Verhärtete Fronten im Basler Glasfaser-Streit

26. Januar 2009, 15:59
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Sunrise, Orange und EWZ glauben, dass sich die Industriellen Werke Basel (IWB) bereits mit Swisscom über den Bau eines Glasfasernetzes geeinigt haben, bei dem Swisscom eine eigene Faser hätte. Die IWB sagen, es sei noch alles offen.

Sunrise, Orange und EWZ glauben, dass sich die Industriellen Werke Basel (IWB) bereits mit Swisscom über den Bau eines Glasfasernetzes geeinigt haben, bei dem Swisscom eine eigene Faser hätte. Die IWB sagen, es sei noch alles offen.
Die verschiedenen Unternehmen und Institutionen, die in Basel ein flächendeckendes Glasfasernetz ("FTTH-BS") aufbauen wollen, können sich nach wie vor, wobei der ehemalige Telekom-Monopolist Zugriff auf eine eigene Faser hätte. Damit hätte Swisscom freie Hand bei der Zusammenstellung von schnellen Telekom-Angeboten wie hochauflösendes TV oder High-Speed-Internet (Zugriff auf den sogenannten Layer 2). Auf der anderen Seite beharren Sunrise und Orange auf ein Einfasermodell, bei dem alle Telekom-Unternehmen als Wiederverkäufer auftreten und identische Bedingungen haben. Dazwischen befinden sich die Industriellen Werke Basel (IWB), die das Sagen haben.
Offiziell sagen die IWB, sie hätten noch nicht entschieden, ob es dereinst in Basel ein Mehr- oder Einfasermodell geben wird. Doch Sunrise und Orange (und auch das Zürcher Stadtwerk EWZ) glauben, dass die IWB schon längst mit Swisscom unter einer Decke stecken, um sich die knapp 60 Millionen Franken zu sichern, die Swisscom für die Nutzung einer eigenen Faser geboten hat.
Unterlagen zu spät erhalten?
Heute Montag fand in Basel ein zweiter Runder Tisch statt, an dem Swisscom, Cablecom, digital cable group, Energie Wasser Bern und das Amt für Wirtschaft und Arbeit BS teilgenommen haben. Sunrise, Orange und das EWZ haben ihre Teilnahme abgesagt. In einem Brief an die IWB, der inside-it.ch vorliegt, beschweren sich die drei Befürworter eines Einfasermodells darüber, dass sie die Unterlagen zu spät erhalten haben.
"Wie wir bei einer ersten Durchsicht des Modells sehen konnten, ist dieses nicht mehr mit dem ursprünglichen Modell eines diskriminierungsfreien und offenen Zugangs kompatibel", heisst es im Brief. Und weiter: "Wir haben die Vorschläge ihrerseits allerdings so spät erhalten, dass wir eine vertiefte Analyse gar nicht rechtzeitig vornehmen können. Es wäre unseriös in so kurzer Zeit eine entsprechende Stellungnahme zu erarbeiten." Gegenüber inside-it.ch sagt Orange-Sprecherin Therese Wenger, dass die Einladung und Unterlagen erst am vergangenen Donnerstag eingetroffen seien. "Eine seriöse Vorbereitung wäre nicht möglich gewesen. Auf eine Teilnahme wurde daher verzichtet." Swisscom-Sprecher Olaf Schulze sagt zu inside-it.ch, er gehe davon aus, dass Swisscom die Unterlagen und die Einladung auch erst am Donnerstag erhalten habe.
IWB: Alles noch offen
Doch der wahre Grund für die Absage scheint ohnehin ein anderer zu sein. Der Vorwurf lautet, die IWB hätten sich praktisch schon für das Mehrfasermodell mit Swisscom entschieden. IWB-Sprecher Dietmar Küther betont allerdings gegenüber inside-it.ch, dass ein Entscheid noch nicht gefallen ist. Man sei nach wie vor offen, was Kooperationen angehe. Man werde deshalb die Firmen, die heute nicht dabei waren, für weitere Gespräche einladen. Wann ein dritter Runder Tisch stattfinden wird, ist noch nicht entschieden.
Im Gespräch betonen alle betroffenen Unternehmen, dass sie nach wie vor bereit seien, Kooperationen einzugehen. Das Problem ist nur, dass alle auf ihre Modelle beharren. Ein Kompromiss scheint zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls nicht möglich. Die IWB gehen nach wie vor davon aus, im ersten Quartal 2009 dem Basler Regierungsrat einen Investitionsantrag für das FTTH-BS vorzulegen. Je nach Lösung dürfte das Netz von 50 bis 300 Millionen Franken kosten. (Maurizio Minetti)

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