Verschlafen viele hiesige KMUs die Digitalisierung?

30. August 2018, 14:27
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Laut einer CS-Studie glaubt ein Drittel aller Schweizer KMUs, sie seien von der Digitalisierung kaum betroffen.

Laut einer CS-Studie glaubt ein Drittel aller Schweizer KMUs, sie seien von der Digitalisierung kaum betroffen.
Die Schweizer KMU-Landschaft ist laut einer Studie der Credit Suisse trotz steigender globaler Konkurrenz solide aufgestellt. Wie die Analyse der "Schweizer KMU-Wirtschaft 2018" (PDF) zeigt, sind knapp 50 Prozent der befragten 1100 hiesigen KMU überzeugt, die Digitalisierung helfe ihrem Unternehmen, effizienter zu werden und expandieren zu können.
Nur 16 Prozent der Befragten empfinden die Digitalisierung als Risiko für ihr Unternehmen. Ein Drittel glaubt aber auch, auf absehbare Zeit nicht von der Digitalisierung betroffen zu sein.
Konkret heisst es in der Studie, dass für 45 Prozent der befragten Unternehmen die digitale Entwicklung insgesamt mehr Chancen als Risiken bietet. Dem stimmen weitere 31 Prozent zumindest teilweise zu.
Dabei sehen 49 Prozent in den neuen Technologien ein Instrument, um effizienter zu werden, während 42 Prozent die Digitalisierung auch als Chancen für neue Produkte und Dienstleistungen oder für die Erschliessung neuer Märkte und Kundengruppen betrachten.
Die 16 Prozent der befragten KMU, die die damit einhergehenden Risiken betonen, fürchten technologisch nicht mithalten zu können oder mit ihren Produkten und Dienstleistungen überflüssig zu werden.
"Digitalisierung wird unterschätzt"
Aufmerksam macht die Studie hingegen darauf, dass ein Drittel der Befragten die Meinung vertritt, die Digitalisierung würde sie in absehbarer Zukunft nur am Rande betreffen. Ausserdem hätten weitere 24 Prozent dieser Aussage zumindest teilweise ebenfalls zugestimmt.
Auch wenn nicht alle KMU so stark betroffen sind wie etwa das Verlagswesen oder Teile des Handels, lesen die Autoren der Studie aus diesen Resultaten eine Unterschätzung der technologischen Umwälzung. "Firmen, welche die digitale Transformation ihrer Produkte und/oder Prozesse nicht in Angriff nehmen, laufen unter Umständen Gefahr, dass ihnen Geschäftsfelder wegbrechen", wird denn auch gewarnt. Dies mit dem Hinweis auf das Beispiel des Bekleidungsdetailhandels: "Nur knapp sieben Jahre nach Markteintritt ist Zalando heute Marktführer im Schweizer Bekleidungsdetailhandel. Der gesamte Umsatz aller anderen Anbieter ging zwischen 2012 und 2018 um einen Viertel zurück." Diese Entwicklung hätte vor sieben Jahren noch kaum einer vorhergesehen.
Gefahr des zu späten Handelns
Wenn also etwa KMUs im Baugewerbe überdurchschnittlich oft angeben, in absehbarer Zeit nur am Rande betroffen zu sein, könnte das täuschen, meint die Studie. Denn bei der Branche sei im Ausland die digitale Revolution voll im Gange: "Das Building Information Modelling (BIM) zur digitalen Repräsentation von Gebäuden mit allen seinen Bestandteilen ist inzwischen zu einem Standard geworden, welcher es ermöglicht, Eigenschaften wie Statik oder Beheizung direkt am Modell zu testen sowie die Zulieferung von Material und den Einsatz von Arbeitskräften genau zu planen."
Schweizer Betriebe hätten inzwischen zwar einen Teil ihres Rückstandes in der Anwendung dieser Technologie aufgeholt, "hinken aber immer noch hinter Ländern wie Grossbritannien oder den Vereinigten Staaten hinterher", wird gewarnt.
Und laut Studie haben digitale Technologien selbst im Gastgewerbe sowie in der Unterhaltung und den persönlichen Dienstleistungen Einzug gehalten. Auch die KMU dieser Branchen hatten angegeben, wenig von der Digitalisierung betroffen zu sein.
Fazit
Insgesamt, so das Fazit der Credit-Suisse-Analysen, ist die Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer KMU gegeben und nachhaltig. Aber die digitalen Umwälzungen "gekoppelt mit zunehmender Konkurrenz aus Schwellenländern, welche dank der neuen Technologien Entwicklungsstufen überspringen können, stellen allerdings ein potenzielles Risiko für diejenigen Firmen dar, welche die Implikationen dieser technologischen Revolution zu spät erkennen".
Die Studie basiert Umfrageergebnissen vom März und April dieses Jahres bei über 1'000 Schweizer Unternehmen. (vri)

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