Ebenen (dieser Link nur als kleines Beispiel).
Wir glauben, dass die - heute nur angekündigte - Gründung eines weiteren Interessengrüppchens eher als Drohkulisse zu verstehen ist. Die multinationalen Firmen hätten gerne mehr Einfluss bei ePower und ICTSwitzerland, deren Kurs heute tatsächlich eher von der lokalen Industrie bestimmt wird. (Christoph Hugenschmidt)

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