Verlierer und Gewinner im Sun-Oracle-Deal

24. April 2009, 13:27
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Verlierer: IBM, HP, Dell, Microsoft, SAP, die Java- und mySQL-Community. Gewinner: Oracle, Oracle und Oracle.

Verlierer: IBM, HP, Dell, Microsoft, SAP, die Java- und mySQL-Community. Gewinner: Oracle, Oracle und Oracle.
Die geplante Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle hat nicht nur uns völlig überrascht. In der Vergangenheit haben Hardware-Hersteller Software-Anbieter übernommen, um der Margenfalle zu entkommen. Nun kauft der extrem profitable Business-Software- und Middleware-Hersteller Oracle einen in letzter Zeit wenig erfolgreichen Hersteller von Hardware.
Der einflussreiche US-Marktforscher Gartner glaubt, die Akquisition sei defensiv begründet. Oracle habe verhindern wollen, dass Java in die Hände von IBM falle. IBM hat sich bekanntlich ebenfalls sehr für Sun interessiert.
Gefahr für die Java-Community?
Von Java als "Programmiertechnik" (Wikipedia) hängen weltweit Millionen von Menschen und Tausende von Firmen ab, so auch unser Verlag und unsere Technologie-Partner. Die grosse Gefahr, die Gartner (und andere) nun sehen, ist, dass grosse Oracle-Konkurrenten wie IBM versucht sein könnten, "Java-Dialekte" zu entwickeln.
Gartner glaubt, dass die Zukunft der Java-Technologie bis mindestens 2014 gesichert sei. Aber Oracle werde grosse Anstrengungen unternehmen müssen, um glaubwürdig zu bleiben und so den "Java Community Process" lebendig und offen zu halten. Ebenfalls unsicher ist, ob Oracle fähig und willens sein wird, die Entwicklergemeinde der Open-Source-Datenbank mySQL bei der Stange zu halten.
Verlierer: Die Hardware-Hersteller
Erste Schritte in die Welt der Hardware unternahm Oracle bereits letzten September, als mit der "Oracle Database Machine" und dem "HP Oracle Exadata Server" zwei zusammen mit HP entwickelte Systeme vorgestellt wurden. Nach der Übernahme von Sun werde Oracle weiter in diese Richtung gehen und vorkonfigurierte Systeme samt "Blech", Betriebssystem, Datenbank, Middleware und Applikation sowie Service und Support auf den Markt werfen, so die Analyse von IDC.
Das wird für Sun-Konkurrenten wie HP, IBM, Dell, Fujitsu aber auch EMC bedrohlich, denn Oracle ist im Datenbank- und ERP-Markt ein äusserst gewichtiger Player.
Doch nicht nur die HW-Hersteller (und - by the way - auch ihre Partner) könnten den Druck von Oracle zu spüren bekommen, sondern auch SAP und andere Hersteller von betriebswirtschaftlicher Software. IDC glaubt, dass der Verkauf von betriebswirtschaftlichen Lösungen zusammen mit fixfertig konfigurierten Servern das Potential hat, den Markt zu revolutionieren.
Verlierer: Microsoft
Auch für Microsoft könnte Oracle in Kombination mit Sun noch gefährlicher als bisher werden. Mit mySQL wird Oracle über eine günstige und bewährte Datenbank verfügen. Und mit Oracles fast unbeschränkten Mitteln könnte auch OpenOffice, ein Projekt, das von Sun massiv gesponsort wurde, wieder mehr Schwung bekommen. Wichtiger noch: mit dem Sun-eigenen Betriebssystem Solaris kommen Oracle-Anwender und damit fast alle Grossfirmen der Welt zu einer veritablen Alternative zu Windows Server.
Verlierer: VMware?
Olivier Nguyen Van Tan vom Beratungshaus PAC weist auf einen weiteren wichtigen Punkt hin. Mit dem Kauf von Sun wird Oracle zu einem potentiellen Konkurrenten von VMware, dem eindeutigen Platzhirschen im Markt für Virtualisierungs-Software. Denn Sun besitzt einige interessante Virtualisierungsansätze, die mit der Zeit für Oracle-Anwender durchaus eine Alternative zu VMware werden könnten.
Fast nur Verlierer
Wer sich unter professionellen Marktbeobachtern umhört, muss zum Schluss kommen, dass es im Oracle-Sun-Deal fast nur Verlierer - nämlich sämtliche Konkurrenten - gibt. Zudem hat Oracle bei der Übernahme von Bea, Peoplesoft et al bewiesen, dass man Firmen übernehmen kann ohne zu viel Schaden unter der Kundenbasis anzurichten.
Doch genau hier liegt für uns die grosse Frage: Sind die Kunden bereit und daran interessiert, ihre Informatik, vom Tape-Roboter über die Programmierumgebung bis hin zur Business-Applikation, von einem einzigen Anbieter zu kaufen? (Christoph Hugenschmidt)

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