Vista-Knatsch im Bundeshaus

4. Dezember 2009, 16:36
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Einzelne Departemente des Bundes wollen den beschlossenen Standard-PC auf Vista-Basis nun doch nicht.

Einzelne Departemente des Bundes wollen den beschlossenen Standard-PC auf Vista-Basis nun doch nicht.
Wie die 'Berner Zeitung' heute berichtet, will das EDA (Eidgenössisches Departement des Äusseren) seine PCs nicht mit Microsoft Vista ausrüsten. Auch andere Departemente sträuben sich gemäss der Zeitung gegen eine Migration der PC-Arbeitsplätze auf Vista. So wollen gemäss der Zeitung sowohl das Uvek (Umwelt und Verkehr) wie auch das EJPD (Justiz und Polizei) dem Informatikrat des Bundes, der sich nächsten Dienstag trifft, den Antrag stellen, Vista auszulassen und später direkt auf Windows 7 migrieren.
Der Leiter des Informatikstrategieorgans (ISB) des Bundes, Peter Fischer, bestätigte auf Anfrage, dass die Betriebssystemfrage im Bund wieder aufgekommen ist. Fischer diplomatisch: "Das Programm zur Einführung des Standard-PC-Arbeitsplatzes läuft seit 2007 und dauert noch bis 2011. Da ist es ganz normal, dass man es zwischendurch wieder anschaut."
"Weniger Einsparungen als geplant"
In Wirklichkeit dürften Fischer und seine InformatikstrategInnen gar nicht glücklich darüber sein, dass nun im Bund noch einmal über PC-Betriebssysteme diskutiert wird. Denn bei der Festlegung eines Standardarbeitsplatzes für den Bund wurden über 60 verschiedene Programme getestet und ausgewählt. Das PC-Betriebssystem ist nur eines davon, allerdings ein wichtiges, da nicht alle Programme, die auf Vista laufen, zwangsläufig auch auf Windows 7 funktionieren.
Setzen sich also die "rebellischen" Departemente durch, so müssen die IT-Organisationen auch künftig verschiedene Konfigurationen der PC-Arbeitsplätze im Bund unterstützen, was die erhofften Effizienzgewinne durch die Einführung eines Standard-PC-Arbeitsplatzes (wenigstens teilweise) zunichte machen würde.
Allerdings sind die von der 'Berner Zeitung' genannten Zahlen zu den Kosten von Windows Vista (äxgüsi) Unsinn. Es ist zwar richtig, dass die umstrittene Verlängerung des "Enterprise Agreements" mit Microsoft total 42 Millionen Franken für 3 Jahre kostet, doch macht Windows Vista nur ein winziger Bestandteil davon aus. In den 42 Millionen Franken sind beispielsweise auch die Lizenzen für E-Mail-Server, SharePoint, Datenbanken, Office und vieles mehr enthalten.
Ausserdem kann der Bund innerhalb der Laufzeit des Lizenzvertrags beliebig und ohne Zusatzkosten neue Versionen von Software beziehen. Es wäre also möglich, ohne Zusatzkosten nach der Einführung des Standard-PC-Arbeitsplatzes unter Windows Vista relativ rasch auf Windows 7 zu migrieren. Auch technisch wäre dies nicht so aufwändig, da Windows 7 im Wesentlichen eine Weiterentwicklung von Vista ist. (Christoph Hugenschmidt)

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