Vierfaser-Modell beendet Obwaldner Glasfaserträume

20. April 2011, 13:25
  • telco
image

Das Elektrizitätswerk Obwalden (EWO) begräbt seine Pläne, im ganzen Halbkanton Glasfasern zu vergraben. Swisscoms Vierfaser-Modell soll daran schuld sein.

Das Elektrizitätswerk Obwalden (EWO) begräbt seine Pläne, im ganzen Halbkanton Glasfasern zu vergraben. Swisscoms Vierfaser-Modell soll daran schuld sein.
Vor zwei Jahren hatte das Elektrizitätswerk Obwalden (EWO) angekündigt, bis 2014 Glasfasern in neun von zehn Obwaldner Wohnungen zu ziehen wurden. Daraus wird nun nichts, das EWO hat die Einstellung des Projektes bekannt gegeben.
Neues Geschäftsfeld mit Verlust
Grund für die Einstellung ist gemässe einer Mitteilung von gestern, dass sich die Situation im Telekommunikationsmarkt stark verändert habe: In den Städten habe sich durchgesetzt, dass vier Fasern in jedes Haus gezogen würden, was zum Wettbewerb zwischen den Betreibern der einzelnen Fasern führe. Unter diesen Umständen habe "die zu erwartende Auslastung nicht den Erwartungen des EWO" entsprochen und ein Weitertreiben der Arbeiten wäre "äusserst risikoreich" gewesen.
EWO-Verwaltungsratspräsident Hans-Jörg Bechter erklärt in der 'Obwalden und Nidwalden Zeitung' (ONZ) von heute: "Wir können kein neues Geschäftsfeld eröffnen, das Verlust bringt."
Das EWO hatte nur eine Faser verlegen wollen und sich auch gegen eine Zusammenarbeit mit Swisscom.
Swisscom verspricht Ausbau auf der ganzen Linie
Swisscom prüfe jetzt, so Swisscom-Sprecher Olaf Schulze, die technische Umsetzung eines Anschlusses der bestehenden Testkunden des EWO ans Netz von Swisscom. Es handelt sich dabei, so die 'ONZ', um 110 Haushalte in Kerns und Sarnen, die seit 2009 die schnelle Leitung kostenlos nutzen dürften.
Trotz der Einschätzung des EWO vertritt Swisscom weiterhin die Position, dass es auch in ländlichen Gebieten vier Fasern brauche. "Es braucht ein Modell, das den Wettbewerb auch bei der Infrastruktur garantiert", sagt Schulze. Er verweist auf das Projekt im Kanton Freiburg, wo Swisscom zusammen mit dem Energieversorger Groupe E ein Glasfasernetz baut - und zwar flächendeckend mit vier Fasern, wie er betont.
Schulze verspricht aber, dass die Swisscom an ihrem generellen Ziel festhält, eine Glasfaser-Abdeckung von 80 Prozent in der ganzen Schweiz zu erzielen: "Das gilt auch für Obwalden." (Philippe Kropf)

Loading

Mehr zum Thema

image

Podcast: 5G und Glasfaser – wer soll beim Ausbau mitreden?

Wir waren am Telekom-Gipfel des Branchenverbands Asut und nehmen die Themen kritische Infrastruktur, 5G und Glasfaser auf. Die Telcos sagen: Finanzierung ja, Hereinreden nein. Das geht nicht auf.

publiziert am 24.6.2022
image

Telekom-Chefs fordern mehr Unterstützung der Politik

Angesichts der Flut an Einsprachen gegen neue 5G-Mobilfunkantennen wünschen sich die Chefs der grossen Schweizer Telcos mehr Unterstützung durch die Politik. Punkto Glasfaserausbau zeigen sie indes wenig Kompromissbereitschaft.

publiziert am 22.6.2022
image

"Störungen wie letzte Woche wollen wir nie mehr sehen"

Jede Panne löst Turbulenzen und Unsicherheiten aus, sagte Bundesrätin Sommaruga an einem Telco-Anlass. Ihr Departement will nächstens Bestimmungen zur Netzstabilität vorschlagen.

publiziert am 21.6.2022 1
image

Aggressive Rabatte der "Grossen" belasten GGA Maur

Die Genossenschaft erwirtschaftete 2021 mehr Gewinn. Tiefe Preise der grossen Telcos führten aber zu Umsatzein­bussen.

publiziert am 9.6.2022