Verschwörungstheorien um OpenOffice 2.0-Verschiebung

14. Oktober 2005, 10:03
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    Sturm im Open Source-Wasserglas.

    Sturm im Open Source-Wasserglas.
    Eigentlich hätte "OpenOffice 2.0", die zweite grundlegend überarbeitete Version des kostenlosen Open Source-Büropaketes gestern erscheinen sollen, auf den Tag genau fünf Jahre, nachdem Sun den Quellcode seines "StarOffice" freigegeben hatte.
    Nun haben die Entwickler von OpenOffice. Der Fehler soll aber in Kürze behoben sein, so dass der offizielle Release nun am nächsten Donnerstag, dem 20. Oktober, stattfinden soll.
    Das Entwicklerteam von OpenOffice besteht weiterhin in der Mehrheit aus Sun-Leuten. Seit Grossfirmen wie IBM, Novell, CA oder eben Sun angefangen haben, Open Source-Projekte zu unterstützen, hat der Open Source-Bereich grosse Fortschritte gemacht und ist zu einem ernstzunehmenden Teil der IT-Industrie geworden. Gleichzeitig entstanden sich aber Befürchtungen bei unabhängigen Open Source-Enthusiasten, dass die Grossen zu viel Macht in der Szene haben, und die Empfindlichkeiten gegen "Einmischungen" mehren sich.
    So ist es denn nicht verwunderlich, dass auch um die OpenOffice-Verschiebung schnell eine Verschwörungstheorie entstand, die unter anderem auch von heise.de aufgegriffen wurde. Ursprünglich hatte man geplant, OpenOffice 2.0 mit einem deutlichen zeitlichen Abstand auf StarOffice 8.0 zu veröffentlichen. (Sun entwickelt das Büropaket auch selbst weiter und verkauft diese Versionen weiterhin unter dem Namen StarOffice.) Der Launch von StarOffice hatte sich allerdings deutlich verzögert.
    Wieviel Macht haben kommerzielle Unternehmen?
    Darum, so wurde gemunkelt, habe Sun Druck ausgeübt, um nun auch OpenOffice noch etwas zu verzögern. Der Bug sei verdächtig plötzlich gefunden worden und kaum der Rede wert.
    Das Entwicklungsteam hat nun auf seiner Bugreport-Seite für diesen Fehler reagiert. Der Fehler, so heisst es dort, sei schon vor der Veröffentlichung von StarOffice 8.0 entdeckt und eigentlich schon behoben worden. StarOffice sei darum nicht betroffen. Der fehlerhafte Code sei aber aus Versehen wieder in eine spätere OpenOffice-Version eingeflossen. Bei dem Problem handle es sich ausserdem um einen Fehler in einem Fileformat – zu behaupten, dies sei nicht wichtig sei "donquixotisch" (Der paranoide Don Quixote kämpfte ja gegen Windmühlen, die er für Riesen hielt.)
    Eigentlich handelt es sich bei der ganzen Geschichte um eine Lappalie. Aber sie zeigt eine grundlegende Spannung in der Open Source-Bewegung, die wohl noch öfter zu Reibereien führen wird: Wie stark können, sollen und dürfen kommerzielle Unternehmen Einfluss auf Open Source-Projekte nehmen? (Hans Jörg Maron)

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