VMware: Feind der IT-Industrie?

22. April 2009, 12:29
image

'vSphere' kommt am 21. Mai. Der Virtualisierungs-Champion VMware legt sich mit so ziemlich allen Grössen der IT-Industrie an - ausser Cisco.

"vSphere" kommt am 21. Mai. Der Virtualisierungs-Champion VMware legt sich mit so ziemlich allen Grössen der IT-Industrie an - ausser Cisco.
Die nächste Generation von VMwares Virtualisierungssoftware für Server, 'vSphere', wurde gestern in den USA und auch an einem Anlass für Medien und Mitarbeitende in Zürich en détail vorgestellt. Allzu viel Neues war nicht zu erfahren, hat der Hersteller doch bereits im Februar in Cannes einiges über 'vSphere' durchsickern lassen.
Doch einige Details dürften interessieren. So erlaubt 'vSphere', verglichen zur aktuellen Version, nicht nur die Nutzung von sehr viel grösseren Ressourcen auf einem virtuellen Server (8 statt 4 virtuelle CPUs, mehr addressierbarer Hauptspeicher, schnellerer Netzwerk-Durchsatz). Sondern man kann mittels Clusterung von bis zu 1280 virtuellen Servern einen virtuellen Supercomputer bauen, der 32 Terabyte Hauptspeicher ansprechen kann. Werden damit die teuren und für den Hersteller IBM höchst profitablen Grossrechner ("Mainframes") durch günstige Standard-Maschinen und Software ersetzt?
VMware wird Cisco-OEM
Zudem verwaltet und virtualisiert 'vSphere' nicht nur einzelne Server, sondern ganze Rechenzentren - also auch Netzwerkkomponenten und Speichernetzwerke. 'vSphere' lässt sich mit Ciscos 'Nexus 1000V', einem nur aus Software bestehenden Switch kombinieren. Damit lassen sich die Netzwerkressourcen nicht nur für einen virtuellen Server, sondern gleich für einen ganzen Cluster konfigurieren und managen. Für die Betreiber von Rechenzentren entfallen so Fehlerquellen und sehr viel manuelle Arbeit, so das gemeinsame Versprechen von Cisco und VMware.
Sparen bei Hardware, sparen bei Software, sparen beim Personal
Überhaupt versprach VMware-Schweiz-Chef Othmar Bienz (Foto) gestern bei der Präsentation von 'vSphere' vor allem eines: Die neue Generation der Virtualisierungs-Software soll massive Einsparungen an Hard- und Software, aber auch an Strom und Personalressourcen bringen. So kann man mit 'vSphere' nicht nur wie bisher Server besser auslasten, sondern auch Netzwerk- und Speicherressourcen dynamisch ("Storage Thin Provisioning") zuteilen und somit besser ausnützen. Es braucht also weniger Hardware. Mit einem Feature namens 'VMware Fault Tolerance" kann man zudem Server und darauf laufende Applikationen innerhalb einer virtualisierten Umgebung parallel laufen lassen und kommt so zu sehr tiefen Kosten zu einer fehlertolereanten Architektur.
Zudem trampelt VMware mit 'vCenter Suite', einer Software-Suite für das Management von ganzen Rechenzentren, sehr heftig in den Garten von Anbietern wie HP (Mercury, OpenView), IBM (Tivoli), BMC und CA (Unicenter). Die Software, die in der zweiten Jahreshälfte verfügbar werden soll, soll es RZ-Betreibern erlauben, kostengünstig eine "Wolke" zu bauen aus der heraus Rechenleistung und Speicherkapazität als Service angeboten werden (und verrechnet!) kann.
Der Einsatz von 'vSphere' könne die Kosten für den Betrieb von Applikationen um bis zu 50 Prozent senken, wurde gestern behauptet. Wenn sich die Behauptung bewahrheitet ist das eine gute Nachricht für IT-Verantwortliche - aber eher eine schlechte für Firmen, die vom Verkauf und Betrieb von Hardware und Mangement-Software leben.
Preiserhöhungen?
vSphere wird es ab ungefähr 21. Mai (VMware wollte den Termin nicht bestätigen, das Datum ist aber wahrscheinlich) in vier Versionen geben. Neu werden die Preise in Europa in Euro angegeben - zu befürchten ist, dass damit eine gewisse Preiserhöhung (Umrechnungskurs) verbunden sein wird. Bekannt sind aber erst Preise in Dollar.
"Enterprise Plus" wird 3'495 Dollar pro Prozessor (Sockel) kosten. Die nächst kleinere Version (inklusive Fault Tolerance und 'VMotion' für die dynamische Zuteilung von Speicherressourcen) wird 2'245 Dollar pro CPU kosten. Die "Standard" Lizenz kommt auf 795 Dollar zu stehen, die einfachste Version ("Essentials") wird nur noch 156 Dollar pro CPU kosten. Der Einstieg in die Virtualisierung zur Konsolidierung mehrerer Server soll damit auch für Kleinfirmen zur Option werden. (Christoph Hugenschmidt)

Loading

Mehr zum Thema

image

Wasserverbrauch eines Microsoft-Rechenzentrums empört Holland

Ein grosses Microsoft-RZ hat 4-mal mehr Wasser zur Kühlung benutzt als geplant. Der Konzern verspricht jetzt Nachhaltigkeit.

publiziert am 17.8.2022
image

RZ-Betreiber NorthC endgültig in der Schweiz angekommen

Die Übernahme der Netrics-RZs in Münchenstein und Biel ist abgeschlossen.

publiziert am 16.8.2022
image

Glarus hoch3 ist bald Geschichte – die Migration läuft schon

Die Tage der IT-Firma der Glarner Gemeinden sind gezählt, sie wird auf Anfang 2023 in der kantonalen Informatik aufgehen. Entlassungen gibt es nicht.

publiziert am 12.8.2022
image

Explosion in US-Rechenzentrum von Google

Drei Personen haben nach einem elektrischen Zwischenfall schwere Verbrennungen erlitten. Ob die Explosion Ursache einer Search-Störung war, ist nicht bestätigt.

publiziert am 9.8.2022