VAD Dicom aus den Startlöchern

8. Juni 2011, 11:13
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Die neue europäische Nummer 1 in der Distribution von Dokumentenscannern und Scanning-Software hat einen starken Schweizer Touch.

Die neue europäische Nummer 1 in der Distribution von Dokumentenscannern und Scanning-Software hat einen starken Schweizer Touch.
Aus dem im Januar angekündigten Termin für die definitive Trennung des Software-Herstellers Kofax von seinem Hardware-Distributionsarm wurde nichts und aus März wurde Juni. Doch jetzt ist die offenbar schwierige Trennung vollzogen und der auf "Document Capture" (Scanner und Software für Dokumentenerfassung) spezialisierte VAD Dicom kann nun als eigenständige Firma auftreten.
Finanziert wurde der Management-Buy-Out des ungeliebten, weil theoretisch weniger profitablen, Hardware-Geschäfts durch die deutsche Beteiligungsgesellschaft Hannover Finanz. An der Spitze des neu-alten VADs steht Joachim Froning als CEO, COO ist Andreas Schneider, einst Verkaufsleiter bei COS Distribution, und Finanzchefin ist Gabrielle Froning. Schneiders einstiger Chef als COS-Boss, Roland Apelt, ist Einkaufsleiter und Chef Produktmanagement.
Dicom wird der grösste Distributor im EMEA-Raum (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) für Scanner und Software von Canon, Fujitsu, Kodak und Kofax sein und mehr als 100 Millionen Euro Umsatz mit aktuell ungefähr 3000 Resellern in 40 Ländern machen. 2010 verkaufte Dicom - damals noch als eine Abteilung von Kofax - 59'000 Dokumentenscanner in EMEA, wie wir einer Firmenpräsentation entnehmen. Der Dokumentenerfassungsspezialist hat Lagerhäuser in sechs Ländern, während der Hauptsitz in der Schweiz (Rotkreuz) liegt.
Software, Consulting, Unterhalt, Archiv
Neben Dokumentenscannern bietet Dicom auch die Dokumenten-Erfassungs-Software der ehemaligen Mutter Kofax sowie Systeme für die Archivierung der erfassten Daten an. Zudem gibt es Service-Packs in mehr als 19 Ländern und Support in lokalen Sprachen. Dicom beschäftigt nach eigenen Angaben über 110 Service-Experten für die Hard- und Software für Dokumentenerfassung.
Der Markt für 'Document Capture' ist interessant, denn immer mehr Firmen und öffentliche Institutionen wollen ihre Arbeitsabläufe vollständig digitialisieren. So ist in Projekten für die Digitalisierung von Verwaltungen - etwa die flächendeckende Einführung von GEVER beim Bund im Gesundheitswesen - immer auch die Beschaffung von Systemen für die automatische Erfassung von nicht-digitalen Dokumenten (Texte, Rechnungen, Bilder) involviert.
"Reverse Spin-Off"
Mit Dicom fand sozusagen ein "Reverse Spin-Off" statt. 1999 übernahm Dicom den US-Software-Hersteller Kofax und 2008 wurde der übernommene Markenname auch zum Brand der ganzen Firma. Ebenfalls 2008 holte man den Gründer des ehemaligen Konkurrenten Captiva, Reynolds Bish, an Bord.
Da mit der Herstellung von Standardsoftware im B2B-Umfeld potentiell eine wesentlich höhere Marge erzielt werden kann als mit Hardware-Distribution, lag die Abspaltung des europäischen Disti-Geschäfts vom US-Softwarehersteller seit längerem in der Luft. Für einmal hat also nicht der Grosse den Kleinen "geschluckt", sondern der Gekaufte den Käufer "ausgespuckt." (Christoph Hugenschmidt)
(Interessenbindung: Dicom-Manager Roland Apelt ist (geschätzter) Verwaltungsratspräsident unseres Verlags. Zwischen Dicom und unserem Verlag gibt es aber keinerlei geschäftliche Verbindungen und es fliessen auch keine Dicom-interne Informationen zu uns.)

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