Versicherungen vor "Industrialisierungs"-Welle

16. Oktober 2006, 16:14
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"Business Process Outsourcing" steht nicht nur in der Bankenwelt zuoberst auf der Prioritätenliste.

"Business Process Outsourcing" steht nicht nur in der Bankenwelt zuoberst auf der Prioritätenliste.
"Industrialisierung der Dienstleistung" ist eigentlich der klarere Begriff als das oft verwendete Drei-Buchstabenkürzel BPO (Business Process Outsourcing). Vorbild ist die Automobilherstellung: Autofabrikanten produzieren heute nur noch einen kleinen Teil der fahrbaren Untersätze selber - die meisten Bestandteile eines Autos kommen von Zulieferern. Zudem produzieren verschiedene Automobilhersteller so genannte "Plattformen" (Chassis + Motor + Elektronik) gemeinsam mit anderen.
Bei Dienstleistern wie etwa Versicherungskonzernen steht der Trend zur "Industrialisierung" erst am Anfang. Hier geht es um die Aufspaltung der Wertschöpfungskette - gewisse Prozesse (zum Beispiel die Bearbeitung der Schadenfälle) werden ausgelagert und gemeinsam mit denen von anderen Versicherungen in grossen Dienstleistungszentren erledigt.
Eine Umfrage des weltweit aktiven Dienstleisters Accenture unter 30 grossen Versicherungsgesellschaften in Europa zeigt, dass die "Industrialisierung" ganz zuoberst auf der Prioritätenliste der Chefetagen steht. Alle Befragten nannten "Industrialisierung" als Priorität für die nächsten drei Jahre (44 %: starke Priorität, 56 % sogar "Top Priorität"). Genau gleich wie in der Industrie ist der Kostendruck die wichtigste Motivation für den Drang, Prozesse zu automatisieren und / oder an Dritte oder an Kooperationen auszulagern.
Während heute eher Back-Office-Prozesse (IT, Administration, Finanzen) automatisiert worden sind, so sollen in den nächsten drei Jahren auch Vorgänge im Front-Office, zum Beispiel die Abwicklung von Schadensfällen, automatisiert werden. Zwei Drittel der befragten Top-Manager ("C"-Level) der europäischen Versicherungen glauben, dass ihr Front-Office in drei Jahren weitgehend "industrialisiert" sein wird. Und während heute nur 11 Prozent Kernprozesse wie die Policenverwaltung oder das Inkasso der Prämien an Kooperationen oder an Dritte ausgelagert haben (eben "Business Process Outsourcing"), sollen sich dieser Anteil in den nächsten drei Jahren verdreifachen. (Christoph Hugenschmidt)

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