Viele Projekte sind des Projektes Tod

16. März 2009, 17:07
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Noch werden die wenigsten Informatik-Projekte "in time" und "in budget" abgeschlossen. Und erstaunlich viele CIOs beschäftigen sich (wieder?) mit der Harmonisierung ihrer ERP-Lösungen.

Noch werden die wenigsten Informatik-Projekte "in time" und "in budget" abgeschlossen. Und erstaunlich viele CIOs beschäftigen sich (wieder?) mit der Harmonisierung ihrer ERP-Lösungen.
Der paneuropäische IT-Dienstleister Capgemini befragt jährlich etwa 130 "Entscheidungsträger" im deutschsprachigen Raum (darunter 13 aus der Schweiz) nach ihren Erfahrungen und Plänen bezüglich IT. Die Teilnehmer der Umfrage kamen durchwegs aus Grossfirmen (Umsatz zwischen 250 Millionen und 20 Milliarden Euro) und aus allen Branchen. Die neueste Umfrage wurde zwischen Ende Oktober und Ende November 2008 durchgeführt - die Angaben bezüglich Informatikbudget dürften damit noch weit zu optimistisch ausgefallen sein.
Zeitpläne und Budgets in Projekten werden weiterhin verfehlt
Die von Capgemini in einer geschlossenen Umfrage befragten Informatik-Leiter (CIOs) sind sehr selbstkritisch. Sie gaben an, dass 96 Prozent (!) aller IT-Projekte nicht im Zeitplan und 91 Prozent nicht innerhalb des Kostenrahmens abgeschlossen wurden. Bei den geschäftskritischen Projekten werden wenigstens 17 Prozent der Zeitpläne aber nur gerade sieben Prozent der Budgets eingehalten.
Hauptursache für diese katastrophalen Werte ist schlicht und einfach Überlastung. 70 Prozent (!) gibt "Zu viele Projekte werden gleichzeitig durchgeführt" als Ursache an, während noch die Hälfte der Befragten sagt, sie hätten zu wenig interne Ressourcen für die Bewältigung der Projekte zur Verfügung gehabt.
Sehr oft scheint in den Augen des IT-Managements auch das Business der Firma "schuld" an der Überschreitung der Kosten- und Zeitbudgets. Fast die Hälfte (46 %) der CIOs der Grossfirmen sagte nämlich, die fachliche Zielsetzung der Projekte sei unklar gewesen, immer noch eine starke Minderheit (43 %) gibt an, "Change Management" habe gefehlt und fast gleich viele (39 %) beklagen sich über "zu viel interne Politik" und (36 %) über "mangelnde Abstimmung zwischen der IT und den Fachbereichen.
Die Autoren der Studie kritisieren, dass CIOs halt immer noch zu wenig täten, um nicht nur als interner Dienstleister, sondern als "Business Partner" in ihrer Firma wahrgenommen zu werden. So würden nur 40 Prozent der Befragten Kennzahlensysteme für die Nachverfolgung von Kosten, Qualität und Service Levels einsetzen. So sehen sich heute drei Viertel (74 %) der Informatik-Leiter als "Dienstleister für die reibungslose Lieferung von IT". Die Hälfte (49 %) beschreibt seine seine Rolle als Business Partner des Managements, der geschäftliche Anforderungen in technische Lösungen umsetzt. Genau gleich viele sehen sich als "Treiber der technischen Innovation" (Mehrfachnennung war möglich).
Krise: Lieber Projekte verschieben als abblasen
Fast die Hälfte der Befragten glaubte letzten Herbst noch, mit ungekürztem Budget durch die Krise zu kommen. Dieser Optimismus dürften unterdessen verflogen sein oder demnächst verfliegen.
Interessanter scheinen uns deshalb die Antworten auf die Frage, mit welchen Massnahmen die Informatik-Abteilungen mit Budget-Kürzungen umgehen wollen. Die grosse Mehrheit (90 % - Mehrfachnennungen waren wieder möglich) will anstehende Projekte verschieben.
Bei den nächst-populären Sparmassnahmen kommen interne und externe Lieferanten dran. 68 % will Wartungskosten verringern, 50 % die Lizenzkosten senken, 48 % denkt auch an die Implementierungskosten und 45 % nennt Personalabbau als eine der bevorzugten Sparstrategien. Nur ein Drittel glaubt an Outsourcing als Sparmethode, ein Viertel denkt umgekehrt und nennt Insourcing.
Weiterhin (zu) disparate Systeme
Capgemini fragte unter anderem auch danach, welche Themen die IT-Verantwortlichen 2009 beschäftigen werden. Weiterhin ganz oben steht (neben bekannten "Dauerbrennern" wie Security und Business Intelligence) die Harmonisierung der ERP-Lösungen und der Stammdaten und Prozesse. Die angestrebte Harmonisierung (Reduktion der Instanzen und Systeme überhaupt, Standardisierung der Schnittstellen) dient einerseits der Reduktion von Kosten, andererseits aber auch der Erhöhung der Transparenz.
Bei 70 Prozent der Befragten stehen die ERP-Systeme im Augenmerk. 66 Prozent wollen (zur Kostenreduktion) die Schnittstellen zu Umsystemen standardisieren, (36 % wollen diese zudem auch reduzieren), 55 Prozent wollen die technische Infrastruktur überarbeiten und genau die Hälfte plant die Wartungs- und Lizenzkosten zu reduzieren. Ob dies genau den Erwartungen von Oracle, SAP & Co. entspricht? (Christoph Hugenschmidt)
(Quelle für dieses Feature: Wir haben für Sie die "Studie IT Trends", die Capgemini in den letzten Tagen veröffentlich hat, durchgesehen. Die Studie geht auf einige weitere interessante Punkte, so etwa den "Industrialisierungsgrad" (Eigenleistung vs. Fremdleistung) und das Selbstbild der internen IT, ein. Sie ist kostenlos und hier öffentlich zugänglich. Klick öffnet PDF.)

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