VMware: Mit Google und gegen Amazon und Microsoft

4. Februar 2015, 09:13
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Mit Servervirtualisierung stösst der Softwarehersteller an die Wachstumsgrenzen. Die Zukunft sieht VMware allem im IT-Management und in der Cloud. Mit neuen Partnerschaften will VMware hier den Anschluss schaffen – eine davon ist die neue Kooperation mit Google.

Mit Servervirtualisierung stösst der Softwarehersteller an die Wachstumsgrenzen. Die Zukunft sieht VMware allem im IT-Management und in der Cloud. Mit neuen Partnerschaften will VMware hier den Anschluss schaffen – eine davon ist die neue Kooperation mit Google.
Bei der Server-Virtualisierung sind die Grenzen des Wachstums erreicht. Alles, was sich sinnvoll virtualisieren lässt, wird heute von einem Hypervisor gemanagt und in vielen Unternehmen gibt es inzwischen zigtausende an Virtual Machines (VMs). Der mit Server-Virtualisierung gross gewordenen Software-Anbieter VMware hat deshalb schon seit geraumer Zeit seinen Fokus auf weitere Virtualisierungsfelder, wie Netzwerke und Storage erweitert. Hinzu kommen umfangreiche Angebote im Bereich RZ-Management – Stichwort, Software-defined Data-Center (SDDC). Das alles fasst man dann bei VMware unter dem Oberbegriff "Private Cloud" zusammen. Ergänzend dazu sollen den IT-Chefs mit Hilfe von Partnern Public-Cloud-Angebote schmackhaft gemacht werden.
Jüngster grosser Kooperationspartner ist Google, das demnächst die Google-Cloud-Plattform in VMwares vCloud Air integrieren wird. So sollen bis Jahresmitte die Google-Dienste Cloud Storage, BigQuery, die Cloud Datastore und Cloud DNS via vCA verfügbar sein. Weitere Angebote sollen folgen. So sei geplant, dass VMwares weit verbreitete On-Premise-Software ebenfalls bei Google verfügbar sein soll – aber noch gibt es dafür keinen Zeitplan. Nicht betroffen ist von der neuen Kooperation Googles Compute Engine, da diese in Konkurrenz zu VMwares eigener Compute Engine bei vCA steht.
Unterschiedliche Rechnungen
"Uns geht es darum, dass wir unseren Kunden eine komplette Hybrid-Cloud-Lösung bieten können, bei der sie die Google-Plattform für echte Business-Lösungen wie Recovery, Backup und grosse Scale-Out-Applikationen nutzen können. Ein wichtiges Element hierbei ist unsere moderne Software-definierte Netzwerk-Lösung NSX, über die sich grosse Datenmengen und Programme in kürzester Zeit verschieben lassen", erläuterte der VMware-CEO Gelsinger die Kooperation in einem Gespräch mit Inside-it.ch. Wobei er noch auf den hohen Stellenwert dieser Partnerschaft hinweist. "Unsere Kooperation mit Google bedeutet, dass sich die zwei führenden Cloud-Provider zusammengeschlossen haben“, sagte er über die Marktbedeutung. Damit meint er, dass VMware im Bereich Hybrid-Cloud Marktführer ist, während Google diese Position bei den Public-Cloud-Anbietern einnimmt. Das ist eine sehr weitreichende Definition, denn Gelsinger summiert unter dem Begriff Hybrid-Cloud sowohl alle Private-Cloud-Umsätze, also praktisch alle RZ-Umsätze, plus den Markt für Public-Cloud-Dienste. Ein Riesenmarkt also. Bei Google werden dann zusätzlich zu den professionellen Cloud-Umsätzen auch noch die Werbe-Einnahmen aus dem Search-Business in Höhe von 50 Milliarden Dollar mit eingerechnet. Und unter diesen Annahmen sind die beiden tatsächlich die jeweils grössten Anbieter.
Die grossen Marktforscher sehen diesen Markt allerdings anders. Forrester erwartet für dieses Jahr einen weltweiten SaaS-Abonnement-Umsatz von 87 Milliarden Dollar. Nur 21 Prozent davon – also 18,7 Milliarden Dollar – entfallen auf VMwares angestammtes Business der Cloud-Computing Software. Wie gross der VMware-Anteil tatsächlich ist, lässt sich aufgrund des immensen Partner-Geschäftes nur schwer abschätzen. Laut VMwares COO Carl Eschenbach entstammen derzeit 85 Prozent des Gesamtumsatzes dem Channel. "Unsere Partner sind kein verlängerter Vertriebsarm, sondern sie sind unsere Vertriebsmannschaft", sagte er in seiner Keynote.
Zwar macht VMwares Ausbau der Partner-Strategie viel Sinn, doch ob das gegen die Übermacht von Amazons AWS ausreicht, wird von vielen Analysten angezweifelt. "VMwares Problem ist, dass das Interesse an Virtualisierung im eigenen Rechenzentrum abnimmt, da es viel billiger und einfacher ist, alles auf die AWS-Plattform zu verschieben“, sagt beispielsweise John Dinsdale, Chef-Analyst bei der Synergy Research Group. In seinem jüngsten Bericht über den IaaS- und PaaS-Markt sieht er Amazon mit einem Marktanteil von 28 Prozent auf führender Position gefolgt von Microsoft (zehn Prozent), IBM (sieben Prozent) Google (fünf Prozent) und Salesforce (vier Prozent). VMware ist unter den Top sechs Anbietern gar nicht aufgeführt – allerdings schafft es der VMware-Partner Rackspace mit einem Anteil von drei Prozent auf den sechsten Platz.
Gelsinger ist jedoch zuversichtlich, dass VMware auf einem richtigen Weg ist. "Die IT-Chefs wollen eine einheitliche Struktur für die interne und die externe Cloud – und genau da sind wir bestens positioniert“, lautet seine Überzeugung. Dabei verweist er unter anderem auf die soeben vorgestellte Suite vSphere 6, in der es über 650 Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger gibt. Diesen umfangreichen integrierten Cloud-Ansatz fasst Gelsinger dann mit den Worten "eine Cloud, für alle Anwendungen und auf jedem Gerät" zusammen. Für letzteres hat sich VMware gerade durch den Kauf von Immido besser aufgestellt. Immido ist auf die Darstellung von beliebigen Inhalten auf vielen unterschiedlichen Geräten spezialisiert. (Harald Weiss, San Francisco)

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