Veritas: "Wir sind zurück!"

19. September 2016, 08:41
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Elf Jahre verbrachte Veritas als Teil von Symantec in einer Art Dornröschenschlaf.

Elf Jahre verbrachte Veritas als Teil von Symantec in einer Art Dornröschenschlaf, bis das Unternehmen vor einem Jahr von der Carlyle-Group gekauft und wieder "wach geküsst" wurde.
Nach dem die Carlyle-Group im August 2015 den Storage-Software-Spezialisten Veritas für 7,2 Milliarden Dollar bei Symantec rausgekauft hat, erstrahlt der Backup- und Daten-Management-Spezialist im neuen Glanz. "Es gab keine Synergien zwischen Symantec und Veritas – ganz im Gegenteil, man behinderte sich in vielen Fällen gegenseitig", sagte der neue CEO Bill Coleman in einem Gespräch mit inside-it.ch am Rande der ersten unabhängigen Kundenkonferenz Vision seit 2004. Vertriebsmässig muss man sich dabei am wenigsten umstellen, denn hier gab es praktisch keine Integration von Symantec mit Veritas. "86 Prozent unserer Kunden gehören zu den Fortune-500, und die müssen wir alle direkt betreuen. Im KMU-Markt haben wir zwar auch ein starkes Händlernetz, doch dort ist viel Knowhow gefragt, um unsere Produkte mit den heterogenen Systemwelten zu verbinden", sagt Matt Cain, verantwortlich für alle internationalen Operationen, inklusive Vertrieb und Marketing. Auf die Schweiz bezogen bedeutet es, dass man einerseits mit einem Direktvertrieb in allen internationalen Grosskonzernen vertreten ist, andererseits der Mittelstand über ein breites Netz an qualifizierten Partnern abgedeckt wird.
Datenintegration bis hinein in die Cloud
Was die weitere Unternehmens-Entwicklung angeht, so will Coleman den Kurs fortsetzen, den das Unternehmen vor der Symantec-Übernahme eingeschlagen hat, und den es – soweit es ging – auch unter dem Symantec-Mantel verfolgt hat. Das heisst, ausgehend vom Erfolgsprodukt NetBackup will man in immer mehr Daten-Management-Bereiche vordringen. Jüngstes Beispiel dazu ist die geplante Anbindung an Microsoft Azure und an die OpenStack-Plattform. Damit erweitert Veritas seine bereits bestehenden Konnektoren zu AWS und zu Googles Cloud-Services. "Egal wo die Daten gespeichert sind, wir stellen eine einheitliche Oberfläche bereit über die alle Daten sicher und problemlos gemanagt werden können", sagt Mike Palmer, verantwortlich für den Bereich Daten Insights und Orchestrierung.
Grossen Wert legt man bei Veritas darauf, dass man ein reinrassiger Software-Anbieter ist, also völlig Hardware-unabhängig sei. "Falls mehr Speicherplatz benötigt wird, so kann man die Fileserver mit ein paar günstigen Harddisks aufrüsten, oder einfach bei Amazon weiteren Speicherplatz anmieten – unserer Software ist das völlig egal", sagte Coleman in seiner Keynote. Natürlich ist die Realität nicht so einfach. Es gibt eine breite Palette an unterschiedlichen Speichersystemen, die sich in Preis und Performance erheblich unterscheiden, was bei der Speicherzuweisung eine grosse Rolle spielt. Zwar bietet Veritas auch hier entsprechende Optimierungs-Programme an, doch je mehr Ebenen man schafft, umso schwächer wird die Performance.
Der Megatrend: Managen von heterogenen Cloud-Umgebungen
Die grosse Linie ist aber völlig klar. Getreu dem Motto "If you can’t beat them join them!" fokussiert man sich jetzt auf die Kooperation mit den grossen Cloud-Providern, anstatt leistungsstarke On-Premise-Verbundlösungen zu entwickeln. Das ist auch der Megatrend der gesamten IT-Branche. Ob VMware, BMC, EMC, CA, NetApp oder Oracle – alle sehen ihre Zukunft im Managen von heterogenen Cloud-Umgebungen. Zu denen natürlich auch die internen Cloud-Plattformen gehören. Noch sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern erkennbar, schliesslich kommen sie alle aus einer anderen Ecke, doch die Unterschiede werden mit jedem Release kleiner. Das Konzept hat aber kurze Beine. Alle grossen Cloud-Provider planen exakt dasselbe. Das heisst, eine Plattform-übergreifende Management-Software für heterogene Clouds – das dabei die eigene Plattform etwas bevorzugt wird, ist selbstverständlich. Die Mustervorlage liefert VMware mit IBMs Softlayer, so wie es jetzt auf der VMworld vorgestellt wurde. Das ist noch nicht weiter dramatisch, denn die IBM-Cloud ist bescheiden im Vergleich zu AWS, Google oder Azure. Doch Microsoft hat schon angekündigt, dass im nächsten Jahr "Azure Stack" auf den Markt bringen wird, und nach allem, was man derzeit weiss, wird es das umfangreichste Paket zum Managen von heterogenen Clouds sein. Auch Amazon und Google arbeiten daran, womit das Oligopol schon bald auch das Rechenzentrum übernehmen wird.
Next: Software-defined Information Management Platform
Veritas kommt aus dem Storage-Management und war eines der ersten Unternehmen, das "Software-defined-Storage" mit Leben erfüllte und damit die Voraussetzungen für alle weiteren "Software-defined-Lösungen" schuf. Hinzu kommt dann noch die neue Archivierung Access und das Recovery-Programm Resilience. Zu beiden Produkten gab es Verbesserungen, beispielsweise lassen sich jetzt mit Resilience 2.1 tausende an VMs mit einem einzigen Mouseclick wiederherstellen – egal wo diese Server physisch angesiedelt sind. Das neue Gebilde heisst jetzt "Software-defined Information Management Platform" und hat interessanter Weise nicht das Buzzword "Cloud" im Namen.
Wie lange wird Veritas noch unabhängig bleiben?
CIOs die längerfristig planen, sollten allerding vorsichtig sein. Der neue Eigentümer Carlyle ist kein Hightech-Konzern, sondern ein reinrassiger Privat Equity Investor. Coleman hat bereits viele Startups hochgezogen und sie über einen IPO oder eine Akquisition gewinnbringend abgestossen. Mit anderen Worten, wer langfristig plant und denkt, der sollte warten, bis sich dieses Szenario bei Veritas geklärt hat. Die Veranstaltung in Las Vegas listete als Platinum-Sponsoren HPE und HDS auf. Vielleicht ist ja einer davon bald der neue Veritas-Eigentümer – und dann ist es vorbei mit der Hardware-Unabhängigkeit. (Harald Weiss)

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