Vater­schafts­urlaub: Gewerk­schaften loben Informatik-Branche

30. September 2021, 13:03
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Ein Jahr nach der Abstimmung zieht Travailsuisse Bilanz und kritisiert verschiedene Branchen: Diese gewährten "trotz eindeutigem Rechtsgutachten" zu wenige Tage.

 Knausern beim bezahlten Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen: Das wirft Travailsuisse dem Gewerbe, Verwaltungen und dem Gesundheitswesen vor. Ein Jahr nach Annahme der Volksinitiative zog der Gewerkschaftsdachverband vor den Medien Bilanz.
Für die Informatik-Firmen hatte Travailsuisse aber Lob übrig: Grosszügige Leistungen für junge Väter böten nämlich insbesondere die IT- und Kommunikationsbranche sowie die Pharmaindustrie. In diesen erhalten frischgebackene Väter durchschnittlich 30 bis 31 freie Tage. Dem stehen gerade mal 10 bis 11 Tagen im Gewerbe und das Gesundheitswesen gegenüber.
Angeführt wird die Rangliste vom Automobilhersteller Volvo, der seinen Angestellten 120 Tage Vaterschaftsurlaub gewährt. Danach folgt Novartis und auf Platz drei Google. Der Techkonzern bietet 60 Tage Vaterschaftsurlaub. Auch Microsoft gewährt deutlich mehr freie Tage als gesetzlich vorgeschrieben. Noch das doppelte des Minimums von 10 Tagen erhalten Angestellte von den Branchenfirmen Sunrise, Deloitte, Galaxus und Liip. Swisscom gewährt noch etwas mehr als das Minimum.
Dies bestätigt einen Trend, den inside-it.ch vor der Abstimmung zum Vaterschaftsurlaub aufgespürt hatte: Eine Reihe namhafter Software-Firmen hatte uns Anfang 2020 erklärt, dass zu ihren "Goodies" zur Mitarbeitergewinnung auch ein Vaterschaftsurlaub zählt. Damals gewährten sie allerdings erst eine Woche bis 10 Tage. Die Ausnahme: HPE hatte gerade einen Elternurlaub von sechs Monaten eingeführt.

Gewerkschaft will Druck hoch halten

"Die heutigen Väter wollen präsente Väter sein", sagte nun Adrian Wüthrich, der Präsident von Travailsuisse, zur heute vorgestellten Bilanz. Nach Angaben von Marco Geu, Zentralsekretär der Gewerkschaft Syna, erhalten heute zwei Drittel der angestellten Väter nur das gesetzliche Minimum, nämlich einen Urlaub von 10 Arbeitstagen. "Die meisten möchten aber vier Wochen", sagte Geu.
Er verwies auf ein Rechtsgutachten von Thomas Geiser von der Universität St. Gallen. Es bestätige, dass der gesetzliche Vaterschaftsurlaub in der Regel zu den Bestimmungen aus den Gesamtarbeitsverträgen addiert werden müsse. "Trotz des eindeutigen Rechtsgutachtens lehnen die Arbeitgebenden eine Kumulation des Vaterschaftsurlaubs aber praktisch flächendeckend ab", sagte Geu.
Die Gewerkschaft will hier den Druck nach eigenen Angaben hoch halten. Auch auf politischer Ebene gehe der Kampf für einen besseren Schutz junger Familien weiter, heisst es. Greta Gysin, Nationalrätin und Co-Präsidentin von Transfair, hat zwei Motionen eingereicht: Mit der einen soll der Kündigungsschutz für Väter bei der Geburt eines Kindes eingeführt werden, mit der andern soll der Vaterschaftsurlaub auch beim Tod des Kindes zur Anwendung kommen, schreibt Transfair in einer Mitteilung.
In der Volksabstimmung vom 27. September 2020 war die Vorlage für einen bezahlten Vaterschaftsurlaub mit 60,3% Ja-Stimmen angenommen worden. Damit können Väter innerhalb von sechs Monaten ab Geburt eines Kindes zwei Wochen bezahlten Urlaub beziehen. Finanziert wird dieser wie die Mutterschaftsentschädigung über die Erwerbsersatzordnung. Die Vorlage trat Anfang dieses Jahres in Kraft.

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