Viel Streit um Länder-Domains in der Schweiz

13. Februar 2006, 12:43
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Dank tiefen Preisen ist Cybersquatting hierzulande eine beliebte Form, Markeninhaber zu erpressen.

Dank tiefen Preisen ist Cybersquatting hierzulande eine beliebte Form, Markeninhaber zu erpressen.
Die Schweiz gehört zu den Ländern, in denen am häufigsten über den rechtmässigen Besitz von Internetadressen gestritten wird. Dies berichtete 'swissinfo' am vergangenen Samstag unter Berufung auf die UNO-Agentur "World Intellectual Property Organization" (WIPO). Der Vize-Direktor dieser Organisation für geistiges Eigentum, Christian Wichard, sagte gegenüber dem Newsdienst, dass die Schweiz Rang 6 jener Länder einnimmt, in denen bei der WIPO um internationale Ländererkennung – um sogenannte "country code top level domains" (ccTLD) – geklagt wird.
Allerdings muss angebracht werden, dass die WIPO nur Fälle von 46 Ländern betreut. Beispielsweise wird die Schlichtungsbehörde von Grossbritannien und Deutschland nicht beansprucht. Zu den 46 Ländern zählen nebst der Schweiz Exoten wie Dschibuti und Kiribati, aber auch Australien, Frankreich und die Niederlande. 16 Prozent aller Fälle von Ländercode-Streitereien, die seit 1999 bearbeitet wurden, betreffen die Schweiz. Diese verliefen meistens recht erfolgreich, wie Wichard gegenüber 'swissinfo' sagt.
Anspruch auf eine Schweizer ccTLD-Domain erhoben unter anderem UBS, Credit Suisse, Swiss Re, Swatch, Nestlé und das Internationale Olympische Komitee. Roche konnte sich kürzlich die Site www.tamiflu-vaccine.com sichern. Es gab auch Auseinandersetzungen um die Websites www.hitachi.ch und www.feldschlössli.ch.
Beliebtes Cybersquatting
Eine Website mit einem bekannten Namen zu registrieren und diese dann einem potenziellen Interessenten teuer zu verkaufen, erfreut sich grosser Beliebtheit. Diese an Erpressung grenzende Handlung nennt sich Cybersquatting und wird in der Schweiz durch die tiefen Domain-Preise gefördert, glaubt Wichard. Vor einem Monat hat der hiesige Internet-Registrar Switch zudem die Eintragungsgebühr von 40 Franken für neue Websites gestrichen. Per 1. März kostet demnach eine .li oder .ch-Site nur 35 Franken im Jahr, was dieses Phänomen tatsächlich weiter fördern könnte.
Aber auch die tiefen Preise für Prozesskosten sind dafür verantwortlich, weiss Wichard. In der Schlichtungsphase ist mit 600 Franken zu rechnen, während in anderen Ländern ein Streit nach WIPO-Regeln bis zu 2000 Franken kosten kann. Der dritte Grund für das Phänomen Cybersquatting in der Schweiz ist die grosse Präsenz von Haltern wichtiger Handelsmarken, die ihren Firmennamen als Website in der Schweiz registrieren wollen.
Schweizer Verlage können übrigens davon ein Lied singen. Edipresse erkaufte sich für das Gratisblatt 'Le Matin Bleu' die Domain www.matin-bleu.ch für 2300 Franken und Tamedia streitet momentan mit einem gewissen Roberto Caroppi, der am 3. April 2005 www.20minutes.ch registriert hatte. Tamedia will '20 minutes' im März lancieren und wird sich die Adresse wohl einiges kosten lassen. Caroppi sagte, er wolle einen Blog- oder Mail-Service aufmachen und habe lediglich einen einfach zu merkenden Namen ausgesucht. (mim)

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