Verlegt Yahoo den Steuersitz nach Irland?

10. Februar 2014, 09:51
  • international
  • google
  • microsoft
  • rolle
image

Irland will der Schweiz internationale Konzerne ausspannen.

Irland will der Schweiz internationale Konzerne ausspannen.
Der Streit zwischen der Schweiz und der EU über die Besteuerung von Unternehmen ruft Irland auf den Plan. Die Regierung des Euro- Landes versucht, Grosskonzerne mit Steuersitz in der Schweiz abzuwerben. Mit günstigen Steuersätzen hat Irland bereits einige internationale Grosskonzerne ins Land gelockt. Als Profiteure gelten etwa die US-amerikanischen Technologieriesen Apple, Google und Microsoft.
Doch das Land, das sich gerade von der Schuldenkrise erholt, will mehr. Die Wirtschaftsförderungsagentur IDA Ireland versucht derzeit "eine Handvoll" von Firmen zu überzeugen, der Schweiz den Rücken zu kehren und sich auf der Grünen Insel niederzulassen, wie IDA-Chef Barry O'Leary berichtete. Namen wollte er nicht nennen. Doch Recherchen der Nachrichtenagentur 'Reuters' zeigen, dass O'Leary offenbar einen fetten Fang am Haken hat: Demnach ist der Internetkonzern Yahoo dabei, seinen europäischen Steuersitz nach Irland zu verlagern.
Yahoo hat die Weichen offenbar bereits gestellt. Der Konzern wies in den vergangenen Monaten in Mitteilungen auf seiner Webseite sowie in E-Mails an europäische Kunden auf eine geänderte Geschäftspraxis hin. Demnach gewinnt die irische Tochter Yahoo EMEA Ltd. an Bedeutung, während der Schweizer Ableger Yahoo Sarl mit Sitz im waadtländischen Rolle bekanntlich bis Juli geschlossen wird.
Wie Google
Die neue Struktur von Yahoo ähnelt stark derjenigen des Google-Konzerns, dessen europäische Kunden direkt an die irische Tochter zahlen. Diese überweist ihrerseits den grössten Teil des Jahresumsatzes von mehr als zwölf Milliarden Euro an eine Tochter auf den Bermuda-Inseln, wo Unternehmen keine Einkommensteuern zahlen müssen. Dank dieses Schachzugs liegt Googles Steuerlast sogar noch deutlich unter dem irischen Satz.
Yahoos Pläne geben Anlass zu Spekulationen, welche US-Technologiefirmen der Schweiz als nächstes Adieu sagen könnten. Zu den Firmen, die ihren europäischen Steuersitz hierzulande haben, gehören etwa das Online-Reisebüro Expedia, das Auktionshaus Ebay, die Softwarefirmen Salesforce.com, CA, Citrix Systems und Autodesk sowie der Videospielehersteller Electronic Arts (EA).
Während EA Umzugspläne bestreitet, wollen sich die anderen Unternehmen nicht zu dem Thema äussern oder waren für Stellungnahmen nicht zu erreichen. (sda/lvb)

Loading

Mehr zum Thema

image

Basler Datenschützer sieht Cloud-Gutachten kritisch

Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung bedeute der Entscheid aus Zürich nicht, dass der Gang in die Cloud unproblematisch sei, findet der kantonale Beauftragte in Basel-Stadt.

publiziert am 26.9.2022
image

USA lockert Sanktionen für IT-Firmen im Iran

Weil die iranische Regierung den Zugang zum Internet eingeschränkt hat, versuchen sowohl Behörden als auch Private den Informationsfluss aufrecht zu halten.

publiziert am 26.9.2022
image

Vor 14 Jahren: Erstes Android-Smartphone kommt auf den Markt

"HTC Dream" respektive "G1" setzte als erstes kommerzielles Gerät auf das Betriebssystem Android. Bei den damaligen Testern rief es "Entzücken" hervor.

publiziert am 23.9.2022
image

Deutsche Telekom wird T-Systems nicht los

Die Verhandlungen zum Verkauf der IT-Dienstleistungssparte sind laut einem Medienbericht gescheitert.

publiziert am 22.9.2022